03.03.2016

Leichenwagen in rot? Bei uns nicht!

Ein Bestattungsunternehmen transportierte Verstorbene in einem knallroten Lieferwagen. Die Bestatterinnung Berlin und Brandenburg sah darin einen klaren Wettbewerbsverstoß und klagte auf Unterlassung. Sie monierte außerdem, dass der Lieferwagen nicht den Vorschriften für Bestatter und Leichenwagen entspräche. Der Innenraum sei verschmutzt, ließe sich nicht desinfizieren und die Särge könnten nicht befestigt werden.

So entschied das Gericht

Das Landgericht Berlin entschied in seinem Urteil vom 14.02.2013, Az. 91 O 133/12, dass die Innung einen Anspruch auf Unterlassung nach § 8 Abs. 1 UWG habe und diesen geltend machen dürfe. Ein Leichentransport in einem knallroten Lieferwagen genüge nicht den Anforderungen der §§ 2 und 12 des Bestattungsgesetzes von Berlin. Ein solches Fahrzeug müsse der Würde des Verstorbenen und dem Pietätsempfinden gegenüber den Angehörigen Rechnung tragen.

Signalrot? Ein klares nein! In westlichen Kulturkreisen seien schwarz oder zumindest gedeckte Farben wie beispielsweise dunkelblau oder grau als Trauerfarben anerkannt. Schwarz sei unauffällig. Der Verstorbene würde nicht zur Schau gestellt, die Trauer der Angehörigen berücksichtigt.

Der Lieferwagen entspräche außerdem nicht den Anforderungen des § 17 Durchführungsverordnung zum Berliner Bestattungsgesetz. Der Laderaum müsse mit sämtlichen Einbauten umschlossen, verschließbar, vom Fahrraum getrennt sein und sich abwaschen und desinfizieren lassen.

Leichenwagen: andere Länder, andere Sitten

In Japan tunen manche Bestatter ihre Leichenwagen aufwändiger als in den Siebzigern die Manta- Fahrer ihre tiefergelegten Lieblinge. Da wird bei einem schwarz- oder goldglänzenden Nissan President oder Cadillac kurzerhand das Dach hinter den Fahrersitzen abgeflext und statt der bei uns üblichen dezenten Ladefläche thront dann ein pompöser goldener Tempel aus Holz dort. Buddha-Figuren, aufwändige Ornamente und respekterheischende Drachenfiguren locken Schaulustige magisch an. Auch das Innere des Sargraums ist aufwändig verziert. Vielen Japanern jagt der Anblick eines Bestattungswagens kein unangenehmes Schauern über den Rücken, sondern sie betrachten ihn als Glückssymbol, so wie wenn wir einen Schornsteinfeger sehen

In den USA sind die Leichenwagen gerne über sechs Meter lang, meist handelt es sich um einen Cadillac DTS oder ein Lincoln Town Car – die Farbe neben schwarz auch gerne mal weiß oder auch bunt.

Mehr zum Thema „zulässige Werbung“ finden Sie im Werk Friedhofs- und Bestattungswesen.

Autor: Astrid Hedrich (Rechtsanwältin und Dozentin in Augsburg. Beschäftigt sich mit Wirtschaftsrecht.)