Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
12.01.2015

Gefährdungsbeurteilung für Gase

Es ist aufwendig, Gefährdungsbeurteilungen für Gase zu erstellen. In der TRGS 407 und in der TRGS 725 finden Sie aber zahlreiche Hinweise, wie Sie die Gefährdungsbeurteilung durchführen können.

Oxygen and Gas Cylinders© shiyali /​ iStock /​ Thinkstock

Die TRGS 407 „Gefährdungsbeurteilungen für Gase“ ergänzt die TRGS 400 „Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“. Sie beinhaltet einige wichtige Definitionen:

  • Gase sind Stoffe oder Gemische/Zubereitungen, die entweder bei 50 °C einen Dampfdruck von 300 kPa (3 bar) haben oder bei 20 °C und einem Standarddruck von 101,3 kPa vollständig gasförmig sind
  • Tiefgekühlt verflüssigte Gase sind Gase, deren flüssiger Zustand durch Kühlung, Verdampfung oder Wärmedämmung bei einer Temperatur gehalten wird, die unter der Temperatur der Umgebung liegt.
  • Druckgasbehälter sind Druckbehälter für Gase, unabhängig vom Druck. Zum Druckgasbehälter gehören die Ausrüstungsteile, die dessen Sicherheit beeinflussen können. Es werden ortsbewegliche und ortsfeste Druckgasbehälter unterschieden.
  • Druckanlagen im Sinne dieser TRGS sind Druckanlagen gemäß TRBS 2141, soweit sie für Gase bestimmt sind.

Aspekte, die bei der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen sind:

Bei der Gefährdungsbeurteilung sind zuerst einmal die gefährlichen Eigenschaften von Gasen zu berücksichtigen, die durch die gefahrstoffrechtliche Einstufung und Kennzeichnung erkennbar sind.

Daneben kann auch aus der Farbkennzeichnung der Gasflaschen auf die gefährlichen Eigenschaften geschlossen werden.

Es gibt außerdem weitere  Parameter, die die Risiken beim Umgang beeinflussen:

  • Temperatur und Druck (T-Erhöhung führt zu Druckerhöhung im Druckgasbehälter)
  • Entzündbare Gase können zusätzlich selbstentzündlich sein (erhöhte Brand- und Explosionsgefährdungen)
  • Gase können chemisch instabil sein
  • Gase können korrosiv wirken (Behälter- bzw. Konstruktionswerkstoffe können angegriffen werden)
  • Gase können polymerisieren
  • Explosionsgrenzen können sich bei erhöhter Temperatur und/oder erhöhtem Druck ausweiten (UEG nach unten, OEG nach oben verschoben)
  • Andere Eigenschaften können sich ebenfalls in Abhängigkeit von Temperatur und Druck verändern (oxidierende Eigenschaften oder chemische Instabilität)
  • Fast alle Gase wirken bei genügend hohen Konzentrationen erstickend (Ausnahme Sauerstoff oder Luft)
  • Leichte Gase können sich in Bodennähe ansammeln
  • Unterhalb ihrer kritischen Temperatur können sich Gase verflüssigen (Unterdruck im Druckgasbehälter)
  • Tiefgekühlte verflüssigte Gase können zu Kälteverbrennungen führen (Gase selbst oder Armaturen)

Bei der Handhabung der Gase ergeben sich Gefährdungen, die analysiert und bewertet werden müssen. Diese Gefährdungen entstehen besonders in folgenden Situationen:

  • betriebsbedingte Freisetzung von Gasen,
  • unbeabsichtigte Freisetzung von Gasen,
  • Abweichungen vom bestimmungsgemäßen Betrieb ,
  • Einwirkungen von außerhalb auf den Druckgasbehälter,
  • das Mischen von Gasen,
  • unsachgemäße Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten.

Da die Eigenschaften von Gasen so vielfältig sind, sind auch die möglichen Gefährdungen zahlreich. Durch eine Ursachenbetrachtung können Sie weitere Hinweise darauf erhalten, wie die Risiken verringert werden können.

Da technische Abweichungen Gefährdungen auslösen können, sollten Sie auch die Techniker oder Bedienerder Anlagen mit einbeziehen. Sie können dadurch Ursachen identifizieren, die ansonsten nicht beachtet würden.

Neben der TRGS 407 gibt es zahlreiche andere Vorschriften, in denen Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit Gasen zu finden sind:

  • TRGS 500 (Schutzmaßnahmen),
  • TRGS 800 (Brandschutz),
  • TRGS 526 (Laboratorien),
  • TRBS 2141, alle Teile (Gefährdungen durch Dampf und Druck),
  • TRGS 720, TRGS 721, TRGS 722 bzw. TRBS 2152, alle Teile (Gefährliche explosionsfähige Atmosphäre).
  • TRGS 510 (Lagerung in ortsbeweglichen Behältern),
  • TRGS 512 (Begasungen), TRGS 513 (Tätigkeiten an Sterilisatoren mit Ethylenoxid und Formaldehyd), TRGS 522 (Raumdesinfektionen mit Formaldehyd),
  • TRGS 525 (Umgang mit Gefahrstoffen in Einrichtungen zur humanmedizinischen Versorgung),
  • TRGS 528 (Schweißtechnische Arbeiten),
  • TRGS 751 / TRBS 3151 (Vermeidung von Brand-, Explosions- und Druckgefährdungen an Tankstellen und Füllanlagen zur Befüllung von Landfahrzeugen),
  • DGUV Information 213-073 (Sauerstoff)
Autor: WEKA Redaktion 

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