Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation 14.06.2017

DNEL – So wenden Sie die Grenzwerte in der Praxis an

DNEL (Derived No Effect Level) treffen eine Aussage über die erreichbare Konzentration eines gefährlichen Stoffs, unterhalb derer keine schädliche Wirkung erwartet werden kann. Sie sind ein Beurteilungsmaßstab, der auch in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen ist.

DNEL werden im Rahmen des Stoffsicherheitsberichts unter REACH (CSR) abgeleitet. Nach REACH muss ein Stoffsicherheitsbericht erstellt werden, sobald  10 Tonnen eines Gefahrstoffs pro Jahr hergestellt oder importiert wird. Unter dieser Menge ist die Pflicht zu einer Ableitung dieses Grenzwerts nicht gegeben.

Der DNEL muss im Sicherheitsdatenblatt in Abschnitt 8 und im erweiterten Sicherheitsdatenblatt im Rahmen der Expositionsszenarien allen Verantwortlichen zugänglich gemacht werden.

Gesetzliche Grundlage

In Anhang I der REACH-Verordnung werden dezidierte Ausführungen gemacht, was bei der Ableitung der DNEL zu berücksichtigen ist. Die Expositionshöhen sind demzufolge so abzuleiten, dass unterhalb keine Gesundheitsgefahren zu bezeichnen sind. Damit könnte man meinen, dem Grenzwert würde eine ähnliche Bedeutung zukommen wie etwa dem Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) nach TRGS 900 oder den MAK-Werten. Dem ist allerdings nicht so.

Der DNEL beschränkt sich nicht auf eine Exposition am Arbeitsplatz, sondern darüber hinaus generell auch immer auch auf die Frage, ob eine Exposition des Endverbrauchers möglich ist, beispielsweise über eine Aufnahme über Lebensmittel oder das Trinkwasser. Offiziell sollen DNEL auch für empfindliche Bevölkerungsgruppen abgeleitet werden, wie Kinder und Schwangere. Da hierfür in der Regel aber nicht die Daten vorliegen, die benötig würden, ist das mehr oder minder Theorie und in der Praxis eigentlich nicht umsetzbar.

Vier Schritte zur Ermittlung der DNEL

Die Ableitung der Derived No Effect Level umfasst vier Schritte:

Schritt 1: Bewertung aller Informationen, die nicht am Menschen gewonnen wurden
Schritt 2: Bewertung von Informationen, die am Menschen gewonnen wurden –  falls solche vorliegen –  werden ebenfalls berücksichtigt. Bis auf sehr wenige Ausnahmen ist das aber in der Regel nicht der Fall.
Schritt 3: Einstufung und Kennzeichnung werden berücksichtigt
Schritt 4: Ableitung der DNEL-Werte

 

Mit Schritt 4 beginnt die sehr komplizierte toxikologische Ableitung. DNEL sind abzuleiten für die wahrscheinlichen

  • Aufnahmewege
  • Expositionsdauer
  • Häufigkeit der Exposition

DNEL können nur für Stoffe mit Wirkschwelle abgeleitet werden. Für genotoxische Stoffe (keimzellmutagene, kanzerogene Stoffe) werden sie nicht abgeleitet.

Die Begründung des DNEL-Werts muss gemäß dem Leitfaden der ECHA nachvollziehbar sein.

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Autor: WEKA Redaktion