11.12.2020

Was denken Mitarbeiter über Sie? Verbessern Sie Ihre Selbsteinschätzung!

Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst. Schön gesagt. Doch was, wenn Ihre Behandlung anderer bei diesen ganz anders ankommt als von Ihnen beabsichtigt? Dann macht sich Enttäuschung breit. Und Sie stehen dumm da. Ein Crash-Kurs, wie Sie das vermeiden.

Selbsteinschätzung

Wieso nehmen Menschen Ihre Handlungen anders wahr als beabsichtigt?

Das liegt an Ihrer selektiven und deswegen subjektiven Wahrnehmung. Sie sehen nicht das ganze Bild. Man erfasst lediglich einen Teil der Wirklichkeit, gelenkt durch:

  • Gefühlslagen
  • Erfahrungen
  • Wertvorstellungen.

Durchschnittlich jagen 60.000 bis 70.000 Gedanken täglich durch den Kopf, schreibt „manifestation-boost.de“ und beruft sich auf wissenschaftliche Studien dazu. Die meisten dieser Gedanken sind demnach unbewusst oder sogar negativ:

  • 70 Prozent flüchtige, nebensächliche Gedanken
  • 27 Prozent negative, destruktive Gedanken
  • drei Prozent positive, aufbauende, kreative Gedanken

Alle diese Gedanken beeinflussen Stimmung, Schwingung, Frequenz, die wir aussenden. Der Mensch trifft eine Auswahl, um nicht in der Informationsflut zu ertrinken. Dafür braucht es Wahrnehmungsfilter und stereotype Denkmuster. Diese dünnen die Informationsflut weiter aus. Folgen:

  • Verzerrung der Realität
  • Eintrübung des Blickes auf uns selbst.

Lässt sich eine Fehlerquote dieser Wahrnehmungsfilter beschreiben?

Einige sogar ziemlich gut mit Wirkungen und Nebenwirkungen. Sie können sich auf die folgenden Effekte vorbereiten – sie begegnen Ihnen täglich:

  • Wer zuerst kommt, malt zuerst, oder der Primacy-Effekt: Die ersten Informationen, mit denen Sie bei einem neuen Thema in Kontakt kommen, landen leichter im Ihrem Langzeitgedächtnis. Dort haben Sie noch keine anderen Informationen zu dieser Angelegenheit hinterlegt. Dieser Effekt wirkt wie ein Filter für alle späteren Informationen. Aus diesem Grund bleibt der berühmte erste Eindruck so hartnäckig bestehen. Und beeinflusst, wie Sie alles weitere interpretieren.
  • Der Heiligenschein oder Halo-Effekt: ein Wahrnehmungsfehler, eine unbewusste Störung der Urteilskraft. Einzelne Eigenschaften einer Person wirken dominant. Sie erzeugen einen überstrahlenden Gesamteindruck und führen so zu einer kognitiven Verzerrung. Ganze Wirtschaftszweige gäbe es wohl nicht ohne diesen Effekt. Eine für ein paar Cent zusammengeschneiderte Hose mutiert binnen Sekunden in ein 250 Euro kostbares Must-have – wenn sie am Körper einer berühmten Person prangt und dadurch eine Art Heiligenschein in der Wahrnehmung bekommt.
  • Gleich und gleich gesellt sich gern oder der Mini-Me-Effekt: Menschen, die einem ähnlich sind oder einen ähnlichen Lebensweg haben, erscheinen einem auf Anhieb sympathischer.

Das ist nur eine kleine Auswahl die Wahrnehmung beeinflussender Effekte. Nachteil dieser Filter: Sie sehen die Welt nicht, wie sie wirklich ist, sondern wie Sie sind und wie Ihr Gehirn arbeitet. Ihre Wahrnehmung prägen dabei entscheidend:

  • Beobachtungen
  • Erfahrungen
  • Interpretationen
  • Vorurteile.

Das gilt für Führungskräfte wie für Mitarbeiter. Deshalb kommt es häufig zu Missverständnissen und Enttäuschungen. Diese Bestandsaufnahme kann durch eigenes Nachdenken und Beobachten erfolgen oder mithilfe psychologischer Tests. Für ein rundes Gesamtbild gehört zur Selbstreflexion die Wahrnehmung der Umgebung.

Wenn Sie als Manager Kritik nicht offensiv einfordern, bekommen sie ab einer gewissen Position meist kein ehrliches Feedback mehr. Fehlende Rückmeldung ist jedoch ein Nährboden für Fehleinschätzungen der eigenen Persönlichkeit. Um dabei selbst kein Opfer von Wahrnehmungsfehlern zu werden, ist es hilfreich, mit einer Bestandsaufnahme zu beginnen anhand folgender Fragen:

  • Wo stehen Sie heute?
  • Mit welchen Bereichen Ihres beruflichen Lebens sind Sie zufrieden?
  • Mit welchen nicht?
  • Wo sind Ihre Talente, Ihre Stärken?
  • Was ist Ihnen wichtig?
  • Was wollen Sie lernen oder verändern?

Wie können Sie Ihre Selbsteinschätzung verbessern?

Mithilfe des Johari-Fensters. Dieses Kommunikationsmodell stellt die Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung und unterteilt sich in folgende Abteilungen:

  • Öffentliche Person: Hier finden sich alle Informationen, die Ihnen selbst über sich bewusst und anderen Personen bekannt sind.
  • Geheimer Bereich: Informationen hier sind Ihnen selbst bekannt, anderen Personen jedoch nicht. Sie wollen oder können hier keine Informationen an andere weitergeben. Erst Vertrauen und Selbst-Sicherheit grenzen dieser Bereich ein.
  • Der unbekannte Bereich: Informationen in diesem Bereich sind weder Ihnen selbst noch anderen bekannt. Das können unbewusste Erinnerungen oder schlummernde, noch nicht entdeckt Talente sein. Erkunden Sie systematisch Ihren blinden Fleck
  • Der blinde Fleck: Diesen Anteil Ihres menschlichen Verhaltens nehmen Sie selbst wenig, anderen Mitglieder einer Gruppe deutlich wahr. Hier liegt eine der häufigsten Fehlerquellen im gemeinsamen Miteinander.

Tipp der Redaktion

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Können Sie Ihren eigenen blinden Fleck erforschen?

Ja, anhand folgender Fragen:

  • Welche Aufgaben im Berufsleben mögen Sie nicht?
    • Was tun Sie aus reiner Notwendigkeit, ohne Begeisterung oder Motivation?
    • Was fällt Ihnen schwer oder stellt eine Belastung dar?
    • Wozu müssen Sie sich erst lange aufraffen?
  • Welche Tätigkeiten vermeiden Sie häufig?
    • Welche Aufgaben und Tätigkeiten vermeiden Sie besonders häufig und gerne? Und warum?
    • Was sind die Folgen dieser Vermeidungsstrategie?
    • Was wären die Folgen, wenn Sie sich überwinden könnten?
  • Was gelingt Ihnen so gar nicht?
    • Wobei müssen Sie sich übermäßig anstrengen und erzielen am Ende doch nur suboptimale Ergebnisse?
    • Was waren Ihre größten Misserfolge?
    • Wovon lassen Sie sich provozieren oder verführen?
  • Was sind Ihre Knöpfe, die jeder Mensch hat und die andere nur drücken müssen – und schon können Sie Ihre eigenen Impulse nicht mehr unterdrücken?
    • Wovon lassen Sie sich leicht provozieren oder verführen?
    • Mit was für Folgen?
    • Was tun Sie, um sich davor zu schützen?
  • Womit können Sie nicht umgehen? Gibt es Menschen,
    • mit denen Sie nur schwer auskommen?
    • die Ihnen die Laune vermiesen?

Was können Sie konkret tun, um Ihre Kommunikation mit anderen zu verbessern?

Kurz gesagt: weniger blinde Flecken und weniger Geheimnisse! Je mehr Sie über sich und Ihre Form der Wahrnehmung wissen, desto einfacher und störungsfreier gestaltet sich Ihre Kommunikation und Ihre Zusammenarbeit mit anderen. Um den eigenen öffentlichen Bereich zu vergrößern und den blinden Fleck zu minimieren, eigenen sich zwei weitere Instrumente:

  • Mehr Feedback einfordern: Fordern Sie es ein von Vorgesetzten, Kollegen oder Mitarbeitern. Je mehr Informationen Sie über sich erhalten, die Ihnen vielleicht vorher noch gar nicht bewusst waren, desto besser können Sie sich und andere einschätzen.
  • Mehr Offenheit wagen: Je nach Thema weihen Sie andere mehr oder weniger konkret in Ihre Art zu denken und zu empfinden ein. Dadurch schrumpft der geheime Bereich, und das Verständnis füreinander wird besser.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sie klarer sehen und Neues annehmen können, je weniger Sie Ihre eigenen Erwartungen nicht mehr ins Zentrum Ihrer Wahrnehmung stellen. Je mehr Emotionen im Spiel sind, desto mehr Filter blockieren eine objektive Wahrnehmung der Realität.

In allen wichtigen Situationen oder bei Entscheidungen sollten Sie regelmäßig die drei folgenden Fragen stellen, als Korrektiv einer notwendigerweise subjektiven Wahrnehmung.

  • Haben Sie etwas übersehen?
  • Sehen andere das auch so?
  • Schaffen Sie ein Problem, oder ist da wirklich eines?
Autor: Franz Höllriegel