23.01.2019

Worauf Geschäftsführer im Hinblick auf die (spätere) Rente achten sollten!

Oh schöne Pensionszeit! Dazu verdienen, wie viel man will, und die Rente obendrein einstreichen. Was dem Ochsen erlaubt ist, ist es Jupiter noch lange nicht, weiß der Lateiner (wenn auch normalerweise anders herum). Als Geschäftsführer im Unruhestand sollten Sie da besondere Vorsicht walten lassen – und als GmbH auch.

Geschäftsführer

Geschäftsführer und in Rente: dürfen sie Ihre Rente neben dem Gehalt beziehen?

Ja, aber nicht die ganze. Manche Chefs gehen nicht in den Ruhe-, sondern in den Unruhestand. Beherrschende Gesellschafter-GmbH-Geschäftsführer können mit Eintritt der Rente oft nicht zur Ruhe kommen. Sie arbeiten über das vertraglich festgelegte Ende ihres Dienstverhältnisses hinaus weiter. Und sie beziehen dann natürlich auch weiter ihr Geschäftsführergehalt. Doch geht das: Gehalt und Pensionszusage? Wenn Sie sich als ein solcher beherrschender Gesellschafter-GmbH-Geschäftsführer angesprochen fühlen, dann lesen Sie sicher das folgende besonders aufmerksam.

Betriebsrente neben dem Geschäftsführergehalt – eine vGA?

Ja, kaum zu glauben, aber wahr. Angenommen, Sie sind beherrschender Gesellschafter-Geschäftsführer Ihrer GmbH und Sie setzen Ihr Dienstverhältnis mit dieser auch als Pensionär fort. Dann ist Schluss mit dem gleichzeitigen Bezug der Betriebsrente in ungekürzter Höhe neben Ihrem Geschäftsführergehalt. Rechnet Ihre GmbH Ihr Gehalt nicht auf Ihre Pensionszusage an, liegt für das Finanzamt eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) vor – und für den Bundesfinanzhof (BFH) auch, (Urteil vom 05.03.2008, Az.: I R 12/07).

Empfehlung der Redaktion

Dieser Beitrag beruht auf einem Artikel aus dem „GmbH-Brief AKTUELL“ (Ausgabe 16/2018).

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Welche Auswege gibt es?

Sie haben in diesem Fall zwei Möglichkeiten:

  1. Entweder Ihre GmbH rechnet Ihr Gehalt auf die Betriebsrente an oder
  2. Sie verschieben Ihren Pensionsbeginn so lange Sie Geschäftsführer sind; im Finanzamtsdeutsch: Sie verschieben den vereinbarten Eintritt Ihrer Versorgungsfälligkeit so lange, bis Sie als Geschäftsführer diese Tätigkeit endgültig beendet haben.

Der Bundesfinanzhof (BFH, Urteil vom 23.10.2013, Az.: I R 60/12) hat sich dazu 2013 entsprechend im Fall einer Steuerberatungs-GmbH geäußert. Diese hatte ihrem beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer eine Pension in Höhe von rund 4.600 Euro monatlich ab dem 65. Lebensjahr zugesagt. Zu einer möglichen Weiterbeschäftigung danach und eine dadurch bedingte spätere Inanspruchnahme der Altersrente legte man nichts fest.

Eine Woche vor dem 65. Geburtstag des Geschäftsführers beschloss eine außerordentliche Gesellschafterversammlung, dass er bei einer Geschäftsführertätigkeit über das 65. Lebensjahr hinaus pro Monat statt 4.600 Euro nur 3.700 Euro Pension erhalten würde. Zugleich verringerte sich sein Geschäftsführergehalt um diese 900 Euro. Daneben sollte sich die vereinbarte volle monatliche Pension angemessen – entsprechend zum Abschlag bei einer vorzeitigen Renteninanspruchnahme – um 0,5 Prozent pro Monat erhöhen.

Anlässlich einer Außenprüfung meinte das Finanzamt, diese Erhöhung der Rentenleistung verstoße gegen das Nachzahlungs- und Rückwirkungsverbot. Insoweit sei eine vGA gegeben. Auch könne der Geschäftsführer die Erhöhung nicht mehr erdienen.

Die dagegen gerichtete Klage der GmbH wurde vom Finanzgericht (FG) Köln abgewiesen. Die Richter folgten der Auffassung des Finanzamts (FG Köln, Urteil vom 06.04.2017, Az.: 10 K 2310/15). Die Revision wurde zwar wegen der grundsätzlichen Bedeutung und zur Fortbildung des Rechts zugelassen. Inzwischen ist die Entscheidung aber rechtskräftig geworden und die Revision nicht mehr möglich. Dabei hatte der BFH erst kürzlich seine Rechtsprechung zu Fragen der späteren Erhöhungen der Pensionszusage geändert (BFH, Urteil vom 07.03.2018, Az.: I R 89/15, siehe GmbH-Brief Oktober 2018, Ausgabe 13/18, S. 6).

Was heißt das für die Praxis?

Die GmbH kann Scherereien mit dem Finanzamt bei einer solchen Ausgangslage nur aus dem Wege gehen, indem sie die Pension auf das Gehalt ihres Geschäftsführers oder umgekehrt voll anrechnet. Dann kann sie Sie als ihren beherrschenden Gesellschafter-GmbH-Geschäftsführer nach Erreichen Ihres vereinbarten Pensionsalters unter gleichzeitiger Auszahlung einer Pension weiter beschäftigen. Dafür müssen dann aber Sie in den sauren Apfel beißen, dass Sie eine bereits erdiente Altersrente teilweise verlieren.

Expertenrat: So lassen sich Verluste doch vermeiden!

Dazu gibt es folgende zwei Möglichkeiten:

  1. Sie schieben den Pensionsbeginn aufgrund der Weiterbeschäftigung mit oder ohne Barwertausgleich auf.
    -> Dazu wies das FG Köln darauf hin, dass nach gefestigter BFH-Rechtsprechung auch bei einer nachträglich vereinbarten Pensionserhöhung keine vGA gegeben sei, wenn nur eine Anpassung an die Steigerung der allgemeinen Lebenshaltungskosten vereinbart werde.
  2. Sie beenden Ihr Dienstverhältnis als Geschäftsführer und nehmen anschließend eine anderweitige Tätigkeit für die GmbH auf, etwa als Berater auf Honorarbasis im Rahmen einer freien Mitarbeit.
    -> Die Auszahlung der Pension ist dann für die Steuer unerheblich und löst keine vGA aus.

Und diesen Rat zum Schluss:

Ihre GmbH und Sie als beherrschender Gesellschafter-Geschäftsführer sollten rechtzeitig – also spätestens vor dem Erreichen des 60. Lebensjahrs des Geschäftsführers – eine Regelung für den Fall treffen, dass Sie länger als vereinbart tätig sind.
Darauf sollten Sie alle Pensionszusagen überprüfen. So beugen Sie späteren bösen Überraschungen vor.

Autoren: Joachim Welper (Dipl.-Betriebswirt, Steuerberater, Business Coach, langjähriger Autor im Bereich Unternehmensführung), Franz Höllriegel