21.12.2016

Warum das richtige Licht am Arbeitsplatz so wichtig ist

Betrieblicher Arbeits- und Gesundheitsschutz hat viele Facetten. Während einigen viel Bedeutung beigemessen wird, wie etwa der Unfallverhütung in der Fabrikhalle, wird die Frage nach der richtigen Beleuchtung oft stiefmütterlich behandelt. Dabei spielt das Licht am Arbeitsplatz eine wichtige Rolle für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit.

Licht am Arbeitsplatz

Betriebliches Gesundheitsmanagement. Das Auge ist unser wichtigstes Sinnesorgan: Etwa 80 % Prozent der Gesamteindrücke, die der Mensch aufnimmt, erfolgen über die Augen. Sie sind im Dauereinsatz und insbesondere am Arbeitsplatz hohen Belastungen ausgesetzt. Um sie bestmöglich zu unterstützen, kommt es auf die richtige Beleuchtung an. Ausreichendes Licht am Arbeitsplatz ist für die Beschäftigten notwendig, um optimal arbeiten zu können. Schlechte Lichtverhältnisse belasten die Gesundheit: Kopfschmerzen durch überanstrengtes Sehen, Augenprobleme, Nervosität und innere Unruhe, depressive Verstimmungen sowie eine schwächere Immunabwehr können die Folgen sein. Wenn die Beleuchtung nicht stimmt, kommt es auch eher zu Zwangs- und Fehlhaltungen, weil man unbewusst Reflexblendungen ausweichen will. Dies kann Beschwerden im Schulter-Nacken-Arm-Bereich auslösen.

Praxistipp

Ihre Sicherheitsfachkraft und der Betriebsarzt sollten Ihren Arbeitgeber hier fachkundig beraten. Daneben sollte Ihr Arbeitgeber bei der Gefährdungsbeurteilung Ihre Kollegen befragen.

 

Expertentipp

Wenn es um die Beleuchtung von Arbeitsplätzen geht, ist Tageslicht einer künstlichen Beleuchtung vorzuziehen. Tageslicht beeinflusst die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit positiv, während künstliche Beleuchtung schnell zu Ermüdungserscheinungen führt. Das intensivere Tageslicht hält Körper und Geist frisch – auch bis in die Abendstunden. Deshalb ist es auch wichtig, dass die Arbeitsräume Fenster haben.

Ohne Kunstlicht geht es nicht

Allerdings steht Tageslicht nicht immer (ausreichend) zur Verfügung: Wie viel Tageslicht genutzt werden kann, hängt nicht nur von der Art des Arbeitsplatzes ab. Dies unterliegt auch tages- und jahreszeitlichen Schwankungen. Deshalb ist eine zusätzliche, qualitativ gute künstliche Beleuchtung wichtig. Folgende Richtwerte gibt es für die optimale Beleuchtungsstärke am Arbeitsplatz:

– Für einen Arbeitsplatz in Fensternähe reichen 300 Lux.

– Bildschirmarbeitsplätze benötigen 500 Lux.

– In Großraumbüros sind 750 Lux erforderlich.

– Zum Lesen von Schriftstücken sind 800-1000 Lux optimal.

Künstliche Beleuchtung sollte dem Tageslicht ähneln

Tageslicht liefert Licht mit einem Spektrum, das vom Auge als weiß empfunden wird. Um bei künstlicher Beleuchtung die störenden Effekte unterschiedlicher Lichtfarben zu vermeiden, soll die Lichtfarbe des künstlichen Lichts dem des Tageslichts angepasst sein. Achten Sie insbesondere beim Austausch älterer Lampen darauf, dass die künstliche Beleuchtung am Arbeitsplatz in der Lichtfarbe Warmweiß oder Neutralweiß gehalten wird. Auch eine Vollspektrumbeleuchtung sorgt für Lichtverhältnisse, die dem Tageslicht ähneln.

Ihr Arbeitgeber ist in der Pflicht

Der Arbeitgeber muss für eine Beleuchtung sorgen, die den arbeitsschutzrechtlichen Anforderungen genügt. Aber auch Sie als Betriebsrat haben in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle: Zum einen müssen Sie gemäß § 80 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG überwachen, ob die Geschäftsleitung ihren Pflichten nachkommt. Sie haben diesbezüglich einen Informationsanspruch gegenüber Ihrem Arbeitgeber. Fragen Sie ihn ganz gezielt, ob er sich über eine ausreichende Beleuchtung am Arbeitsplatz schon einmal Gedanken gemacht hat. Zum anderen können Sie über Ihr Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG bei den Gefährdungsbeurteilungen entscheidende Akzente setzen. Ihr Arbeitgeber muss in regelmäßigen Abständen mit einer Gefährdungsbeurteilung ermitteln, ob die Arbeitsplätze ausreichend beleuchtet sind. Meist wird er dazu auch die Lichtstärke messen müssen. Bei der Lichtmessung ist darauf zu achten, dass die Ergebnisse nicht verfälscht werden. Fragen Sie Ihren Arbeitgeber, ob er mögliche „Störfaktoren“ ausgeschaltet hat.

Mit diesem Schnell-Check können Sie prüfen, ob Sie an alle wichtigen Punkte zum Thema Beleuchtung am Arbeitsplatz gedacht haben.

 

Empfehlung der Redaktion

Sie fanden diesen Artikel interessant und wollen regelmäßig über die für Betriebsräte relevanten Arbeitssicherheitsthemen informiert werden? Dann empfehlen wir Ihnen unser Fachmagazin Arbeitssicherheit BETRIEBSRAT, aus dem dieser Artikel stammt.

Probeheft bestellen Arbeitssicherheit Betriebsrat

Autor: Silke Rohde (ist Rechtsanwältin & Journalistin sowie Chefredakteurin des Fachmagazins Betriebsrat KOMPAKT)