31.07.2019

Wie kann man sich bei der Ausgabe von Tankgutscheinen steuerlich absichern?

Pecunia non olet – Geld stinkt nicht, wussten schon die alten Römer. Aber es weckt manchmal Begehrlichkeiten beim Finanzamt. Tankgutscheine tun beides nicht. Dafür müssen Sie nur ein paar Ratschläge beherzigen.

Tankgutschein

Warum sind Tankgutscheine bei Arbeitnehmern als Zugabe zum Gehalt so beliebt?

Auto ist beliebtestes

Edenred Vouchers GmbH, nach eigener Einschätzung führender Anbieter von Gutscheinen und Gutscheinkarten im B2B-Geschäft auf dem deutschen Markt, ist dieser Frage nachgegangen. Er kam zu interessanten Antworten. Eine davon: das Auto ist nun mal beliebtestes Fortbewegungsmittel der Deutschen. Es ist mit 55 Prozent das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel im Alltag in Deutschland. Schon aus diesem Grund freuen sich Arbeitnehmer grundsätzlich besonders über eine finanzielle Unterstützung beim Tanken.

Ein anderer Grund sind die steigenden Benzinpreise. Der durchschnittliche Preis für Superbenzin ist um 406 Prozent seit 1972 von rund 35 Cent auf mittlerweile 1,62 Euro gestiegen. Bei den meisten Mitarbeitern, die mit dem Auto ins Büro kommen, ist somit mindestens alle zwei Wochen eine volle Tankladung fällig. Das belastet den eigenen Geldbeutel stark, das mindert die gute Laune.  Umso mehr freuen sich die Mitarbeiter, wenn Sie mit dem 44-Euro-Sachbezug in Form eines Tankgutscheins mindestens eine halbe Tankfüllung vom Chef gesponsert bekommen.

Was bedeutet 44-Euro-Sachbezug in Form eines Tankgutscheins?

Tankgutscheine oder Tankkarten wie die Ticket Plus Card bieten den Vorteil, dass dem Mitarbeiter im Vergleich zu einer Gehaltserhöhung mehr Netto vom Brutto zur Verfügung steht. Als Arbeitgeber haben Sie viele Möglichkeiten, Ihren Mitarbeitern lohnsteuer- und beitragsfreien Arbeitslohn unter Nutzung der 44-Euro-Freigrenze (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG) zu zahlen. Tankkarten gelten danach bis zu einem Wert von bis zu 44 Euro im Monat als steuer- und sozialabgabenfreier Sachbezug. Bei einer klassischen Gehaltserhöhung muss das Geld voll versteuert werden. Sie als Arbeitgeber profitieren zudem von der Einsparung von Lohn- und Lohnnebenkosten. Der Tankgutschein ermöglicht eine intensivere Mitarbeiterbindung und Motivation in Form von zusätzlichen Anreizen. In der Praxis sind Tankgutscheine ein weitverbreitetes und beliebtes Instrument hierfür.

Vorteile für den Mitarbeiter Vorteile für den Arbeitgeber
Bis 528 Euro mehr Kaufkraft im Jahr Spart Steuern und Sozialabgaben
Bis zu 44 Euro mehr netto im Monat Erhöhte Mitarbeitermotivation und Bindung des Mitarbeiters ans Unternehmen
Finanzielle Unterstützung für alltäglichen Bedarf Steigerung der Arbeitgeberattraktivität

Welche Alternativen gibt es zu Tankgutscheinen?

Eine nicht unberechtigte Frage; schließlich freut sich nicht jeder Mitarbeiter gleichermaßen über Tankgutscheine. Besonders Mitarbeiter, die kein Auto haben oder lieber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen, freuen sich im Rahmen des Sachbezugs eventuell mehr über eine Shoppingtour oder einen Lebensmitteleinkauf. Eine Karte, die alle drei Möglichkeiten miteinander vereint, ist die Gutscheinkarte „Ticket Plus Card“ von Edenred. Die ist eine wiederaufladbare Gutscheinkarte für Mitarbeiter, mit der er alles kann:

  • tanken,
  • einkaufen,
  • shoppen gehen.

Die Karte kann der Nutzer mit einem vierstelligen PIN wie eine EC-Karte direkt am Kassenterminal einsetzen. Tankgutscheine können somit ein gutes Mittel sein, wenn Sie den 44-Euro Sachbezug ausnutzen und Ihren Mitarbeiter belohnen, anerkennen und gleichzeitig Steuern und Sozialabgaben sparen wollen.

Ist es richtig, dass eine Belohnung mit einem Tankgutschein motiviert?

Ja, das stimmt. Die Belohnung von guten Leistungen führt regelmäßig zu einer Motivationssteigerung. Im Idealfall erfolgt die Belohnung brutto für netto. Das aber ist weniger der Fall, wenn Sie eine rein geldliche Belohnung in Gestalt einer Lohnerhöhung wählen. Dann greift das Finanzamt zu und von dem ursprünglichen Bruttomehrlohn bleibt nur ein magereres Netto im Geldbeutel Ihres Mitarbeiters. Gestaltungen im Zusammenhang mit der zeitgleichen Hingabe mehrerer Tankgutscheine sollten Sie allerdings formal gut durchdenken.

Inwiefern ist bei dem Tankgutschein Vorsicht angebracht?

Damit Sie nicht in die Lohnsteuerfalle zu tappen. Doch wie ein aktuelles rechtskräftiges Urteil des FG Sachsen (Sächsisches FG, Urteil vom 09.01.2018, Az.: 3 K 511/17) zeigt, sind bei diesen Gestaltungen formale Hürden zu beachten, will man gerade nicht in diese Lohnsteuerfalle tappen. Das war einem Arbeitgeber passiert, der seinen Arbeitnehmern für besondere Leistungen zeitgleich jedes Jahr acht 44-Euro-Tankgutscheine im Gesamtwert von 352 Euro zuwandte. Sie waren jederzeit einlösbar und nicht personengebunden. Bei Übergabe der Gutscheine wies der Arbeitgeber die Arbeitnehmer schriftlich darauf hin, dass sie nur einen Tankgutschein pro Monat einlösen dürfen.

In einem Merkblatt zum Einlösen der Tankgutscheine hieß es:

„Vorteil hierbei ist, dass diese Tankgutscheine monatlich bis zu einem Betrag von 44 Euro sozialversicherungsfrei und steuerfrei sind. Hierbei ist allerdings unbedingt zu beachten, dass der Wert des einzulösenden Tankgutscheins pro Monat 44 € nicht überschreitet. Sie dürfen pro Monat immer nur einen Gutschein im Gesamtwert von maximal 44 € einlösen.“
Zur Überwachung der monatlichen Einlösung mussten die Arbeitnehmer die Tankquittungen zur Kontrolle vorlegen.

Die Arbeitnehmer hatten erst nach Einlösung an der Tankstelle den Vorteil?

Ja, dieser Auffassung war jedenfalls der Arbeitgeber und dachte, dass die steuerfreie 44-Euro-Freigrenze anwendbar war. Die Lohnsteueraußenprüfung stellte fest, dass die Einlösung der Gutscheine auch tatsächlich entsprechend den Vorgaben des Arbeitgebers stattgefunden hat. Allerdings waren die Prüfer der Auffassung, dass die Gutscheinwerte zusammengeballt bereits im Monat der Übergabe zugeflossen waren. Folglich sah das Finanzamt die 44-Euro-Freigrenze als überschritten an, sodass Lohnsteuer nachzuzahlen war. Der Arbeitgeber legte Widerspruch gegen den Nachforderungsbescheid ein, blieb damit erfolglos und erhob Klage. Das FG Sachsen folgte der Auffassung des Finanzamts und bestätigte ebenfalls den Lohnzufluss bereits bei der Hingabe der Gutscheine.

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Woran mangelte es denn nach Auffassung der Richter?

An den faktischen Einflussmöglichkeiten des Arbeitgebers über den Zeitpunkt der Einlösung der Gutscheine. Einnahmen sind steuerlich zugeflossen, wenn die wirtschaftliche Verfügungsmacht erlangt wird. Ohne technische Einflussmöglichkeiten des Arbeitgebers kann der Arbeitnehmer über Gutscheine, mit denen Güter bei einem Dritten erworben werden können, bereits bei Hingabe verfügen. Zu diesem Zeitpunkt erfolgt daher auch nach Meinung des FG Sachsen bereits der Zufluss beim Arbeitnehmer. Eine schriftliche Vereinbarung darüber, dass der Arbeitnehmer nur einen Gutschein pro Monat einlösen darf, reiche allein nicht aus, um die wirtschaftliche Verfügungsmacht über alle erhaltenen Gutscheine zu verhindern.

Was bedeutet das für Ihre Vergütungspraxis?

Dass Sie Tankgutscheine aus steuerlichen Gründen nicht zusammengeballt für mehrere Monate ausgeben sollten. Wie das Urteil zeigt, kann die Überschreitung der 44-Euro-Freigrenze auch nicht durch den arbeitgeberseitigen Hinweis, dass der Arbeitnehmer pro Monat nur einen Gutschein einlösen darf, verhindert werden. Selbst die Überwachung der monatlichen Einlösung hat im Urteilsfall die Überschreitung der 44-Euro-Freigrenze nicht verhindern können. Um nicht in die Lohnsteuerfalle zu tappen, sollten die Gutscheine daher so programmiert sein, dass sie nur zu bestimmten Zeitpunkten eingelöst werden können. In diesem Fall wäre auch nach Ansicht des FG Sachsen die 44-Euro-Freigrenze grundsätzlich anwendbar.

Autor: Franz Höllriegel