01.02.2021

Wann wird Gewinnausschüttung wie beim Gesellschafter versteuert?

Manchmal findet ein blindes Huhn ein Korn – und Sie als Gesellschafter einer GmbH eine Gewinnausschüttung. Klar ist: sie ist Einkommen aus Kapitalvermögen. Doch können Sie Ihre Steuerlast senken? Das geht unter Umständen. Sie müssen nur die Ausschüttung geschickt timen.

Besteuerung Gesellschafter

Wie wird Ihre Gewinnausschüttung als GmbH-Gesellschafter versteuert?

Grundsätzlich als Abgeltungsteuer:

  • 25 Prozent der Dividende
  • Solidaritätszuschlag
  • gegebenenfalls Kirchensteuer.

Ist mit der Abgeltungsteuer die Besteuerung abgeschlossen?

Ja.

Können Sie etwaige Werbungskosten abziehen?

Nein.

Müssen Sie die Ausschüttung in Ihrer Einkommensteuererklärung aufführen?

Auch nein.

Müssen Sie die „Anlage KAP – Einkünfte aus Kapitalvermögen / Anrechnung von Steuern“ abgeben?

Ebenfalls nein, das brauchen Sie nicht.

Können Sie Ihre Steuerlast senken?

Kommt drauf an. Zwei Verfahren stehen zur Wahl:

  • Günstigerprüfung und
  • Teileinkünfteverfahren

Was bedeutet Günstigerprüfung?

Hier prüft der Fiskus, ob die gezahlte Pauschalsteuer oder Ihr persönlicher Steuersatz zu der geringsten Besteuerung führt, und wendet dies entsprechend an. Voraussetzung ist, dass Ihr persönlicher Steuersatz niedriger ist als die einbehaltenen 25 Prozent Kapitalertragsteuer. Erst dann lohnt sich ein Antrag auf Günstigerprüfung beim Finanzamt. Der Antrag ist ziemlich einfach: Sie führen neben etwaigen anderen Zinseinnahmen Ihre Ausschüttung in der Anlage KAP auf und kreuzen dort die Günstigerprüfung an.

Empfehlung der Redaktion

Wenn Ihnen dieser Beitrag gefällt und Sie sich für solche und ähnliche Themen interessieren, lesen Sie jetzt 14 Tage kostenlos eine Ausgabe des „GmbH-Brief AKTUELL“. Dabei haben Sie freien Zugriff auf das ganze Media-Paket! (Online-Zugangsdaten in der Ausgabe.) Incl. aller Ausgaben im Archiv, Video-Seminare und Downloads zu Checklisten, Mustertexten und anderen Arbeitshilfen!

Wann kommt für Sie als Gesellschafter ein Teileinkünfteverfahren (TEV) in Frage?

Wenn Sie mit mindestens 25 Prozent an der GmbH beteiligt oder in der Gesellschaft aktiv tätig sind; dann genügt eine einprozentige Beteiligung. Typisches Beispiel: Sie sind GmbH-Geschäftsführer. Als solcher können Sie beim Finanzamt die Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren beantragen. Folge: Das Amt besteuert lediglich 60 Prozent der Gewinnausschüttung, dies aber mit dem persönlichen Steuersatz. Gleichzeitig können Sie dann 60 Prozent etwaiger anfallender Aufwendungen als Werbungskosten abziehen. Beispiel: Sie haben Ihre GmbH-Beteiligung mit einem Darlehen finanziert. In diesem Fall sind die Zinsaufwendungen Werbungskosten. Sie können sie dann zu 60 Prozent anteilig abziehen.

Zu welchem Zeitpunkt greift die Besteuerung der Gewinnausschüttung?

Grundsätzlich zu dem des Zuflusses. Ab diesem ist sie steuerpflichtig (§ 11 Abs. 1 EStG). Abweichend hiervon ist der Zufluss gegeben, wenn Sie den Ertrag nicht ausgezahlt, sondern Ihrem Gesellschafter-Verrechnungskonto gutgeschrieben bekommen. Doch Vorsicht: Wenn Sie beherrschender Gesellschafter sind, dann gilt bereits der Zeitpunkt der Beschlussfassung in der Gesellschafterversammlung als Zufluss – dann geht das wirtschaftliche Eigentum an den Gesellschafter über (§ 39 AO).

Was lernen Sie als Gesellschafter daraus für die Praxis?

Planen Sie die Ausschüttung gezielt! Mit etwas Geschick können Sie einen günstigen Ausschüttungszeitpunkt ansteuern – und damit eine geringere Steuerlast. Dabei helfen Ihnen diese Grundsätze:

  • Je niedriger der Steuersatz und je höher die Werbungskosten, desto größer der Steuervorteil beim TEV im Vergleich zur Abgeltungsteuer.
  • Je höher der individuelle Steuersatz, desto weniger lohnt das TEV.
  • Liegt Ihr persönlicher Steuersatz oberhalb von 25 Prozent, ist die Abgeltungsteuer regelmäßig günstiger als eine individuelle Besteuerung ohne TEV.
  • Bei kleinen Ausschüttungen kann die Abgeltungsteuer der günstigste Weg für Sie als Gesellschafter sein – gepaart mit dem Antrag auf Günstigerprüfung beim Finanzamt. Durch die Gewährung des Sparerfreibetrags (801 Euro Ledige/1.602 Euro Verheiratete) unterliegt die Dividende dann nicht vollständig der Besteuerung.

Sprechen Sie Ihren Steuerberater bei der Bilanzaufstellung und einer geplanten Gewinnausschüttung auf die möglichen Varianten an! So finden Sie die günstigste Alternative. Ein Verschieben der Ausschüttung von diesem in das nächste Jahr lohnt vermutlich nicht.

Zwar ist die Teilabschaffung des Solidaritätszuschlags 2021 fest geplant. Nach jetzigem Stand Februar 2021 gilt dies aber nicht für Ausschüttungen. Weder im Gesetz noch in den Ausführungsbestimmungen sind Soli-Vergünstigungen für GmbHs und deren Ausschüttungen genannt.

In diesen Beiträgen finden Sie weiterführende Informationen zum Thema Gewinnausschüttung und vGA:

Autor: Franz Höllriegel