News | Management
16.11.2015

Vorstandspensionen und nachhaltige Unternehmensführung

Oft kein Anreiz.

Pensionszusagen für Vorstände sind teils üppig. Man sollte meinen, dass derart bedachte Unternehmensführer umso nachhaltiger agieren. Doch liegt man damit offenbar nicht richtig. Die Pensionszusagen setzten falsche Anreize. Oft trügen sie gerade nicht zu einer nachhaltigen Unternehmensführung bei, berichtet die Hans-Böckler-Stiftung.

© Jürgen Fälchle /​ fotolia.com

Hohes Gehalt und betriebliche Altersversorgung

Düsseldorf. 16. November 2015 – Unternehmensvorstände bekommen häufig nicht nur ein hohes Gehalt. Sie erwerben oft auch das Anrecht auf eine betriebliche Altersversorgung. Einige Vorstandschefs großer börsennotierter Konzerne kommen im Alter dabei auf eine jährliche Betriebsrente von mehr als einer Million Euro.

Hunderte Millionen Euro Altersansprüche

Dafür müssen die Firmen Rückstellungen bilden. Bei jedem der 30 Dax-Unternehmen summieren sich die Ansprüche früherer und aktueller Vorstände im Mittel auf gut 130 Millionen Euro. In Einzelfällen muss mehr als das Doppelte zur Verfügung stehen.

Über sechs Millionen Euro Pensionszahlungen 2014

2014 haben die Dax-Konzerne ihren ehemaligen Vorständen oder deren Hinterbliebenen insgesamt durchschnittlich 6,3 Millionen Euro an Pensionszahlungen geleistet. Zusätzlich legten sie im gleichen Jahr für ihre aktiven Vorstandsmitglieder insgesamt 2,4 Millionen Euro zurück.

Vorstandspensionen und nachhaltige Unternehmensführung

Dies geht aus einer Aufstellung des Vergütungsexperten Dr. Heinz Evers im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Er und der Rechtsanwalt Dr. Peter Doetsch haben für die Stiftung unabhängig voneinander Vorschläge erarbeitet, wie die Vorstandspensionen zu einer nachhaltigen Unternehmensführung beitragen können und worauf bei der Ausgestaltung der Verträge geachtet werden sollte.

Unterschiedliche Altersversorgungssysteme für Vorstände

Die Bestandsaufnahme in den Börsensegmenten von Dax bis S-Dax zeigt: Die Altersversorgungssysteme für Vorstände unterscheiden sich in der Höhe der Auszahlungen und in ihrer Konstruktion teils erheblich. Unterschiede gebe es bei:

  • Anzahl von Dienstjahren, nach denen die maximale Leistung erreicht wird,
  • Höhe des zugesagten Eurobetrages,
  • Festlegung des Prozentsatzes vom letzten Fixgehalt,
  • Garantie einer bestimmten Mindestverzinsung des zurückgestellten Kapitals oder
  • Festlegung des Lebensalters als Pensionsgrenze.

Verknüpfung der Altersvorsorge an Nachhaltigkeitskriterien

Doch von einer Verknüpfung der Altersvorsorge an Nachhaltigkeitskriterien sind der Studie zufolge die Unternehmen oft noch weit entfernt. „Punktuell kann sogar von einer Überversorgung im Alter gesprochen werden, die völlig unabhängig von einer langfristigen Unternehmensentwicklung gezahlt wird“, sagt Dr. Norbert Kluge, Leiter der Abteilung Mitbestimmungsförderung der Stiftung. Er fordert: der Aufsichtsrat muss über die Managervergütung die richtigen Anreize setzen – im Interesse des Unternehmens.

Autor: Franz Höllriegel
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