31.07.2017

Unternehmensgründer beklagen administrative Hürden

Immer der Papierkram! Welcher Unternehmer hasst ihn nicht? Vor allem bei Unternehmensgründern ist die Verzweiflung groß. Jeder dritte Gründer klagt über bürokratische Pflichten. Aber: wegen Bürokratie die Gründung abbrechen – so weit wollen denn doch nur wenige gehen.

Bürokratie, anstrengende Arbeit mit Papier Akten

Aller Anfang ist schwer

Administrative Hürden sind die am häufigsten genannte Schwierigkeit bei der Existenzgründung – und das seit Jahren. Das beobachtet der Gründungsmonitor 2017 der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Jeder dritte Gründer in Deutschland nimmt demnach bürokratische Regelungen und Pflichten als Belastung wahr.

Zehn Prozent der Arbeitszeit für Bürokratie

Eine Studie von KfW Research zeigt: Gründer wenden rund zehn Prozent ihrer wöchentlichen Arbeitszeit für die Bewältigung administrativer Pflichten auf. Das entspricht im Median zwei Stunden in der Woche. Besonders häufig bemängelten die Gründer:

  • Aufwand der verschiedenen Anmelde- und Registrierungsprozesse,
  • Komplexität der Besteuerung.

Unternehmensgründer haben Schwierigkeiten mit dem Steuersystem

Mehr als die Hälfte der Gründer mit bürokratischen Schwierigkeiten sieht die größte Belastung zum Zeitpunkt der Gründung in einem dieser Bereiche. Nach der Gründung rücken die Schwierigkeiten mit dem Steuersystem weiter in den Vordergrund. Auch die Einstellung von Beschäftigten bringt neue Pflichten und Schwierigkeiten mit sich.

Aufgeben gilt nicht

Doch deswegen aufgeben? Das kommt für die wenigsten Gründer in Frage. „Bürokratie kostet Gründer zwar Zeit und Nerven, deshalb werden aber kaum Gründungsprojekte abgebrochen oder Gründungspläne in der Schublade gelassen“, sagt KfW-Chefvolkswirt Dr. Jörg Zeuner. Die größte Hürde in der Planungsphase seien die finanziellen Risiken. Bestehende Gründungsprojekte würden vor allem aufgrund attraktiver Jobalternativen oder unbefriedigender Ertragslage wieder abgebrochen, nicht wegen Bürokratie.

Branchenbedingte Bürokratieunterschiede

Je nach Branche und Größe der Gründung nehmen die Gründer bürokratische Schwierigkeiten unterschiedlich wahr. So sehen beispielsweise im Bausektor 43 Prozent der Gründer administrative Hürden, im Handel nur 28 Prozent. Gründer mit Fremdfinanzierungsbedarf nennen weitaus öfter (45 Prozent) Bürokratieprobleme als Gründer ohne Finanzmitteleinsatz (26 Prozent). Im Vergleich zu jüngeren nehmen ältere Gründer grundsätzlich seltener bürokratische Schwierigkeiten wahr (nur 28 Prozent der über 50-Jährigen). Weitere Schwierigkeiten werden in der familiären Belastung (27 Prozent) und der Auftragsakquise (26 Prozent) sowie in den konjunkturellen und finanziellen Risiken der Selbstständigkeit (jeweils 22 Prozent) gesehen.

Bürokratiekiller Digitalisierung?

„Zwar gab es in den letzten Jahren beim Bürokratieabbau schon Fortschritte, doch es besteht eindeutig noch Spielraum“, sagt Zeuner. Vor allem in der Digitalisierung sieht er noch großes Potenzial. Deutschland dürfe hier nicht den Anschluss verpassen. Zeuner rät zu einem konsequenten Ausbau des E-Government, um Verwaltungsprozesse schneller und effizienter zu gestalten. Behördengänge ließen sich durch Online-Angebote vermeiden, Meldepflichten automatisiert abwickeln. Zeuner: „Für den großen Wurf wären aber bundesweite Mindeststandards und eine einheitliche IT-Infrastruktur notwendig.“

Bürokratiekiller neues Bürokratie-Entlastungsgesetz?

In wieweit das gerade von Bundesrat und Bundestag verabschiedete 2. Bürokratie-Entlastungsgesetz in der Praxis für eine Entlastung nicht nur der Jungunternehmer sorgt, wird man abwarten müssen. Immerhin: der Newsletter für SteuervorteileGmbH-Brief AKTUELL“ berichtet in seiner aktuellen Ausgabe (11/2017 August) über „echte Erleichterungen für die Unternehmen“ durch das Gesetz. Allerdings bleibe es in einem Punkt noch weit hinter den Erwartungen zurück. Trost: Dafür springe ein anderes Gesetz ein. Welches und unter welchen Bedingungen mit welchen Auswirkungen und in welchem Punkt, dazu mehr im neuen „GmbH-Brief AKTUELL“.

Autor: Franz Höllriegel