07.11.2019

Urlaubskollision: Wie reagieren Sie als Arbeitgeber bei angedrohter Selbstbeurlaubung?

Kein Urlaub – und Ihr Mitarbeiter will Ihnen drohen? Das brauchen Sie als Arbeitgeber sich nicht gefallen zu lassen. Sie sind der Herr im Ring. Ausnahme: er zeigt bereits Krankheitssymptome.

Urlaubskollision

Ihr Mitarbeiter will unbedingt Urlaub haben. Kann er auf Sie als Arbeitgeber Druck ausüben?

Nein, das kann er nicht. Wo kämen Sie da hin? Stellen Sie sich vor, Ihr Mitarbeiter möchte außerplanmäßig in den Sommerferien zwei Wochen Urlaub nehmen, Sie haben aber bereits anderweitig geplant, die Urlaubsplanung ist schon abgeschlossen und nicht mehr zu ändern. Wollen Sie das alles umwerfen, nur weil ein Mitarbeiter plötzlich anderes im Sinn hat? Das wird in den meisten Fällen kaum gehen. Sie sollten sich dabei auf keinen Fall unter Druck setzen lassen.

Und wenn er verhalten droht, es gäbe noch andere Möglichkeiten?

Ja und? Das kann Sie als Arbeitgeber nicht beirren; das Recht ist auf Ihrer Seite.

Können Sie Ihren Mitarbeiter wegen einer solchen Drohung fristlos kündigen?

Eher nicht. Dafür dürfte die Äußerung Ihres Mitarbeiters zu vage sein. Die verhaltene Drohung mit einer Selbstbeurlaubung oder einer plötzlichen Erkrankung steht zwar im Raum. Denkbar ist es aber auch, dass der Mitarbeiter es sich vorbehält, gerichtliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Warten Sie als Arbeitgeber erst einmal ab, was Ihr Mitarbeiter tatsächlich macht.

Können Sie Ihren Mitarbeiter wegen Selbstbeurlaubung kündigen?

Grundsätzlich spräche nichts dagegen. Nach der Rechtsprechung kann eine Selbstbeurlaubung sogar eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen. Die Urlaubsgewährung ist nämlich Ihre Sache als Arbeitgeber. Ein Recht des Arbeitnehmers zur Selbstbeurlaubung gibt es nicht, selbst dann nicht, wenn Sie als Arbeitgeber einen Urlaubswunsch ohne hinreichende Gründe abgelehnt haben oder sich das Urlaubsjahr oder der Übertragungszeitraum dem Ende nähern.

Als Arbeitgeber sollten Sie die Interessen genau abwägen. Dabei kommt es gegebenenfalls zugunsten Ihres Arbeitnehmers darauf an, ob Sie als Arbeitgeber den Urlaub zu Unrecht oder willkürlich verweigert haben. In diesen Fällen könnte eine ordentliche Kündigung des Arbeitsverhältnisses wegen des eigenmächtigen Urlaubsantritts gerechtfertigt sein.

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Was ist, wenn der Mitarbeiter eine Krankheit ins Spiel bringt?

Droht Ihr Arbeitnehmer Ihnen als seinem Arbeitgeber mit Krankheit für den Fall, dass er den gewünschten Urlaub nicht erhält, so stellt dieses Verhalten ebenfalls einen Grund für eine außerordentliche Kündigung dar. Dies kann selbst dann der Fall sein, wenn der Arbeitnehmer später tatsächlich krank wird und er die Krankheit nicht nur vortäuscht. Es kommt maßgeblich darauf an, ob zum Zeitpunkt der Drohung die Arbeitsunfähigkeit oder Krankheitsanzeichen bereits vorlagen.

Wenn ja, wäre die Ankündigung einer Krankheit bei Verweigerung von Urlaub durch Sie als Arbeitgeber nicht widerrechtlich. War Ihr Arbeitnehmer zum Zeitpunkt der Krankheitsandrohung hingegen gesund, hätte er Sie als seinen Arbeitgeber quasi genötigt, ihm Urlaub zu gewähren, weil Sie ansonsten auch noch Entgeltfortzahlungskosten erbringen müssten – das wäre dann ein Grund für eine Kündigung.

Müssen Sie als Arbeitgeber einen Arbeitnehmer für den Fall einer Selbstbeurlaubung abmahnen?

Nein. Ihr Arbeitnehmer kann sich ja grundsätzlich selbst ausrechnen, dass Sie als Arbeitgeber eine längere Selbstbeurlaubung nicht einfach ohne Konsequenzen hinnehmen werden. Deswegen ist keine vorherige Abmahnung erforderlich. Hat Ihr Mitarbeiter jedoch den eigenmächtigen Urlaubsantritt bereits längerfristig angekündigt, sollten Sie ihn deutlich darauf hinweisen, dass Sie das als erhebliche Verletzung seiner arbeitsvertraglichen Pflichten ansehen und ihn fristlos kündigen würden.

Sind Sie als Arbeitgeber also vor jeglichen Folgen einer Urlaubsablehnung geschützt?

Nein. Ihr Mitarbeiter muss von Ihnen als seinem Arbeitgeber abgelehnten Urlaub nicht hinnehmen. Ihm bleibt dafür die Klagemöglichkeit. Vor Gericht kann er versuchen, seinen Urlaubswunsch gegebenenfalls durch einstweilige Verfügung durchzusetzen – sozusagen eine Notbremse für urlaubsuchende Arbeitnehmer.

Autor: Franz Höllriegel