18.06.2019

Wie gestaltet man die verbilligte Parkraumüberlassung an Mitarbeiter steuerlich richtig?

Zu weit weg von der Firma, teuer – Abstellplatz für die Autos der Mitarbeiter wird immer knapper. Stellen Sie als Arbeitgeber ihnen doch einen Parkplatz zur Verfügung. Und beteiligen Sie sie an den Kosten. Doch achten Sie auf die umsatzsteuerrechtliche Seite dabei!

Parkraumüberlassung

Ein Parkplatz – das kostet doch nicht die Welt …!

… die Welt vielleicht nicht, aber umsonst gibt es ihn auch nicht. Der Markt regelt auch hier den Preis. Insbesondere bei Arbeitsplätzen in Innenstadtlage ist es häufig schwierig und zeitraubend für Mitarbeiter, Parkplätze zu finden. Und er kostet. Was in der einen Stadt der Stellplatz kostet, zahlt man in der anderen für eine ganze Wohnung. Wie stark das Preisgefälle ist, zeigt eine aktuelle Untersuchung. Schon für zehn Euro im Monat lässt sich laut einem Bericht auf t-online.de in vielen Städten ein Stellplatz fürs Auto finden. In den besten Gegenden anderer Städte allerdings kann Parkraum ein Vielfaches kosten. Das Nachrichtenportal zitiert dabei aus einer Analyse des Immobilien-Portals immowelt.de.

Frankfurt ist am teuersten

Den Spitzenplatz im Ranking nimmt demnach Frankfurt ein: Bis zu 199 Euro Miete werden hier für einen Tiefgaragen-Stellplatz in Zentrumsnähe fällig. Auf Platz zwei, allerdings mit weitem Abstand, folgt Stuttgart. Hier kosten die teuersten Stellplätze bis zu 150 Euro. Zwar lässt sich auch Parkraum für monatlich 17 Euro finden – allerdings eher am Stadtrand. Hamburg (bis 140 Euro), Berlin und Nürnberg (je bis 130 Euro) folgen auf den weiteren Plätzen. München – Deutschlands teuerste Wohnstadt – landet im Mittelfeld: 125 Euro kosten hier die teureren Stellplätze, und damit weniger als in den übrigen Metropolen und beispielsweise auch in Nürnberg. Am günstigsten von allen 14 untersuchten Städten schneidet Hannover ab. Selbst in Zentrumsnähe kostet ein Stellplatz hier weniger als 70 Euro.

Alle Städte im Parkraum-Ranking

Stadt Maximale Miete in Euro Minimale Miete in Euro
Frankfurt/Main 199 19
Stuttgart 150 17
Hamburg 140 20
Berlin 130 19
Nürnberg 130 10
München 125 15
Köln 120 15
Düsseldorf 120 10
Leipzig 100 10
Bremen 80 15
Dortmund 75 17
Essen 70 16
Dresden 70 10
Hannover 67 20

Datenbasis: 5.600 Garagen und Stellplätze, die 2018 auf immowelt.de inseriert wurden. Berücksichtigt wurden nur besonders nachgefragte Angebote.

Wie können Sie als Arbeitgeber hier Ihre Mitarbeiter finanziell entlasten?

Nicht nur finanziell, sondern auch psychisch und in manch anderer Hinsicht. Damit Ihre Mitarbeiter stressfreier und vor allem pünktlich zur Arbeit kommen können, bieten Sie als Arbeitgeber Ihnen einfach eine Parkraumüberlassung an. Beteiligen Sie die Arbeitnehmer dann an den Kosten der Parkplätze beteiligt, wird es umsatzsteuerlich spannend.

Ist Parkraumüberlassung denn lohnsteuerlich von Bedeutung?

Ja, nicht nur der ausgezahlte Lohn ist steuerpflichtiges Arbeitsentgelt. Sachzuwendungen, die Sie als Arbeitgeber Ihrem Mitarbeiter gewähren, sind als geldwerter Vorteil ebenfalls zu versteuern. Das gilt nur dann nicht, wenn die Sachzuwendung überwiegend in Ihrem eigenbetrieblichen Interesse als Arbeitgeber erbracht wird und keinen Vergütungscharakter hat.

Wann ist ein Interesse „überwiegend eigenbetrieblich“?

Wenn Sie Ihrem Mitarbeiter den Parkplatz stellen, geht man beispielsweise aufgrund der arbeitsrechtlichen Fürsorgepflicht aus. In diesem Fall liegt ein überwiegend eigenbetriebliches Interesse des Arbeitgebers an der Gestellung des Stellplatzes vor. Sie ist lohnsteuerfrei.

In einem älteren Urteil hatte das Finanzgericht Köln einmal für Wirbel gesorgt, weil es die Zuweisung von Parkplätzen ohne betriebliches Erfordernis z. B. bei nicht schwerbehinderten und nicht im Außendienst beschäftigten Arbeitnehmern generell als lohnsteuerpflichtig angesehen hatte (Urteil vom 15.03.2006, Az.: 11 K 5680/04). Die Finanzverwaltung hat sich jedoch gegen dieses Urteil gestellt. Sie sieht in jedem Fall ein Eigeninteresse des Arbeitsgebers. Das wiederum führt dazu, dass die Gestellung des Parkplatzes lohnsteuerfrei bleibt.

Tipp der Redaktion

Dieser Beitrag beruht auf einem Artikel aus dem „Lohn und Gehaltsprofi AKTUELL“ (Ausgabe 07/2019).

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Wie steht es hier mit der Umsatzsteuer?

Wenn Sie als Arbeitgeber Ihren Mitarbeitern verbilligt oder voll entgeltlich Parkraum überlassen, ist das grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig. Das hat der Bundesfinanzhof entschieden (Urteil vom 14.01.2016, Az.: V R 63/14) – und zwar egal ob sich die Stellplätze auf dem Firmengelände oder im nahe gelegenen Parkhaus befinden. Lediglich die Entgeltlichkeit ist entscheidend.

Anders dagegen bei der voll unentgeltlichen Parkplatzüberlassung. Hier fällt keine Umsatzsteuer an, weil die Finanzverwaltung hier – genau wie bei der Lohnsteuer – ein überwiegendes Interesse des Arbeitgebers sieht. Folgekeine Umsatzsteuer.

Angenommen, Sie haben ein mittelständisches Unternehmen. Sie mieten für Ihre Mitarbeiter 50 Stellplätze für je 100 Euro brutto monatlich im nahe gelegenen Parkhaus an. Die Mitarbeiter müssen jeweils 50 Euro dazuzahlen. Ihr Unternehmen erzielt durch die Zuzahlung der Mitarbeiter jährlich Umsätze von 30.000 Euro für die Vermietung der Stellplätze. Davon führen Sie jährlich insgesamt 4.789,92 Euro Umsatzsteuer ab, 30.000 € × 19 / 119.

Bei allen drei Fallgestaltungen von Parkplatzüberlassung –

  • voll entgeltlich,
  • verbilligt und
  • unentgeltlich –

sind Sie als Arbeitgeber und Unternehmer befugt, Vorsteuerbeträge beim Finanzamt geltend zu machen. Sie müssen freilich wie immer beim Vorsteuerabzug steuerpflichtige Ausgangsumsätze erbringen. Erbringen Sie als Unternehmer beispielsweise als Arzt dagegen umsatzsteuerfreie Ausgangsleistungen, haben Sie grundsätzlich keinen Anspruch auf Vorsteuererstattung.

Auch nach EU-Recht können Sie als Arbeitgeber verbilligten Parkraum nicht umsatzsteuerfrei stellen. Zwar hat der EuGH festgestellt, dass die kostenfreie Überlassung von Parkplätzen steuerfrei ist; dieses Urteil hat aber keine Bedeutung für eine verbilligte Parkraumüberlassung. Die wenn auch teilweise Entgeltlichkeit schafft auch nach EU-Recht einen umsatzsteuerpflichtigen Vorgang (so der BFH in seinem Urteil vom 14.01.2016).

Erstatten Sie als Arbeitgeber Parkgebühren eines vom Arbeitnehmer selbst gemieteten Parkplatzes, ohne dass es sich um betriebliche Reisenebenkosten handelt, liegt steuerpflichtiger Arbeitslohn vor.

Autor: Franz Höllriegel