01.12.2017

Das kleine Einmaleins der DIN-Normen

Es existiert eine Vielzahl technischer Normen. DIN, DIN EN, DIN EN ISO: Was bedeuten diese Abkürzungen eigentlich, wer ist für das Entstehen von Normen verantwortlich und warum gibt es überhaupt Normen? Wir liefern Ihnen hier einen kleinen Abriss.

DIN-Normen: Was bedeutet was?

Technische Normen stammen von privaten Organisationen

Das in Berlin ansässige DIN (Deutsches Institut für Normung e.V.) ist keine staatliche Behörde, es ist privatwirtschaftlich organisiert und besitzt den rechtlichen Status eines gemeinnützigen Vereins. Vereinsmitglieder sind Experten, Unternehmen, Verbände, Behörden und andere Institutionen aus Industrie, Handel, Handwerk und Wissenschaft. Das DIN ist laut einem entsprechenden Vertrag mit der Bundesrepublik Deutschland die zuständige deutsche Normungsorganisation und verantwortlich für die europäischen und internationalen Normungsaktivitäten. Die DIN-Mitarbeiter organisieren den gesamten Prozess der Normung auf nationaler Ebene und die deutsche Beteiligung auf europäischer und internationaler Ebene.

DIN-Normen sind technische Standards

Eine DIN-Norm ist keine Rechtsnorm, sondern ein technischer Standard. Allerdings dürfen staatliche Gesetze und Verordnungen durchaus auf einschlägige DIN-Normen verweisen. Derartige Normen sind das Ergebnis nationaler, europäischer oder internationaler Normungsarbeit, die von jedermann beantragt werden kann und u. a. von

  • Ausschüssen des DIN,
  • Ausschüssen der europäischen Normungsorganisationen CEN/CENELEC oder
  • Ausschüssen der internationalen Normungsorganisationen ISO/IEC

nach festgelegten Grundsätzen, Verfahrens- und Gestaltungsregeln durchgeführt wird. DIN-Normen müssen spätestens alle fünf Jahre überprüft werden.

Definition

Normung ist die planmäßige, durch die interessierten Kreise gemeinschaftlich durchgeführte Vereinheitlichung von materiellen und immateriellen Gegenständen zum Nutzen der Allgemeinheit. Sie darf nicht zu einem wirtschaftlichen Sondervorteil Einzelner führen. Sie fördert die Rationalisierung und Qualitätssicherung in Wirtschaft, Technik, Wissenschaft und Verwaltung. Sie dient der Sicherheit von Menschen und Sachen sowie der Qualitätsverbesserung in allen Lebensbereichen. Sie dient außerdem einer sinnvollen Ordnung und der Information auf dem jeweiligen Normungsgebiet. Die Normung wird auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene durchgeführt.“

Quelle: Allgemeine Grundsätze der DIN 820

Wie entstehen eigentlich DIN-Normen

DIN-Normen werden in aller Regel von den am jeweiligen Thema interessierten Kreisen (z. B. Hersteller, Verbraucher, Handel, Hochschulen, Versicherer, Behörden, Prüfinstitute) erarbeitet. Dazu werden entsprechende Experten in die rund 3.400 Ausschüsse des DIN entsandt, die in über 70 Normenausschüssen nach Fachgebieten organisiert sind. DIN-Normen verlangen grundsätzlich nach Konsens der Beteiligten. In der Praxis heißt dies, dass sich die Experten über die Inhalte mit dem Ziel verständigen, unter Berücksichtigung des Stands der Technik eine gemeinsame Auffassung zu erreichen.

Die europäische Normung durch CEN/CENELEC

Wesentliche Voraussetzung für die Realisierung des Europäischen Binnenmarkts war das Beseitigen sogenannter „nicht tarifären Handelshemmnisse“ – das sind beispielsweise Zölle und Einfuhrabgaben. In diesem Zusammenhang mussten und müssen die unterschiedlichen nationalen technischen Normen harmonisiert werden. Dies geschieht durch einheitliche europäische Normen, die durch die EU-Mitgliedschaft auch immer unverändert in den jeweiligen Ländern als nationale Normen Gültigkeit haben.

 Die Bedeutung der DIN-Norm-Bezeichnungen

DIN-Normen können nationale Normen, europäische Normen oder internationale Normen sein. Welchen Ursprung und damit welchen Wirkungsbereich eine DIN-Norm hat, lässt sich aus ihrer Bezeichnung ersehen.

Übersicht: Bedeutung der DIN-Normen

Bezeichnung Bedeutung
DIN (plus Zählnummer, z. B. DIN 2001)

 

Eine nationale Norm, die ausschließlich oder überwiegend nationale Bedeutung besitzt oder als Vorstufe zu einem internationalen Dokument veröffentlicht wird – die Zählnummer selbst sagt nichts über eine Normklassifizierung aus (Entwürfe zu DIN-Normen werden zusätzlich mit einem „E“ gekennzeichnet, Vornormen mit einem „V“).
DIN EN (plus Zählnummer, z. B. DIN EN 71)

 

Bei nationalen Normen mit Sicherheitsfestlegungen aus dem Bereich der Elektrotechnik ist anstelle der Zählnummer die VDE-Klassifikation angegeben (z. B. DIN VDE 0100).
DIN EN ISO (plus Zählnummer, z. B. DIN EN ISO 9001)

 

Deutsche Ausgabe einer europäischen Norm, die unverändert von allen Mitgliedern der europäischen Normungsorganisationen CEN/CENELEC/ETSI übernommen wurde.
DIN ISO, DIN IEC oder DIN ISO/IEC (plus Zählnummer, z. B. DIN ISO 720) Bei europäischen Normen der Elektrotechnik ist der Ursprung der Norm aus der Zählnummer ersichtlich:
DIN (plus Zählnummer, z. B. DIN 2001)

 

von CENELEC erarbeitete Normen haben Zählnummern zwischen 50000 und 59999,
DIN EN (plus Zählnummer, z. B. DIN EN 71)

 

von CENELEC übernommene Normen, die in der IEC erarbeitet wurden, haben Zählnummern zwischen 60000 und 69999 und
DIN EN ISO (plus Zählnummer, z. B. DIN EN ISO 9001)

 

europäische Normen des ETSI haben Zählnummern im Bereich 30000
DIN ISO, DIN IEC oder DIN ISO/IEC (plus Zählnummer, z. B. DIN ISO 720) Deutsche Ausgabe einer europäischen Norm, die mit einer internationalen Norm identisch ist und die unverändert von allen Mitgliedern der europäischen Normungsorganisationen CEN/CENELEC/ETSI übernommen wurde.
Autor: Ernst Schneider