08.12.2017

Die Generation Mitte stellt hohe Anforderungen an ihr berufliches Umfeld

Die tatsächliche berufliche Situation der Generation Mitte erfüllt deren hohe Anforderungen nur zum Teil. In einer repräsentativen Umfrage wurden Personen im Alter von 30 bis 59 Jahren interviewt. Danach schätzt diese Generation die eigene Lebenssituation und die Lebensqualität in Deutschland generell sehr positiv ein. Politischen Handlungsbedarf sieht sie vor allem beim sozialen Ausgleich, bei der Integration von Zuwanderern und beim Pflege- und Rentensystem.

Generation Mitte

Umfrage zur „Generation Mitte“

Das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) hat die „Generation Mitte“ zu ihrer Lebenssituation, ihren Sorgen und ihren Prioritäten erneut befragt und im August in einer repräsentativen Umfrage 1.053 Personen im Alter von 30 bis 59 Jahren interviewt. Die Generation Mitte stellt hohe und weiter wachsende Anforderungen an ihr berufliches Umfeld.

  • Vor dem Hintergrund der guten Beschäftigungslage ist die Arbeitsplatzsicherheit nur noch ein Faktor neben vielen anderen, die für die Generation Mitte relevant sind: Der Beruf soll in einem Gesamtpaket aus weichen und harten Faktoren rundum zufriedenstellen.
  • Neben dem sicheren Arbeitsplatz (91 %) stehen ganz oben auf der Wunschliste nette Kollegen (89 %) und gute Vorgesetzte (79 %), eine gute Altersversorgung (76 %) und die Vereinbarkeit der beruflichen Anforderungen mit der Familie (74 %).
  • Im Vergleich zu 2015 sind fast sämtliche Anforderungen an den Arbeitsplatz gewachsen. Wichtiger geworden sind den Befragten insbesondere eine gute Altersversorgung (+9 % auf 76 %), wenig Überstunden (+10 % auf 65 %), ein kurzer Arbeitsweg (+9 % auf 63 %), ein hohes Einkommen (+9 % auf 57 %) und flexible Arbeitszeiten (+8 % auf 56 %).

Die tatsächliche berufliche Situation der 30- bis 59-Jährigen erfüllt die hohen Anforderungen nur zum Teil.

  • Die größte Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit besteht hinsichtlich einer guten betrieblichen Altersversorgung. Sie wird von 76 Prozent als wichtiger Aspekt genannt, aber nur 26 Prozent sehen dies als erfüllt an. Ähnlich große Abstände existieren bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (74 % zu 37 %), guten Aufstiegschancen (51 % zu 14 %) und dem beruflichen Stress (49 % zu 14 %).
  • Ärger sowie Leistungs- und Termindruck bei der Arbeit sind für die Generation Mitte der mit Abstand größte Stressauslöser (56 %). Unter den 30- bis 59-Jährigen leiden 28 Prozent häufig, 51 Prozent gelegentlich unter Stress.

 

Wer ist die „Generation Mitte“?

Die Generation Mitte, das sind die 30- bis 59-Jährigen. Sie stehen zumeist im Berufsleben, sind ein Großteil der Steuerzahler und Wähler. Und sie leben angesichts der guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland beruhigter als in den Jahren zuvor. Sie machten sich geringere Sorgen um ihren Lebensstandard und hätten etwas weniger Angst vor Arbeitslosigkeit als in den Vorjahren, lautet das Ergebnis einer repräsentativen Allensbach-Umfrage im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

„Dank der anhaltend guten Konjunktur ist die Generation Mitte mit ihren Lebensumständen so zufrieden wie seit vielen Jahren nicht mehr“, sagte Allensbach-Chefin Renate Köcher bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Gefragt nach den Stärken Deutschlands nannten die meisten zuerst das kulturelle Angebot (83 %) und die hohe Lebensqualität (80 %). Nicht weit dahinter lag die „Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen“ mit 69 Prozent.

 

Trotzdem nicht alles gut

Im Vergleich zu 2016 sind die Anforderungen an den Arbeitsplatz teilweise bemerkenswert gewachsen. 76 Prozent der Befragten legen Wert auf eine gute Altersversorgung (plus 9 %), wenig Überstunden (65 %, plus 10), einen kurzen Arbeitsweg (63 %, plus 9), ein hohes Einkommen (57 %, plus 9) und flexible Arbeitszeiten (56 %, plus 8).

Der Umfrage zufolge bewerteten vier von fünf Befragten (79 %) ihre Lebensqualität insgesamt als gut oder sehr gut (plus 4 Punkte zu 2016). 77 Prozent sehen jedoch in der Verteilung von Einkommen und Vermögen den Hauptschwachpunkt für Deutschland. Und das, obwohl vier von zehn Befragten sagten, dass sich ihre Lebensqualität in den vergangenen fünf Jahren verbessert habe, 17 Prozent sprachen von einer Verschlechterung. Für jeden Dritten der 30- bis 59-Jährigen hat sich demnach die wirtschaftliche Lage in den vergangenen fünf Jahren verbessert, für 17 Prozent hingegen verschlechtert.

Andere Schwachpunkte sind das Pflegesystem und der Umgang mit Pflegebedürftigen (66 %), die Bürgerbeteiligung an politischen Entscheidungen (64 %) und erst auf Platz 4 folgt mit 62 Prozent die Integration von Zuwanderern. Deshalb soll sich die neue Bundesregierung auch besonders um ein bezahlbares und zukunftssicheres Gesundheitssystem kümmern (84 %), um die Verringerung der sozialen Unterschiede zwischen Arm und Reich (79 %) und um die Terrorismus- und Kriminalitätsbekämpfung (78 %).

Vor allem bei ärmeren Menschen fällt auf, dass sie kaum darauf vertrauen, dass der Staat ihre Interessen ausreichend berücksichtigt. 54 Prozent haben nur wenig Vertrauen, während in der Gruppe mit dem hohen sozioökonomischen Status lediglich 27 Prozent wenig Vertrauen haben. 38 Prozent der Ärmeren verbinden mit dem Staat Negatives wie Regeln, Vorschriften und Steuern. Das ist nur bei 18 Prozent der Reicheren so.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)