Fachbeitrag | Normenwissen
27.02.2015

Not-Aus: EN 13850

Die Norm EN ISO 13850 ”Sicherheit von Maschinen – Not-Halt – Gestaltungsleitsätze“ ist Nachfolger der Norm EN 418 ”Sicherheit von Maschinen – Not-Aus-Einrichtung, funktionelle Aspekte – Gestaltungsleitsätze“. Die Terminologie wurde geändert, indem der Begriff ”Not-Aus“ durch den Begriff ”Not-Halt“ ersetzt wurde.

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Diese Norm ist eine B-Norm im Sinne der EN ISO 12100 und beschreibt die funktionalen Anforderungen an Not-Halt-Einrichtungen unabhängig von der verwendeten Energieart. Des Weiteren werden die Not-Halt-Funktion und das Not-Halt-Gerät definiert. Die Not-Halt-Funktion (Not-Aus) ist eine Maßnahme, die eine Gefahr ohne Kenntnis der Maschine, des Prozesses oder anderer Fachkenntnisse durch Betätigung des gekennzeichneten Befehlsgeräts möglichst schnell minimieren soll.

Nach EN ISO 13850 muss jede Maschine (Ausnahme: von Hand tragbare und handgeführte Maschinen) durch eine einzige Handlung einer beliebigen, anwesenden Person ohne lange Überlegungen stillgesetzt werden können. Dies wird durch die Not-Halt-Funktion erreicht.

Die Not-Halt-Einrichtung muss von allen Orten, an denen sie notwendig werden kann, leicht erreichbar sein und mechanisch verrasten.

Anforderungen an die Not-Halt-Funktion (Not-Aus):

  • Vorrang gegen alle anderen Funktionen und Arbeitsgänge in allen Betriebsarten der Maschine
  • Die Energiezufuhr zu den Maschinenantrieben, die gefährliche Zustände verursachen können, muss ohne Erzeugung weiterer Gefahren so schnell wie möglich abgeschaltet werden.
  • Not-Halt-Funktion ist eine Stopp-Funktion der Kategorie 0 oder 1, die durch Risikobeurteilung ermittelt werden soll.
  • Rücksetzen darf keinen Wiederanlauf bedeuten.
  • Die Kontakte der Not-Halt-Einrichtungen müssen zwangsöffnend sein.

Die allgemeinen Sicherheitsforderungen an Not-Halt-Einrichtungen werden als Mittel zur Verminderung oder Beseitigung von gefährlichen Situationen definiert, die eine Wirkung entfalten, ohne andere automatische Sicherheitseinrichtungen oder andere Schutzmaßnahmen zu beeinträchtigen oder zu ersetzen. Typisch sind die Wirkungskategorien ”Stopp-Kategorie 0“ und ”Stopp-Kategorie 1“. Die Norm ist mit einem Umfang von zehn Seiten sehr kurz gehalten.

Für den Not-Halt (Not-Aus) ist eine Stopp-Kategorie (durch Risikobeurteilung) zu bestimmen:

Stopp-Kategorie 0

Stillsetzen durch

  • sofortiges Unterbrechen der Energiezufuhr zu dem/den Maschinen-Antriebselement(en) oder
  • mechanische Trennung (Auskuppeln) zwischen gefahrbringenden Teilen und ihrem (ihren) Maschinen-Antriebselement(en) und, falls notwendig, durch Bremsen.

Die Not-Halt-Funktion der Stopp-Kategorie 0 wird nur mit festverdrahteten elektromechanischen Bauteilen (Schütze, Schalter, …) erreicht.

Der Hauptschalter darf diese Funktion übernehmen, sofern er in den entsprechenden Farben (Rot-Gelb) ausgeführt ist.

Stopp-Kategorie 1

Ein gesteuertes Stillsetzen mit Energiezufuhr zu dem/den Maschinen-Antriebselement(en), um den Halt zu erreichen, und nachfolgend, nach erreichtem Stillstand, Unterbrechung der Energiezufuhr.

Beispiele für das Unterbrechen der Energiezufuhr beinhalten:

  • Abschalten der Energiezufuhr zu dem (den) Elektromotor(en) der Maschine
  • Entkuppeln der beweglichen Teile der Maschine von der Quelle der mechanischen Energie und
  • Absperren der hydraulischen/pneumatischen Energieversorgung zu einem Kolben/Stößel

Auch bei der Stopp-Kategorie 1 für die Not-Halt-Funktion ist nach Stillstand der Antriebe eine galvanische (sichere) Trennung vom Versorgungsnetz erforderlich.

Mögliche Arten von Stellteilen:

  • Pilztaster (drucktastenbetätigter Schalter)
  • Drähte, Seile, Schienen (Reißleinenschalter (mit Reißleinenüberwachung!))
  • Griffe

in besonderen Anwendungsfällen Fußschalter ohne Schutzhaube.

Autor: Jo Horstkotte

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