Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
16.03.2016

ISO 45001 und die Änderungen gegenüber OHSAS 18001

Die neue ISO 45001 beinhaltet eine Reihe von Änderungen gegenüber der bisherigen OHSAS 18001. Wer sein Managementsystem künftig auf dem „Stand der Technik“ aufrecht erhalten will, sollte sich bereits jetzt damit beschäftigen.

Die ISO 45001 bringt einige Neuerungen.© phototechno/​iStock/​Thinkstock

ISO 45001 OHS ist anders aufgebaut

Der primäre Unterschied zwischen der neuen ISO 45001 und der bisherigen OHSAS 18001 besteht darin, dass der grundlegende Aufbau der ISO 45001 OHS der sogenannten High Level Structure entspricht.
Unternehmen die bereits ein Managementsystem nach BS OHSAS 18001 besitzen – und es haben zertifizieren lassen – müssen nach der Veröffentlichung der Endfassung der ISO 45001 OHS auf die neue Norm umstellen, denn der bisherige Standard BS OHSAS 18001 wird einige Zeit danach zurückgezogen und kann dann nicht mehr als Standard für externe Zertifizierungen herangezogen werden.

Sollte ein Managementsystem nach BS OHSAS 18001 aufgebaut, aber nicht extern zertifiziert worden sein, kann man es – rein rechtlich – sicherlich unverändert weiterverwenden. Allerdings sollte dennoch überlegt werden, die Änderungen schrittweise einzuführen, um weiterhin den „Stand der Technik“ des eigenen Managementsystems aufrecht zu erhalten.

 

Wichtige Veränderungen durch die ISO 45001 OHS

Erster wichtiger Teil der neuen Regeln wird – in Beachtung der Regeln der ISO Organisation für die Entwicklung internationaler Managementsystemstandards – ein starker Fokus auf den Unternehmenskontext sein. D. h. jedes Unternehmens muss sich in strukturierter Form darüber klar werden, in welcher, vor allem „rechtlicher“, Umgebung arbeitet das Unternehmen und welche Anforderungen stellen alle interessierten internen und externen Parteien  an die Arbeitssicherheitsleistung des Unternehmens?

Bei den interessierten Parteien handelt es sich insbesondere um:

  • Mitarbeiter und Führungskräfte des Unternehmens (insbesondere im Arbeits- und Gesundheitsschutz sind davon potentiell auch immer Angehörige mit betroffen)
  • Kunden und Lieferanten
  • Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden
  • Berufsgenossenschaften
  • Versicherungen

 

ISO 45001 fordert Verantwortung

Zudem kann es – je nach Art des Unternehmens und seiner Produkte – bedeuten, dass sich das Unternehmen neben dem Arbeitsschutz der eigenen Arbeitnehmer auch mit den Arbeitsbedingungen entlang seiner gesamten Wertschöpfungskette beschäftigen muss. Arbeitsschutzrisiken können nicht einfach ausgegliedert werden. Daher müssen – so vorhanden – auch die Arbeitsbedingungen der für das Unternehmen vor Ort tätigen Dienstleister und der Lieferanten berücksichtigt werden.

Eine weitere größere Änderung gegenüber dem bisherigen Stand betrifft die Rolle der obersten Leitung bzw. des Topmanagements. Das muss sicherstellen, dass Arbeits- und Gesundheitsschutz zentrale Punkte des gesamten Managementsystems werden. Ohne ein starkes und dauerhaftes Engagement der obersten Leitung ist das nicht erreichbar. Die oberste Leitung muss sich daher zur umfassenden Berücksichtigung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes bei allen Unternehmensentscheidungen entschließen – und durch die gesamte Unternehmenshierarchie hindurch umsetzen.

Darüber hinaus wird es erforderlich, dass das Unternehmen einen separaten Prozess schafft und unterhält, der die Chancen für die Verbesserung der Arbeitssicherheit identifiziert und deutlicher darstellt.

 

Die vorläufige Terminplanung bis zur Veröffentlichung der neuen ISO 45001

Im Januar bereits hat die dreimonatige Abstimmungsfrist zum DIS ISO 45001(DIS =Draft International Standard) begonnen. Somit kann im April 2016 eine Zusammenstellung und Analyse der DIS-Kommentare erfolgen.
Bisher noch offen sind die Termine zum Erscheinen des FDIS 45001 (FDIS = Final Draft International Standard)
und der Veröffentlichung der neuen ISO 45001. Möglich und denkbar dafür wären das dritte oder vierte Quartal dieses Jahres.

 

Autor: Eckhard Tschersich

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