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10.06.2016

Unternehmer entdecken Derivate neu für sich

Publikation von DIHK und VÖB soll Missverständnisse klären

„Dynamitstangen, die an beiden Enden brennen“. Das waren Derivate noch 2012 für den damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Für andere waren es schlicht Zockerpapiere. Zu Unrecht finden Experten. Sie zählen jetzt einige Vorteile von Derivaten auf – gerade für Unternehmen.

Finanzamt© Jürgen Fälchle /​ fotolia.com

Derivate im Dienste des Unternehmens

Derivate – Finanzprodukte zumal geeignet für Unternehmen, um ihre Erträge langfristig stabil zu halten? Das behauptete jedenfalls schon 2012 die Chefin des Deutschen Aktieninstituts und Geschäftsführerin der Börse München, Christine Bortenlänger. Lange gehörte sie zu einem Chor einsamer Rufer in der Wüste. Das könnte sich jetzt ändern.

Währungs- oder Zinsrisiken absichern

Schon damals hätten Unternehmen mit Hilfe von Derivaten ihre Währungs- oder Zinsrisiken absichern können. Das sei ihnen aber immer schwerer gemacht worden. Das Regulierungskorsett der Derivatemärkte wurde Bortenlänger zufolge seit Ausbruch der Finanzkrise immer enger geschnürt. Derivate seien im Zuge der weltweiten Finanzmarktkrise von 2008 als „Zockerpapiere“ in Verruf geraten.

Papiere ohne realen Bezug?

Sie gelten seither als Papiere ohne konkreten Bezug zum realen Wirtschaftsgeschehen. Wenigen Profiteuren ermöglichten sie umfassende Spekulationen und gigantische Gewinne. Zu Unrecht, finden Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) und Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK). In einer gemeinsamen Publikation „Sicherheit für den deutschen Mittelstand – Die Bedeutung von Derivaten für Unternehmen in Deutschland“ wollen nun auch sie mit Vorurteilen aufräumen.

Wertvolle Funktionen für Unternehmen

Tatsächlich erfüllten Derivate wertvolle Funktionen für Unternehmen und die gesamte Volkswirtschaft, betonen VÖB und DIHK darin. Die Wertpapierart sei ein „hilfreiches, in vielen Fällen sogar unerlässliches Instrument, um sich gegen Zins-, Währungs- und Rohstoffpreisrisiken abzusichern“, greifen die Autoren Bortenlängers Lob auf die Derivate wieder auf.

Geringeres Risiko der Zahlungsunfähigkeit

Die Planbarkeit würde verbessert, das Risiko der Zahlungsunfähigkeit etwa durch unerwartete Schwankungen zukünftiger Zahlungsströme (Marktpreisrisiken) verringert. Das käme nicht nur Betrieben, sondern auch deren Geschäftspartnern und damit der Stabilität des Wirtschaftsstandorts zugute.

Export und Rohstoffe

Die deutsche Wirtschaft ist stark exportorientiert. Andererseits hängt sie von ausreichender Rohstoffzufuhr ab. Sie muss am Weltmarkt gesichert werden. Dadurch bedingt komme der Absicherung gegen Wechselkursrisiken größte Bedeutung zu, gefolgt von der Absicherung gegen Zinsrisiken, so die Autoren. Risiken bei Rohstoffpreisen hätten aus Sicht des Gesamtvolumens eine geringere Bedeutung. Aber auch hier bestehe für viele Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes ein großer Absicherungsbedarf.

Weltweite Finanzkrise von 2008

Gleichwohl zeigte die weltweite Finanzkrise von 2008 Unsicherheiten bei Derivaten. Als Ergebnis haben sich viele deutsche Banken, darunter Landesbanken und Förderbanken, selbstverpflichtet. Sie schließen danach grundsätzlich nur Derivategeschäfte mit Unternehmenskunden ab. Bei diesen muss tatsächlich eine Verbindung zum Grundgeschäft aus der Geschäftstätigkeit des Unternehmens vorliegen wie z.B.:

  • Fremdwährungsforderungen
  • Verbindlichkeiten
  • variabel verzinsliche Darlehen
  • anhaltender Rohstoffbedarf.

Banken um Image der Derivate bemüht

Der Flurschaden in Sachen Derivate ist groß. Das Image hat zumal auch bei Unternehmen gelitten. Deswegen ist es für die Banken wichtiger denn je, dass sie die Geschäftsmodelle ihrer Kunden kennen und verstehen. Sie müssen deren tatsächlichen Absicherungsbedarf beurteilen können. Die Autoren legen Wert auf die Feststellung, dass spekulative Geschäftsabschlüsse ohne Bezug zum Grundgeschäft die meisten Banken nicht unterstützen. Bei exzessiver Nutzung durch einen Kunden können sie diese auch vollständig ablehnen.

 

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Autor: Franz Höllriegel

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