News | Arbeitsrecht 23.03.2016

Veränderte Erwartungen an Vereinbarkeit

Abkehr von der Normarbeitszeit Vater arbeitet, Muttern bleibt daheim und arbeitet allenfalls halbtags. So das bisherige Vereinbarkeitsmodell 1.0. Es befindet sich auf dem Rückzug. Immer mehr Frauen wenden sich ab. Sie sehen darin eine Karrierebremse. Im Handel sieht man sich gut aufgestellt für ein Vereinbarkeitsmodell 2.0.

Vereinbarkeit Beruf und Familie

Männer und Vereinbarkeit

Immer mehr Männer interessieren sich für das Thema Vereinbarkeit. Aber auch aufseiten der Mütter besteht Unzufriedenheit mit dem klassischen Teilzeitmodell. Für viele Frauen hat es sich als Falle auf dem Weg zu einer beruflichen Karriere erwiesen.

Netzwerkbüros „Erfolgsfaktor Familie

Das berichtet Sofie Geisel, Geschäftsführerin der DIHK Service GmbH und vormals Leiterin des Netzwerkbüros „Erfolgsfaktor Familie“, in einem Interview mit dem „Handelsjournal“, aus dem die DIHK-Plattform zitiert. Das Netzwerkbüro beschäftigt sich in Innovationszirkeln in den vergangenen zehn Jahren mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Innovative Personalpolitik

Als Ziel der Innovationszirkel nennt Geisel eine innovative Personalpolitik aufgrund einer antizipierten Zukunft. Geisel: „Wir stellen uns vor, wir wären zehn Jahre weiter, und diese Trends, die wir zu beobachten glauben, hätten sich noch weiterentwickelt: Welche Vorstellungen über Vereinbarkeit bestehen dann? Wie sieht die Situation in den Unternehmen aus? Welche Angebote bieten sie ihren Mitarbeitern?“

Unterstützung für Unternehmen bei innovativer Personalpolitik

Dabei gehe es darum, Unternehmen zusammenzubringen. Mithilfe solcher Szenarien will man Impulse geben, die sie dabei unterstützen, ihre Personalpolitik innovativer zu gestalten. Vereinbarkeit sei für immer mehr Unternehmen ein Thema – „sicher auch durch die Impulse, die von Vätermonaten, Elternzeit und Ähnlichem ausgehen“, mutmaßt Geisel.

Arbeitszeitgestaltung in Bewegung

Das habe die Unternehmen sensibilisiert und zum Beispiel Bewegung bei der Arbeitszeitgestaltung gebracht. Hier stelle man einen Trend zur Individualisierung von Arbeitszeitmodellen fest, der durch Eltern beschleunigt wird.

Abkehr von der Normarbeitszeit

Im Handel sei zumal eine Abkehr von der Normarbeitszeit schon jetzt erkennbar. Geisels Einschätzung nach ist der Handel in puncto Vereinbarkeit gut aufgestellt. Im Handel arbeiteten ohnehin viele Angestellte in Teilzeit. Das wiederum habe mit dem hohen Frauenanteil zu tun hat. Allerdings gebe es bereits die These, dass in dieser „Branche in zehn Jahren niemand mehr gemäß der Normarbeitszeit arbeiten wird“, resümiert Geisel.

Normalarbeitszeitmodell künftig nicht mehr aktuell

Das am Mann orientierte Normarbeitszeitmodell könnte sich auflösen und immer mehr Männer wie Frauen etwas machen, das weder Teilzeit noch Vollzeit ist, sondern irgendetwas dazwischen. Das müsse auch nicht ein Leben lang gleich sein, sondern im Zweifel in einer Phase mehr und in einer anderen Phase weniger Arbeitszeit umfassen. Eine solche Entwicklung bedeute für Unternehmen eine „erhebliche Dynamik“, prognostiziert Geisel.

Personalpolitik an veränderte Bedürfnisse anpassen

In einer solche Zukunft müssten Unternehmen ihre Personalpolitik stärker an die veränderten Bedürfnisse anpassen, wenn sie als Arbeitgeber attraktiv bleiben wollen. Geisel: „Wir reden von einem Arbeitsmarkt, in dem Ansprüche der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen weitaus relevanter sind, als sie es vor zehn Jahren waren.“

Die Zukunft hat schon begonnen

Ob das in zehn Jahren und auf allen Ebenen auch noch so sein wird, muss Geisel offenlassen. Doch der kulturelle Wandel in puncto Arbeitszeitmodelle, Präsenzanforderungen und Vereinbarkeitsideale habe eingesetzt – und er wird nicht mehr umkehrbar sein.

 

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Autor: Franz Höllriegel