26.03.2020

Welche Besonderheiten gelten für Auszubildende in der Sozialversicherung?

Azubis und andere Mitarbeiter: Vor der Sozialversicherung sind alle gleich. Ihr Auszubildender und Sie als sein Arbeitgeber tragen seine Beiträge zur Sozialversicherung. Doch gelten hier einige Besonderheiten. Als Arbeitgeber wenden Sie diesen ihr besonderes Augenmerk zu.

Auszubildende Sozialversicherung

Unterliegt Ihr Auszubildender der Versicherungspflicht – egal, wie viel er verdient?

Ja, er unterliegt ihr unabhängig von der Höhe seiner Ausbildungsvergütung – und zwar in allen Zweigen der Sozialversicherung:

  • Kranken-,
  • Pflege-,
  • Renten- und
  • Arbeitslosenversicherung.

… ohne Ausnahme?

Naja, es gäbe da schon ein paar Besonderheiten. So tragen Sie als Arbeitgeber die gesamten Sozialversicherungsbeiträge allein, wenn die monatliche Ausbildungsvergütung 325 Euro nicht übersteigt. Das ist in § 20 Abs. 3 Sozialgesetzbuch (SGB) IV geregelt. Die Sozialversicherung bezeichnet diese Auszubildenden auch als Geringverdiener.

Dies gilt seit 2015 auch für:

  • Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung
  • Beitragszuschlag zur Pflegeversicherung für Kinderlose von 0,25 Prozent.

Der Zusatzbeitrag berücksichtigt für Auszubildende nicht den kassenindividuellen, sondern den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz, für das Jahr 2018 ein Prozent.

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Angenommen, Sie beschäftigen einen Auszubildenden der Steuerklasse I. Als Arbeitgeber zahlen Sie ihm im Juni 2018 eine monatliche Ausbildungsvergütung von 300 Euro. Sie übersteigt damit nicht die Grenze von 325 Euro. Folge: Sie können Ihrem Auszubildenden seine Vergütung von 300 Euro netto auszahlen. Warum? Einfach weil:

  • weder Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung,
  • noch in der Steuerklasse I Lohn- und Kirchensteuer,
  • noch Solidaritätszuschlag anfallen.

Sie als Arbeitgeber führen allerdings die Sozialversicherungsbeiträge ab:

Krankenversicherung 14,60 Prozent
durchschnittlicher Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung 1,00 Prozent
Pflegeversicherung (2,50  Prozent + 0,25  Prozent) 2,80 Prozent
Rentenversicherung 18,60 Prozent
Arbeitslosenversicherung 3,00 Prozent
insgesamt
40,00 Prozent

Ist Ihr Auszubildender älter als 23, dann zahlt er jedoch den Beitragszuschlag zur Pflegeversicherung für Kinderlose in Höhe von 0,25 Prozent mit Ablauf des Monats, in dem der das 23. Lebensjahr vollendet hat, es sei denn, er hat mindestens ein Kind. Das muss er natürlich nachweisen können.

Der Arbeitgeberanteil beträgt somit 40 Prozent von 300 Euro = 120 Euro. Sie als Arbeitgeber führen auch für Ihren Auszubildenden die Insolvenzgeldumlage mit Beitragsnachweis an die Krankenkasse ab. Die Insolvenzgeldumlage beträgt seit 2018 0,06 Prozent des rentenversicherungspflichtigen Arbeitsentgelts.

Was gilt bei nur einmaliger Überschreitung der 325 Euro?

Bei Versicherten in Berufsausbildung ist auch dann ein durchschnittlicher Zusatzbeitrag zu zahlen, wenn die Einkommensgrenze von 325 Euro nur wegen einer Einmalzahlung überschritten wird. Für den übersteigenden Betrag zahlen Ihr Auszubildender und Sie als sein Arbeitgeber in diesen Fällen die Beiträge ganz normal.

Nehmen wir an, Sie beschäftigen als Arbeitgeber einen 24 Jahre alten Auszubildenden. Er hat keine Kinder. Sie gewähren ihm eine monatliche Ausbildungsvergütung von 280 Euro. Im Dezember erhält er von Ihnen zusätzlich 100 Euro Weihnachtsgeld, insgesamt also 380 Euro.

Dann tragen Sie als Arbeitgeber im Dezember die Beiträge aus 325 Euro alleine. Jetzt hat er aber mit dem Weihnachtsgeld in jenem Monat 380 Euro – 325 Euro = 55 Euro darüber hinaus bekommen. Dadurch übersteigt sein Monatsverdienst die Geringverdienergrenze. Den Beitrag für diesen Mehrverdienst zahlen, wie für alle anderen Arbeitnehmer auch, Ihr Abzubildender und Sie als sein Arbeitgeber je zur Hälfte. Falls für Ihren Auszubildenden der Beitragszuschlag zur Pflegeversicherung für Kinderlose nach Vollendung des 23. Lebensjahrs zu zahlen ist, zahlt Ihr Auszubildender diesen Beitragsteil für den übersteigenden Betrag von 55 Euro allein.

Die Bestimmungen für 450-Euro-Jobs, d.h. geringfügig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse und für die Gleitzone von 450,01 Euro bis 850 Euro, gelten nicht bei Auszubildenden.

Autor: Franz Höllriegel