15.01.2018

Feuerwiderstandsklassen und was man darüber wissen muss

Feuerwiderstandsklassen dienen der Einstufung von Bauteilen nach ihrer Feuerwiderstandsdauer. Im Detail geben die Zahlen also an, wie viele Minuten ein Bauteil – zum Beispiel eine Wand, eine Decke oder ein Dach – einem Feuer standhält. Vor dem Hintergrund gültiger Vorschriften und entsprechender Normen gibt es eine Reihe wichtiger Punkte zu beachten.

Feuerwiderstandsklassen

Feuerwiderstandsklassen oder auch Brandschutzklassen sind Klassen, in die Bauteile nach ihrer Feuerwiderstandsdauer eingestuft werden. Die Feuerwiderstandsdauer stellt die Mindestdauer in Minuten dar, während der ein Bauteil bei Prüfung nach DIN 4102 die in dieser Norm gestellten Anforderungen erfüllt.

Einflussfaktoren
Die Feuerwiderstandsdauer und damit auch die Feuerwiderstandsklasse eines Bauteils hängen im Wesentlichen von folgenden Einflüssen ab:

  • Brandbeanspruchung (ein- oder mehrseitig)
  • verwendeter Baustoff oder Baustoffverbund
  • Bauteilabmessungen (Querschnittsabmessungen, Schlankheit, Achsabstände usw.)
  • bauliche Ausbildung (Anschlüsse, Auflager, Halterungen, Befestigungen, Fugen, Verbindungsmittel usw.)
  • statisches System (statisch bestimmte oder unbestimmte Lagerung, einachsige oder zweiachsige Lastabtragung, Einspannungen usw.)
  • Ausnutzungsgrad der Festigkeiten der verwendeten Baustoffe infolge äußerer Lasten
  • Anordnung von Bekleidungen (Ummantelungen, Putze, Unterdecken, Vorsatzschalen usw.)

Ermittlung der Feuerwiderstandsklassen
Die Benennung der Feuerwiderstandsklasse bzw. der Brandschutzklasse erfolgt auf der Grundlage der ermittelten Feuerwiderstandsdauer des Bauteils und der Klasse der für dieses Bauteil verwendeten Baustoffe (Baustoffklasse).

Nachweis der Feuerwiderstandsklassen

  • Mit Brandversuchen
    Die Feuerwiderstandsklasse von Bauteilen muss durch Prüfzeugnis auf der Grundlage der DIN 4102 nachgewiesen werden.
  • Ohne Brandversuche
    Die in DIN 4102 Teil 4 genannten Bauteile sind ohne Nachweis in die dort angegebenen Feuerwiderstandsklasse einzureihen.

Einteilung der Feuerwiderstandsklassen

Tabelle – Feuerwiderstandsklassen nach DIN 4102 Teil 2:

Feuerwiderstandsklasse Feuerwiderstandsdauer t in Minuten
F30 ≧ 30
F60 ≧ 60
F90 ≧ 90
F120 ≧ 120
F180 ≧ 180

Tabelle – Feuerwiderstandsklassen für verschiedene Bauteile:

Bauteile DIN 4102 Feuerwiderstandsklassen
Bauteile allgemein Teil 2 F30 F60 F90 F120 F180
Außenwandbauteile Teil 3 W30 W60 W90 W120 W180
Brandwände Teil 3 F90 F120 F180
Brandschutzabschlüsse Teil 5 T30 T60 T90 T120
Brandschutzklappen Teil 6 K30 K60 K90
Lüftungsleitungen Teil 6 L30 L60 L90 L120
Kabelschottungen Teil 9 S30 S60 S90 S120 S180
Rohrdurchführungen Teil 11 R30 R60 R90 R120
Installationsschächte und -kanäle Teil 11 I30 I60 I90 I120
Funktionserhalt elektrischer Leitungen Teil 12 E30 E60 E90
F-Verglasung Teil 13 F30 F60 F90 F120
G-Verglasung Teil 13 G30 G60 G90 G120

Baurechtliche Anforderungen
Die Zuordnung der bauaufsichtlichen Anforderungen an die Feuerwiderstandsfähigkeit zu den Klassen nach DIN 4102-2 und nach der DIN EN 13501 erfolgt über die Bauregelliste A Teil 1, Anlage 0.1. Die unbestimmten Rechtsbegriffe der Bauordnungen wie „feuerhemmend”, „hochfeuerhemmend” und „feuerbeständig” werden dadurch konkretisiert.

Die in den Bauordnungen genannten Bauteilanforderungen werden also durch die Prüfnormen mit definierten Anforderungsprofilen begründet.

Europäische Klassifizierungskriterien
Im Zuge der europäischen Harmonisierung wurde in Deutschland neben der DIN 4102 die DIN EN 13501 eingeführt. Bauteile mit europäischer Klassenangabe können zur Erfüllung von bauaufsichtlichen Feuerwiderstandsanforderungen verwendet werden.

Autor: Donald Kowalke