03.01.2022

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Der Strompreis setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Neben den eigentlichen Kosten für die Erzeugung und Bereitstellung von Strom mischt hier auch der Staat kräftig mit mit Steuern, Abgaben und Umlagen. Wir erklären Ihnen einfach und transparent die Bestandteile des Strompreises in Deutschland.

Zusammensetzung Strompreis

 

EEG-Umlage, Erzeugungskosten, Netzumlage & Co.: Der Strompreis, selbst nur wenige Cent pro Kilowattstunde „groß“, setzt sich aus zahlreichen Einzelkomponenten zusammen. Diese lassen sich grob – und nicht maßstabsgetreu – wie folgt unterteilen:

Zusammensetzung Strompreis

* Sonstige: §-19-StromNEV-Abgabe, Messstellenbetrieb, Messungsentgelt, Offshore-Haftungsumlage, KWK-Umlage, Umlage für abschaltbare Lasten

Bestandteile Strompreis

Um angesichts dieser Masse nicht den Überblick zu verlieren, lohnt es sich, einmal aus der Vogelperspektive auf den Strompreis zu blicken. „Eigentlich“ besteht der ja nur aus drei Komponenten:

  • Kosten des Energieversorgers für Einkauf/Erzeugung und Bereitstellung
  • Netznutzungskosten
  • der Rest: staatliche Steuern und Abgaben

Sobald sich einer der Bestandteile aus den drei Bereichen Stromeinkauf, Steuern oder Netzentgelte verändert, kann es zu Preiserhöhungen oder Preissenkungen kommen.

Kosten für Einkauf, Erzeugung und Bereitstellung (20–30 %)

Der Energieversorger kauft den Strom, den er an Haushalte oder Unternehmen weiterleitet, oder erzeugt ihn selbst. Die Kosten dafür gibt er an seine Kunden weiter. Außerdem verlangt er Geld für Vertrieb und Marge – das sogenannte Dienstleistungsentgelt. Der Einkaufspreis ist abhängig vom Markt. Diesen Teil des Strompreises kann der Enerbieversorger aktiv beeinflussen.

Hoher Strompreis 2021/2022

Am Terminmarkt der Strombörse in Leipzig (EEX) sind die Strompreise im Herbst und Winter 2021/2022 so hoch wie noch nie. Die Megawattstunde für Grundlaststrom kostete im September 2021 über 100 Euro – ein neuer Rekord.

Gründe für die hohen Preise: Kohlekraftwerke wurden hochgefahren, weil nicht ausreichend Windenergie zur Verfügung stand. Für Kohlestrom sind jedoch teure CO2-Zertifikate notwendig, die wiederum den Strom teurer machen.

Gleichzeitig sind auch die Preise am Terminmarkt in Leipzig gestiegen. Hier decken sich Versorger für die Zukunft mit Strom ein. Die erhöhten Beschaffungskosten werden in der Regel an die Kunden weitergegeben.

Netznutzungsentgelt (20–25 %)

Ähnlich wie bei einem Fahrschein für die Deutsche Bahn zahlen Stromkunden (und Gaskunden) dem Netzbetreiber eine Gebühr dafür, dass sie sein Versorgungsnetz für den Transport von Energie nutzen. Rund 900 verschiedene Netzbetreiber gibt es in Deutschland, und was sie für ihre Dienstleistung verlangen, variiert.

So zahlen Kunden in Baden-Württemberg im Durchschnitt deutlich weniger für die Netznutzung als Kunden in Mecklenburg-Vorpommern. Die Höhe dieses Entgelts hängt vor allem von der Art des Netzes und der geografischen Lage ab: Wer in einer Stadt angesiedelt ist und Zugriff auf Erdkabel hat, zahlt meist deutlich weniger als in ländlichen Gegenden mit Freileitungen. Dazu kommt ein deutliches Preisgefälle zwischen Ost- und Westdeutschland.

Damit die Netzbetreiber die Höhe der Netzentgelte nicht willkürlich festlegen, müssen diese von der Bundesnetzagentur zunächst genehmigt werden. Außerdem müssen Netzbetreiber die Höhe des Entgelts im Internet veröffentlichen. Diese Entgelte werden über den Strompreis an die Stromkunden weitergegeben.

Steuern und Abgaben (rund 50 %)

Steuern und Abgaben machen einen großen Bestandteil des Strompreises aus. Viele kleine Einzelfplichten summieren sich hier zu einem sehr großen Ganzen.

Stromsteuer

Die Stromsteuer enthält die Kosten, die nach dem Gesetz zur ökologischen Steuerreform vom Gesetzgeber erhoben werden. Diese sollen die Energie maßvoll verteuern, um Anreize zu schaffen, den Energieverbrauch zu senken und ressourcenschonende Produkte nachzufragen und zu entwickeln.

Konzessionsabgabe

Kommunen erhalten von Netzbetreibern eine Konzessionsabgabe als Gegenleistung dafür, dass sie öffentliche Straßen und Wege zur Verlegung von Strom- und Gasleitungen benutzen. Diese Abgabe geben die Netzbetreiber an ihre Kunden weiter.

EEG-Umlage

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) schreibt vor, dass Strom aus erneuerbaren Energiequellen bevorzugt in die Stromnetze eingespeist werden muss. Die Übertragungsnetzbetreiber kaufen diesen Strom von Betreibern von EE-Anlagen ein – und zwar, bis zum EEG 2017, zu einer im EEG festgelegten Vergütung (seit dem EEG 2017 setzt sich die Höhe dieser Vergütung in Ausschreibungen fest).

Die Netzbetreiber verkaufen dann den EEG-geförderten Strom an der Strombörse. Dabei erzielen sie manchmal nicht die Preise, die sie für den Strom gezahlt haben – gerade bei viel Sonne und Wind gibt es nämlich öfter ein Überangebot von Strom, die Preise an der Strombörse fallen. Der Differenzbetrag zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis wird durch die EEG-Umlage auf alle Stromverbraucher umgelegt und findet sich im Strompreis wieder.

KWK-Umlage

Ähnlich wie die EEG-Umlage: Mit den Einnahmen aus der KWK-Umlage werden die entsprechenden Kosten aus der Förderung von Kraft-Wärme-gekoppelten Kraftwerken gedeckt.

§ 19 Abs. 2 StromNEV-Abgabe

Nach § 19 Abs. 2 Satz 2 StromNEV werden bestimmte Industrieunternehmen auf Antrag von den Netzentgelten vollständig befreit. Die Übertragungsnetzbetreiber müssen den örtlichen Netzbetreibern die Erlöse erstatten, die diesen durch die niedrigeren Entgelte entgehen. Die Übertragungsnetzbetreiber gleichen die Zahlungen für diese entgangenen Erlöse untereinander aus und errechnen einen Aufschlag auf die Netzentgelte, der als Umlage auf alle Letztverbraucher umgelegt wird.

Offshore-Haftungsumlage

Die Umlage wurde wegen möglicher Entschädigungszahlungen an Betreiber von Offshore-Windparks eingeführt, die für den verspäteten Anschluss an das Übertragungsnetz an Land oder wegen lang andauernder Netzunterbrechungen zu zahlen sind. Seit dem 1. Januar 2019 enthält die Umlage auch die Kosten für die Errichtung und den Betrieb der Anbindungsleitungen.

Umlage für abschaltbare Lasten

Die Umlage für abschaltbare Lasten gleicht Vergütungszahlungen der Übertragungsnetzbetreiber an Anbieter von sogenannter „Abschaltleistung“ aus. Anbieter von Abschaltleistung sind z.B. Industriebetriebe, die für einen vereinbarten Zeitraum oder kurzfristig auf die Lieferung von Strom verzichten können, wenn im Stromnetz gerade nicht genügend Strom vorhanden ist.

Messstellenbetrieb und Messungsentgelt

Hierunter fallen Entgelte für die Kosten der Mess- und Steuereinrichtungen von Strom (z.B. Zähler), die Ablesung der Zähler und das Inkasso.

Negativer Strompeis

Wenn die Energie, die im Netz vorhanden ist, über dem Energieverbrauch liegt, etwa an Tagen mit viel Sonne und Wind, kann es durch das Überangebot zu negativen Preisen an der Strombörse kommen. Das bedeutet, nicht der Vertbraucher zahlt für Strom, sondern der Erzeuger zahlt den Verbraucher dafür, dass er ihm Strom abnimmt.

Zugelassen sind die negativen Strompreise seit 2008. Sie sollen den konventionellen Kraftwerken einen Anreiz bieten, ihre Stromproduktionen der schwankenden Nachfrage anzupassen. Denn die Kraftwerksbetreiber müssen den Verbraucher für die Energieabnahme aus ihrer eigenen Kasse bezahlen. Warum er das tut? Das Herunter- bzw. Wiederhochfahren von Kraftwerken ist sehr kostenintensiv. Die negativen Strompreise sind im Vergleich dazu geringer.

 

Autor*in: WEKA Redaktion