11.06.2019

Vorsteuerabzug bei privaten Investitionen: Frist endet am 31. Juli!

Achtung vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmer! Noch bis 31. Juli läuft die Frist, in der Sie hauptsächlich privat genutzte Investitionen als Vorsteuer geltend machen können. Die Frist lässt sich nicht verlängern.

Vorsteuerabzug

Private Investitionen als Vorsteuer geltend machen? Wie das?

Ja, das geht – in bestimmten Fällen. Normalerweise können Sie als steuerpflichtiger Unternehmer für Anschaffung oder Herstellung von Wirtschaftsgütern gezahlte Umsatzsteuer als Vorsteuer geltend machen. Voraussetzung: die Investition erfolgt für das Unternehmen. Für privat gekaufte Gegenstände und Immobilien gibt es den Vorsteuerabzug eigentlich nicht. Aber wie von jeder Regel gibt es auch hier Ausnahmen: und zwar wenn die unternehmerische Nutzung im Wesentlichen privat genutzter Wirtschaftsgüter:

  • mindestens bei zehn Prozent liegt und
  • eindeutig dem Unternehmensvermögen zugeordnet wird.

Letztere Voraussetzung kann aber nicht irgendwann erfolgen. Für sie gilt eine Ausschlussfrist. Sie ist nicht verlängerbar. Der späteste gesetzliche Zeitpunkt für die Zuordnung eines Wirtschaftsguts zum Unternehmen ist die fristgerechte Abgabe der Umsatzsteuerjahreserklärung, also der 31. Juli eines Folgejahrs. Fristverlängerungen für die Abgabe der Jahreserklärung verlängern die Frist für die Zuordnung nicht.

Bis einschließlich Veranlagungszeitraum 2017 waren Umsatzsteuererklärungen spätestens bis 31. Mai des Folgejahres abzugeben. Entsprechend war die Zuordnungsentscheidung für im Jahr 2017 angeschaffte Gegenstände bis spätestens 31. Mai 2018 zu dokumentieren. Für Besteuerungszeiträume ab 2018 wurde die Abgabefrist für Steuererklärungen um zwei Monate verlängert. Die Umsatzsteuererklärung 2018 ist somit bis spätestens 31. Juli 2019 einzureichen und die Finanzverwaltung hat entsprechend auch die Frist für die Zuordnungsentscheidung bis zum 31. Juli verlängert.

Was ist für die Zuordnung maßgeblich?

Wieder zweierlei:

  • Sie als vorsteuerabzugsberechtigter Unternehmer haben die Leistung für das Unternehmen erworben und
  • die Voraussetzungen zum Zeitpunkt des Leistungsbezugs.

Schließlich muss Klarheit bestehen über die Art der Nutzung:

  • eindeutig für das Unternehmen,
  • eindeutig privat,
  • sowohl für das Unternehmen als auch privat.

Was ist unter Nutzung für das Unternehmen oder privat zu verstehen?

Für das Untermehmen

„Für das Unternehmen“ sind Eingangsleistungen, die Sie der Art nach nur für das Unternehmen verwenden können. Sie sind für das Unternehmen notwendig, und zwar so eindeutig, dass es einer ausdrücklichen Zuordnungsentscheidung nicht bedarf.

Nehmen wir an, Sie betreiben als Unternehmer eine Gaststätte und schaffen dafür eine neue Theke an. Die Anschaffung der Theke ist unverkennbar eine unternehmerische Tätigkeit. Für das Finanzamt führt der Eingangsumsatz zum Erwerb notwendigen Unternehmensvermögens. Bei solchen Wirtschaftsgütern, deren Zuordnung zum Unternehmen unzweifelhaft ist, bedarf es also keiner ausdrücklichen Zuordnungsentscheidung.

Private Nutzung

Anders bei Eingangsleistungen, die objektiv keinen Bezug zur wirtschaftlichen Tätigkeit haben. Sie erwerben Sie außerunternehmerisch. Insoweit handeln Sie als Unternehmen als Endverbraucher. Nehmen wir wieder Ihr Beispiel als Gaststättenunternehmer. Diesmal erwerben Sie aber keine Theke für die Gaststätte, sondern eine Kinderzimmereinrichtung für Ihren Spross. Dann sieht das Finanzamt in dem Eingangsumsatz hierfür Erwerb notwendigen Privatvermögens, da die Einrichtung objektiv erkennbar nicht für das Unternehmen vonnöten ist, sondern zu Ihrer Privatsphäre gehört. Eine dem widersprechende Zuordnungsentscheidung wäre wirkungslos.

… und wenn sich die Anschaffung nicht eindeutig zuordnen lässt?

Das sind Wirtschaftsgüter, die Sie beiden Bereichen zuordnen können, also teilweise zur wirtschaftlichen Tätigkeit Ihres Unternehmers, teilweise privat nutzen können. Diese Güter können Sie als Unternehmer ganz oder teilweise dem Unternehmen zuordnen. Sie haben aber hier ein Zuordnungswahlrecht. Das hießt, Sie können den erworbenen Gegenstand in vollem Umfang in Ihrem Privatvermögen belassen. Der nicht zugeordnete Teil gehört dann nicht zum Unternehmen.

Wieder zurück zu unserem Beispiel: Sie als Gaststättenbetreiber. Sie schaffen eines OLED-TV an. Sie stellen ihn im Gastraum auf, damit Ihre Kunden z. B. Sportereignisse sehen können. Sie könnten ihn aber auch selbstverständlich in Ihrem Wohnzimmer nutzen. Was Sie hernach damit tatsächlich machen, sieht man dem Gerät ja nicht an.

Wenn es keine Beweisanzeichen für eine Zuordnung zum Unternehmen gibt, kann man diese auch nicht unterstellen. Solche Fälle erfordern daher für den Vorsteuerabzug eine auf objektive Beweisanzeichen gestützte Zuordnungsentscheidung. Lassen sich anteilige betriebliche und nicht betriebliche Nutzung von gemischt genutzten Gegenständen nicht eindeutig festlegen, muss man zunächst schätzen. Paradebeispiel wäre hier die Fotovoltaikanlage. Haben Sie einen solchen Gegenständ im Jahr 2018 erworben und erfolgte noch keine Zuordnung, sollten Sie sie dem Finanzamt mit formlosem Schreiben anzeigen – zumindest dann, wenn dem Finanzamt Ihre Jahreserklärung 2018 nicht bis zum 31.07.2019 vorliegen wird.

Tipp der Redaktion

Dieser Beitrag stammt aus unserem Beratungsbrief „SteuerSparbrief AKTUELL“ (Ausgabe 06/2019).

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Sie wollen die Anschaffung eines Pkw absetzen – ein Weg ohne Schlaglöcher?

Nein, im Gegenteil, da heißt es bei der Ermittlung der 10-Prozent-Grenze aufpassen! Maßgebend für die Zehn-Prozent-Grenze ist bei einem Fahrzeug

  • das Verhältnis der Kilometer unternehmerischer Fahrten zu
  • den Jahreskilometern des Fahrzeugs.

In Zweifelsfällen fordert das Finanzamt Sie als Unternehmer auf, die unternehmerische Mindestnutzung plausibel glaubhaft zu machen. Ein Fahrtenbuch zum Nachweis der mindestens zehnprozentigen unternehmerischen Nutzung brauchen Sie nicht zuführen. Bei Zweit- oder Drittfahrzeugen von Einzelunternehmern oder Alleinfahrzeugen bei einer nebenberuflichen Unternehmertätigkeit geht man davon aus, dass Sie diese Fahrzeuge zu weniger als zehn Prozent unternehmerisch nutzen werden.

Gleiches gilt bei Personengesellschaften für die weiteren privat genutzten Fahrzeuge, wenn ein Gesellschafter mehr als ein Fahrzeug privat nutzt. Hier empfiehlt sich aber zum Nachweis der Zehn-Prozent-Grenze doch die Führung eines Fahrtenbuchs. Schließlich werden Sie die Aufwendungen aus den laufenden Pkw-Kosten tragen. Hier kommt ebenfalls ein Vorsteuerabzug in Betracht.

Autor: Franz Höllriegel