25.08.2021

So aktivieren Sie wichtige Ressourcen für gesunde Führung

Wie Belastungen auf einzelne Beschäftigte wirken, ob sie krank machen oder nicht, hängt von den Ressourcen ab, die der Betrieb bietet und auch von den individuellen Ressourcen der Beschäftigten. Beide müssen gestärkt werden und sollten kompatibel sein.

Mitarbeiter erfährt Anerkennung durch eine Führungskraft - ein Beispiel für gesunde Führung.

Gesunde Führung bietet Beschäftigten viele Ressourcen an sowie die Möglichkeit, die eigenen Ressourcen zu stärken. Allerdings können Arbeitgeber die Ressourcen der Beschäftigten oft nur unvollständig einschätzen. Beschäftigte legen ihre Defizite auch häufig nicht offen, weil sie Nachteile befürchten.

Betrachten wir im Folgenden zunächst, welche Ressourcen Führungskräfte ihren Beschäftigten zur Verfügung stellen können.

Was sind Ressourcen?

Ressourcen sind der Gegenpol zu den Belastungen im Arbeitsalltag. Neben den betrieblichen Ressourcen sind es vor allem auch die persönlichen Fähigkeiten der Beschäftigten, die sie in die Lage versetzen, mit Belastungen konstruktiv umzugehen.

Große Handlungsspielräume als betriebliche Ressource

Fühlen Beschäftigte sich durch eng vorgegebene Arbeitsbedingungen belastet, stellen große Handlungsspielräume eine wichtige Ressource dar.

Derzeit verfügen vor allem höher qualifizierte Beschäftigte über große Handlungsspielräume. Während 82 % der höher qualifizierten Befragten berichten, dass sie ihre Aufgaben selbständig wahrnehmen können, ist dies nur bei 42 % der Beschäftigten ohne Schulabschluss der Fall. Auch ihre Pausenzeit können deutlich mehr höher Qualifizierte selbst bestimmen.

Die Arbeitsmenge scheint dagegen über alle Qualifikationsniveaus hinweg eher vorgegeben zu sein: Lediglich 25 % der Beschäftigten ohne Schulabschluss können Einfluss auf die Menge an Aufgaben nehmen, die sie bearbeiten müssen, und auch nur 38 % der höher Qualifizierten.

Hinweis: Persönlichkeit der Beschäftigten beachten

Was zunächst als betriebliche Ressource gedacht ist, kann sich bei näherem Hinsehen als Belastung entpuppen. So meinen es Führungskräfte gut, wenn sie große Handlungsspielräume oder viel Gemeinschaft im Team bieten. Doch vielleicht hat ein Beschäftigter eher das Bedürfnis, klare Arbeitsanweisungen zu erhalten und vermeidet soziale Kontakte. Die betrieblichen Ressourcen müssen deshalb stets den persönlichen Ressourcen der Beschäftigten entsprechen.

Betriebliche Ressource „Soziale Unterstützung“

Das Gefühl, von Kollegen und Vorgesetzten sozial unterstützt zu werden, stellt eine wichtige Ressource für Beschäftigte dar. Inwiefern Beschäftigten diese Unterstützung zuteil wird, ist unter anderem eine Frage der Qualifikation: Während Beschäftigte mit einer betrieblichen oder schulischen Ausbildung, mit einem Techniker- oder Meisterabschluss und Beschäftigte mit einem FH- oder Universitätsabschluss in fast gleicher Weise von einer guten sozialen Unterstützung berichten, profitieren Beschäftigte ohne Schulabschluss nur unterdurchschnittlich davon.

Handlungsfelder für gesunde Führung in der Praxis

Als professioneller Akteur im Arbeits- und Gesundheitsschutz eröffnen sich für Sie vor allem vier Handlungsfelder, wenn es um gesunde Führung und die Stärkung betrieblicher wie individueller Ressourcen geht:

  • Führungskräfte müssen selbst über Ressourcen wie Zeit und eigene Entscheidungsspielräume verfügen, damit sie auch den Beschäftigten Ressourcen wie Handlungsspielräume, soziale Unterstützung und die Möglichkeit, Herausforderungen gut zu bewältigen, zur Verfügung stellen können. Sind dagegen Führungskräfte-Ressourcen gering ausgeprägt, ist zu erwarten, dass die Beschäftigten ebenfalls nur über geringe Ressourcen verfügen können.
  • Wesentlichen Einfluss auf die Ressourcen hat eine Unternehmenskultur, die die Bedeutung von Arbeitszeit- und Pausenregeln betont und für alle verbindlich macht. Auch klare betriebliche Vorgaben wie z. B. eine Begrenzung der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit oder zeitliche Mindestabstände zwischen zwei Schichten sind eine Rahmenbedingung für gesunde Arbeit.
  • Individuelle Ressourcenstärkung gelingt auch durch Stärkung der Selbstfürsorge und die Entwicklung von Bewältigungsmechanismen. Dazu gehören fachliche Unterweisungen, um Überforderung zu vermeiden sowie Angebote zur Stressbewältigung, z. B. autogenes Training oder Atemtechniken.
  • Die Erwerbsbiografie eines Beschäftigten muss im Auge behalten und auf Leistungswandlungen muss reagiert werden. Etwa durch eine bessere technische Ausstattung des bestehenden Arbeitsplatzes, unter Umständen aber auch durch den Wechsel an einen anderen Arbeitsplatz.
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Autor: Markus Horn