12.05.2015

Rechtskataster nach DIN EN ISO 50001

Nicht nur Unternehmen, die ein Energiemanagementsystem betreiben, stehen vor der Aufgabe, Rechtsvorschriften und ethische Standards einzuhalten. Rechtskonformes Arbeiten ist in jedem Betrieb die Grundvoraussetzung für Produktivität und Erfolg. Die Fülle der Gesetze, Vorschriften und Normen stellt Betriebe jedoch vor große Herausforderungen, die noch komplexer sind, wenn eines oder mehrere Managementsysteme angewendet werden.

Rechtskataster

Rechtssicherheit – ein hohes Gut

Die DIN EN ISO 50001 fordert „Compliance“, worunter die Rechtskonformität bei der Einführung und Aufrechterhaltung des Managementsystems ebenso wie die Einhaltung selbst gewählter Verpflichtungen verstanden wird. Um beides zu gewährleisten, verlangt die Norm, dass das Unternehmen eine Systematik einführt, mit der die Einhaltung jederzeit überprüft werden kann. Die Erfüllung der Rechtsvorschriften muss also dokumentiert und anhand konkreter Daten für die Außendarstellung aufbereitet werden.

Um diese Aufgabe leisten zu können, führen Unternehmen üblicherweise ein Rechtskataster nach DIN EN ISO 50001 ein. Darin werden alle für das betriebliche Geschehen relevanten Normen und Vorschriften aufgelistet, z.B. in Form einer Excel-Tabelle. Die Führung des Rechtskatasters ist mit hohem zeitlichen und personellen Aufwand verbunden, denn in Deutschland gibt es zurzeit mehr als 50.000 geltende Rechtsnormen. Die betrieblich relevanten unter ihnen müssen erfasst, regelmäßig auf ihre Aktualität hin überprüft und ggf. ausgetauscht oder ergänzt werden.

 

Unterstützung durch externe Dienstleister

Nicht nur aufgrund des hohen Aufwands, sondern auch wegen der Risiken bei Verstößen (Strafzahlungen, Unterbrechungen des Produktionsbetriebs) greifen viele Unternehmen auf Dienstleistungen wie den WEKA-Vorschriftendienst zurück. Die Recherchearbeit entfällt, der Nutzer erhält Zugang zu einer aktuellen Rechtsdatenbank und wird automatisch, z.B. per E-Mail, über neue Gesetze und Gesetzesänderungen informiert. Natürlich bleibt der Betrieb in der Pflicht, diese umzusetzen. Voraussetzung dafür ist die Prüfung des jeweiligen Zusammenhangs zwischen Normänderung und konkreter betrieblicher Situation vor Ort.

 

Anlagenkataster und Rechtskataster

Für diese Prüfung ist in der Regel der Energiemanagementbeauftragte verantwortlich – eine Aufgabe, die hohe Anforderungen an die Kenntnis der Organisationsabläufe stellt. Ein Anlagenkataster, das die physische Welt eines Unternehmens in einer Datenbank abbildet, dient der Transparenz und der größeren Unabhängigkeit von Einzelpersonen. Die Dokumentenverwaltung wird durch das Anlagenkataster für den gesamten Betrieb übersichtlich und nachvollziehbar. Jede Anlage kann mit den entsprechenden Pflichten verknüpft werden und jederzeit lässt sich über Berichte ein Compliance-Überblick generieren.

Weil die Erzielung von Rechtssicherheit eines großen Ressourceneinsatzes bedarf, ist es wichtig für Unternehmen, Einsparpotenziale durch die Vermeidung von Redundanzen zu realisieren. Eine Möglichkeit besteht darin, das Anlagenkataster und das Rechtskataster so zusammenzufassen, dass sich aus der Schnittmenge der Rechtsvorschriften die Pflichten im Einzelnen ergeben.

Autor: Susanne Niemuth-Engelmann