07.12.2017

Unterschiede bei Energieaudits nach ISO 50002 und DIN EN 16247-1

Im Kleinen verdeutlicht oder erweitert die ISO 50002 die Anforderungen der DIN EN 16247-1, denen ein Energieaudit genügen muss. In diesem Überblick zeigen wir die drei wichtigsten inhaltlichen Unterschiede zwischen den beiden Normen.

ISO 50002

Bereits am 1. Juli 2014 wurde die ISO 50002 mit dem Titel „Energy audits – Requirements with guidance for use“ (Energieaudits – Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung) auf Englisch veröffentlicht (die Norm finden Sie hier beim Beuth-Verlag). Eine deutsche Übersetzung der Norm gibt es bis heute nicht – das lohne sich schlichtweg nicht, sagt die ISO. Zu ähnlich seien die Regelungen denjenigen Bedingungen, die bereits die deutschsprachige DIN EN 16247-1 an Energieaudits stellt.

Tatsächlich stimmen die beiden Normen in vielen Abschnitten überein – sei es der generelle Aufbau, der Ablauf eines Audits oder grundlegende Definitionen. Kein Wunder, denn die ISO 50002 basiert auf der älteren europäischen DIN EN 16247-1. Wie es sich für eine internationale Norm gehört, sind in die ISO 50002 aber auch die Anregungen außereuropäischer Experten eingeflossen.

Im Kleinen verdeutlicht oder erweitert die ISO 50002 die Anforderungen der DIN EN 16247-1, denen ein Energieaudit genügen muss. In diesem Überblick zeigen wir die drei wichtigsten inhaltlichen Unterschiede zwischen den beiden Normen.

Die DIN EN 16247-1 ist mitnichten obsolet, nur weil die ISO-Norm veröffentlicht wurde. Als EN-Norm dient sie europäischen Rechtsvorschriften als wichtiger Bezugspunkt. Beispiele hierfür sind die Spitzenausgleich-Effizienzsystemverordnung (SpaEfV) oder das Energieaudit gemäß Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G 2015).


Anforderungen bei der Durchführung und der Qualifikation

Klarer als die DIN EN 16247-1 stellt die ISO 50002 ihre Anforderungen an Energieaudit und Energieauditor heraus. Eine ganze Reihe von Fragen müssen Auditor und Auftraggeber demnach schon zu Beginn des Audits geklärt haben: Dazu gehören die jeweiligen Rollen, Verantwortlichkeiten und Befugnisse. Dazu gehört auch, dass Unternehmen bereits vor der Planungsphase einen festen Ansprechpartner für den Auditor benennen.

Über die Qualifikation des Auditors stellt die ISO-Norm fest: Wer nicht mit den auditierten Energieeinsätzen vertraut ist, nicht die wichtigen Vorschriften und Normen kennt und keine technischen Fähigkeiten in den relevanten Bereichen hat, der darf keine Energieaudits durchführen.

Messplan nach ISO 50002

Ein neuer Abschnitt 5.5 der ISO 50002 macht konkrete Vorgaben zu Messeinrichtungen und Messverfahren. In einem „Messplan“ müssen folgende Angaben festgehalten werden:

  • eine Aufstellung der vorhandenen Messpunkte und Messeinrichtungen
  • mögliche weitere Messpunkte, geeignete Messeinrichtungen und die Machbarkeit der Einrichtung
  • Anforderungen an Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Messungen
  • Dauer und Häufigkeit der Messungen
  • die Häufigkeit der Erfassung der Messergebnisse
  • angemessene Zeiträume bei vorübergehenden Messungen
  • von der auditierten Organisation zu liefernde Daten, z.B. Produktionsmengen oder andere Parameter
  • Verantwortlichkeiten für die Durchführung der Messungen

Im Vergleich zur europäischen Norm sind auch die Anforderungen an die Dokumentation und die Verifizierung der Messungen weiter gefasst.

Transparenz bei Daten und Verbesserungspotenzialen

Die ISO 50002 präzisiert die Art und Weise, wie Energieauditoren Verbesserungspotenziale identifizieren. Sie geht also intensiver auf die Datenanalyse ein.

Im Abschlussbericht möchte sie die Bedingungen und Annahmen für Messungen, Abschätzungen und Bewertungen herausgestellt sehen, und sie verlangt eine Zusammenfassung des Energieeinsatzes und des Energieverbrauchs. Diese Forderungen reihen sich nahtlos in ein Muster ein, dem sich die ISO 50002 generell stärker als die DIN EN 16247-1 verschrieben hat: Transparenz und Plausibilität bei der Messung und Datenanalyse.

Autor: WEKA Redaktion