03.08.2016

Drive-in-Aufbahrung

Pommes Frites, Cola und Burger mal schnell im Drive-in-Restaurant von McDonald’s zu kaufen, ist bei uns heute nichts Ungewöhnliches mehr. Viele Kunden schätzen es, bequem Waren und Dienstleistungen einzukaufen, ohne das vertraute Auto verlassen zu müssen. Kein Wunder, dass sich dieser Service auf immer mehr Produkte erstreckt. So können Heiratswillige in Las Vegas schon seit Langem in ihrer Limousine sitzen bleiben und am Drive-Through-Fenster ihr Hochzeitsgelübde abgeben. Das spart Zeit und Geld: Heiraten dauert nicht länger als einen Hamburger zu bestellen. Da war es nur eine Frage der Zeit, dass auch Bestatter den Service Drive-in-Aufbahrung anbieten.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

In Los Angeles, Chicago und anderen amerikanischen Städten können sich Angehörige von Verstorbenen im Drive-thru verabschieden: Der Bestatter hat den Leichnam aufgebahrt. Der halb offene Sarg liegt in einem großen Schaufenster.  Kommt ein Pkw vorbei, öffnen sich schwere weiße Satin-Vorhänge und geben den Blick auf den Toten frei, der aussieht, als ob er schläft. Der Fahrer und die Pkw-Insassen haben  nun drei Minuten Zeit,  Adieu zu sagen, während dezente Hintergrundmusik vom Band läuft.  Dann schließen sich die Vorhänge wieder. Hat der Verstorbene gerade im Bestattungsinstitut „Besuch“, bleibt das Fenster verschlossen.

Ob die Pkw-Insassen im Auto sitzen bleiben oder sich vielleicht doch an die Fensterscheibe stellen, ist ihnen überlassen. Auf Knopfdruck schiebt sich ein Kondolenzbuch auf einem Metallgestell aus der Wand neben dem Fenster, so dass der Besucher an Ort und Stelle ein paar tröstende Worte hinterlassen kann. Wer sein Kondolenzschreiben mitgebracht hat, kann es in den dafür vorgesehenen Briefkasten werfen.

So ungewöhnlich die Drive-in-Aufbahrung auf den ersten Blick anmutet, so segensreich kann sie gerade auch für alte und kranke Angehörige sein. Wie oft ist von ihnen zu hören: „Ich kann leider nicht auf die Beerdigung gehen. Meine Beine und meine Gesundheit machen nicht mehr mit.“ Diese Menschen werden nun im Pkw zum Drive-thru chauffiert. Auf diese Weise kann sich so manche betagte Dame doch noch persönlich von ihrem Ehemann verabschieden, die dazu sonst keine Chance mehr gehabt hätte. Das Drive-thru ist auch für Angehörige segensreich, die Angst vor einer Leichenhalle haben. Sie fühlen sich in ihrem eigenen Auto sicher.

Die Bestatter bieten diesen Service wie auch den, die Trauerfeier, den Verstorbenen und die Beisetzung zusätzlich via Kamera im Internet anzuschauen, auf Wunsch an.

Wer möchte, kann später sogar den Leichenschmaus in einem Drive-in-Restaurant einnehmen.

Wichtige Details zum Thema „Friedhof und Bestattung“ mit zahlreichen Praxistipps, Beispielen und Hinweisen zur Rechtsprechung finden Sie im Friedhofs- und Bestattungswesen.

Autor: Astrid Hedrich (Rechtsanwältin und Dozentin in Augsburg. Beschäftigt sich mit Wirtschaftsrecht.)