06.09.2018

ISO 50001:2018 für Energiemanagementsysteme veröffentlicht

Punktlandung für die International Organization for Standardization (ISO): Am 21.08.2018 veröffentlichte sie wie geplant die neue ISO 50001:2018 für Energiemanagementsysteme. Die deutsche Übersetzung mit dem Titel „Energiemanagementsysteme – Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung“ soll gegen Ende dieses Jahres erscheinen. Wir werfen einen Blick auf die wichtigsten Änderungen und zeigen, wo und wie Sie handeln müssen.

ISO 50001

Wen betrifft die Neufassung der ISO 50001:2018?

Auf die ISO 50001:2018 müssen alle Unternehmen ein Auge haben, die bereits ein zertifiziertes Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 umgesetzt haben oder die in Zukunft ein solches System aufbauen wollen.

Bis wann müssen Unternehmen Ihre Energiemanagementsysteme umstellen?

Die Umstellungsfrist beträgt drei Jahre nach der Veröffentlichung der englischen Fassung der Norm (zur Norm im Beuth-Verlag). Nach dem 20.8.2021 laufen also alle Zertifikate ab oder müssen zurückgezogen werden.

Aber Vorsicht: Zertifizierungsgesellschaften dürfen nach 18 Monaten ab Veröffentlichungsdatum nur noch nach der ISO 50001:2018 auditieren und zertifizieren. Unternehmen müssen die Umstellung also frühzeitiger planen, als dies bei der ISO 9001 und der ISO 14001 der Fall war. Hier konnten Unternehmen die vollen drei Jahre Übergangsfrist ausschöpfen.

Wir empfehlen zertifizierten Unternehmen deshalb, sich frühzeitig mit den neuen Anforderungen und geänderten Begrifflichkeiten vertraut zu machen.

Wie ist die neue Norm aufgebaut?

Seit dem Jahr 2012 gibt es in der Internationalen Normenorganisation ISO eine Vorgabe für den Aufbau neuer und überarbeiteter Managementsystem-Normen: die sogenannte High-Level-Structure. Alle Managementsystem-Normen bestehen demnach aus einer gemeinsamen Grundstruktur, die sich in zehn gleichlautende Abschnitte untergliedert. Auch bestimmte Definitionen sind nun normübergreifend einheitlich festgelegt. Das soll die Integration verschiedener Systeme (Umwelt, Qualität usw.) in ein gemeinsam geführtes Managementsystem erleichtern. Der Aufbau der Norm hat sich also wie folgt verändert:

Vergleich der alten Struktur mit der neuen der ISO 50001:2018
Vergleich der alten und neuen Struktur der ISO 50001

 

Welche neuen Anforderungen stellt die ISO 50001:2018?

Betriebliche Umwelt

Unternehmen müssen interne und externe Themen sowie interessierte Parteien auflisten und analysieren, sofern sie die erfolgreiche Umsetzung des Energiemanagementsystems und dessen Ziele beeinflussen können. Solche Einflüsse können z.B. Politik, Verbraucherverbände, verfügbare Techniken oder Interessen von Eigentümern und Mitarbeitern sein.

Risiken und Chancen

Wenn dieser Lieferant, dieser Kunde wichtig ist für die Zielerreichung im Energiemanagementsystem, dann geht damit auch das Risiko einher, dass er negative Entscheidungen trifft. Dieses Bewusstsein von „Risiko” sorgt für Vorbeugungsmaßnahmen im geschäftlichen Alltag. Die Einflussfaktoren und Risiken müssen Unternehmen schriftlich erfassen und regelmäßig hinterfragen.

Auch bei der Planung sind Organisationen nun angehalten, zu hinterfragen, welche Chancen und Risiken es gibt, welche Risiken unvermeidlich sind und mit welchen Maßnahmen sie eliminiert oder verringert werden können.

Energiemanagementbeauftragter fällt weg

Außerdem muss die oberste Leitung anders als bei der alten Norm jetzt keinen Energiemanagementbeauftragten mehr berufen. Die Norm betont, dass es der obersten Leitung obliegt, sicherzustellen, dass das EnMS seine beabsichtigten Ergebnisse erzielt. Diese Verantwortung kann sie nicht mehr an einen Beauftragten delegieren. Für die operative Betreuung des EnMS ist in Zukunft das Energiemanagement-Team verantwortlich. Das kann auch nur aus einer einzigen Person bestehen.

Normalisierung von Energieleistungskennzahlen

Neu ist auch die Anforderung, Energieleistungskennzahlen und energetische Ausgangsbasis ggf. zu normalisieren, also Änderungen von relevanten Variablen (und ggf. statischen Faktoren) in die Berechnung einzubeziehen.

Kontinuierliche Verbesserung

Nahtlos schließt sich hier die Forderung der Norm nach der kontinuierlichen Verbesserung des Energiemanagementsystems an. Energieleistungskennzahlen sollen dazu dienen, die Verbesserung der energiebezogenen Leistung nachzuweisen – dies erfolgt durch den Vergleich mit der entsprechenden Ausgangsbasis.

Es reicht nach der neuen Norm also nicht mehr aus, einen Status quo beizubehalten und nur die energiebezogene Leistung zu verbessern, sondern die Organisation muss einen Weg finden, kontinuierlich ihre prozessualen Strukturen zu optimieren.

Welche Anforderungen werden durch die neue Norm lediglich präziser formuliert?

Die turnusgemäße Überprüfung der Norm zeigte den Bedarf auf, einzelne Anforderungen klarer zu formulieren. Dies zeigt sich in der neuen Normfassung beispielsweise in den folgenden Bereichen:

Plan zur Energiedatensammlung

Der bisher unter „Überwachung, Messung und Analyse“ geforderte „Plan für die Energiemessung“ wird in der Neufassung der ISO 50001 als „Plan zur Energiedatensammlung“ zum Bestandteil der EnMS-Planung. Die Norm konkretisiert die Anforderungen, die dieser Plan erfüllen muss. In ihm halten Unternehmen fest, welche Daten – genau und wiederholbar – gesammelt und als dokumentierte Information aufbewahrt werden. Auch die Methoden, mit denen gültige Mess- und Überwachungsergebnisse sichergestellt werden sollen, müssen Unternehmen hier bestimmen.

Energetische Bewertung

Die Norm verdeutlicht, dass in der energetischen Bewertung die relevanten Variablen, die aktuelle energiebezogene Leistung und die Personen mit einer möglichen Einflussnahme auf den wesentlichen Energieeinsatz (= SEU) bestimmt und dokumentiert werden müssen.

Einen Schritt-für-Schritt-Leitfaden zur Anpassung Ihres bestehenden Energiemanagementsystems an die neuen und präzisierten Anforderungen bietet Ihnen das Werk „Energiemanagement in der betrieblichen Praxis“. Schauen Sie doch gleich mal rein.

Autor: WEKA Fachredaktion