27.09.2017

Wer kann schon Strategie für alle erklären?

Alle müssen an einem Strang ziehen. Das gilt zumal für den Erfolg im Unternehmen. Im Grunde wollen das auch die meisten Mitarbeiter. Doch klaffen Ideal und Wirklichkeit auseinander. Wie ein Studie ergibt, wissen viele leitende Angestellte nicht einmal um die Ziele ihres Unternehmens.

Ziele des Unternehmens

Eine von vier Fachkräften in Deutschland kennt die Ziele ihres Unternehmens nicht. Selbst jedem fünften Manager mit Personalverantwortung sind die übergeordneten Firmenziele unbekannt. Dabei will die große Mehrheit der Fachkräfte (80 Prozent) durchaus wissen, wie sich ihre Arbeit in die Gesamtstrategie ihres Arbeitgebers einfügt. Das sind Ergebnisse einer Studie von Jobvermittler StepStone und Unternehmensberatung Kienbaum. Dafür befragten die Forscher mehr als 14.000 Fach- und Führungskräfte, davon circa 50 Prozent Fachkräfte, 40 Prozent Führungskräfte und 10 Prozent Mitarbeiter in sonstigen Positionen wie etwa Werkstudenten.

Jobzufriedenheit und Wissen um Firmenziele

Bei der Umfrage gaben 85 Prozent der Mitarbeiter an, dass sie am liebsten möglichst selbst bestimmt arbeiten möchten. 70 Prozent meinen sogar, dass sie ein klares Verständnis von ihrer Rolle im Unternehmen brauchen, um produktiv zu arbeiten. Die Studienergebnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen Jobzufriedenheit und Wissen um die Firmenziele. So sind Fachkräfte, die die übergeordneten Ziele ihres Arbeitgebers kennen, deutlich zufriedener mit ihrer Arbeit als diejenigen, die das große Ganze nicht verstehen. „Die interne Kommunikation ihrer Unternehmensstrategie ist für viele Organisationen eine große Herausforderung“, sagt Walter Jochmann, Geschäftsführer von Kienbaum.

Strategische Zielsetzungen

Doch ihm zufolge lohnt es sich, Zeit und Mühe zu investieren, um die strategischen Zielsetzungen und deren Bedeutung für die tägliche Arbeit jedes Mitarbeiters offen und verständlich zu vermitteln. Mitarbeiter würden motiviert durch eine erfüllende berufliche Tätigkeit und die Wertschätzung des eigenen Beitrags zum Unternehmenserfolg. „Sie wollen strategische Weichenstellungen nachvollziehen und deren praktische Umsetzung mitgestalten“, ist Jochmann überzeugt.

Nur jeder Zweite trifft persönliche Zielvereinbarungen

52 Prozent der befragten Fachkräfte vereinbaren regelmäßig Ziele für ihre Arbeit. Bei zwei Drittel werden diese Ziele entscheidend vom Vorgesetzten beeinflusst. Bei knapp der Hälfte (45 Prozent) sind die Ziele unbeweglich. Sie können auch bei veränderter Projektlage nicht angepasst werden. „Das ist in vielen Fällen nicht mehr zeitgemäß“, sagt Dr. Sebastian Dettmers, Geschäftsführer von StepStone. Unternehmen müssten in der Lage sein, sich schnell und flexibel auf neue Situationen einzustellen und Projekte zu justieren. Unternehmen, die sich agil aufstellen wollen, sollten ihren Mitarbeitern daher auch hinsichtlich persönlicher Zielvereinbarungen mehr Flexibilität erlauben. „Sonst werden möglicherweise völlig falsche Anreize gesetzt“, so Dettmers.

 

Hinweis der Redaktion

Was aber, wenn ein Mitarbeiter mangels Kenntnis der Ziele seines Unternehmens falsche Entscheidungen trifft? Niemand ist bekanntlich perfekt und so passieren überall dort, wo gearbeitet wird, Fehler. Diesen Grundsatz sollten Personalverantwortliche beherzigen, wenn sie eine Fehlleistung eines Mitarbeiters feststellen und zu bewerten haben. Dazu rät „Personaltipp AKTUELL“ in einer Sonderausgabe zum Thema Personalarbeit (12/2017 Sonderausgabe). Der Newsletter für Arbeitsrecht geht in dem Beitrag ausführlich darauf ein, wie sich Arbeitgeber und Personaler in solchen Fällen verhalten sollten. Faustregel: Nicht immer muss man sofort zu den schärfsten Waffen greifen.

 

 

Autor: Franz Höllriegel