News | Personal 13.01.2016

Unternehmen werben um Azubis

Zusatzangebote von Auslandsstelle bis Dienst-Smart. „Ich bin die Lehrerschwemme, sind Sie der Pillenknick?“ Der einsame Lehrer vor überfüllter Schulklasse von einst ist heute der Ausbildungsbetrieb vor angeblich zu vielen Ausbildungssuchenden. Er kann trotzdem die Ausbildungsplätze kaum besetzen – es sei denn, er lässt sich etwas einfallen.

41.000 Ausbildungsplätze unbesetzt

Berlin. 13. Januar 2016 – Von wegen: zu viele Ausbildungssuchende. Bundesweit blieben 2015 mehr als 41.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Wo sind die vielen jungen Menschen, die eine Ausbildung suchen? Das fragen sich immer mehr Unternehmen zwischen Flensburg und Füssen. Aber sie belassen es nicht bei Fragen – immer mehr handeln.

Zusätzlich Anreize von jedem zehnten Unternehmen

Jedes zehnte Unternehmen in Industrie und Handel bietet inzwischen finanzielle oder materielle Anreize, um Auszubildende zu gewinnen, weiß Ulrike Friedrich, Ausbildungsexpertin beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Häufig sind das Betriebe, deren Standort schlecht erreichbar ist oder die nicht die Top-5-Berufe ausbilden. Oder sie befinden sich an einem Ort, wo besonders viele andere Unternehmen mit ihnen um Bewerber konkurrieren, berichtet sie in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“.

Hitliste der beliebtesten Lockmittel

Friedrich macht eine Hitliste der beliebtesten Lockmittel für Auszubildende auf:

  • Am häufigsten würden Zuschüsse zur Mobilität gewährt, zum Beispiel für den öffentlichen Nahverkehr oder den Führerschein.
  • Auf dem zweiten Platz stünden höhere Ausbildungsvergütungen.

Weitere beliebte Vergünstigungen seien:

  • Büchergeld,
  • Zuschüsse zur Wohnung,
  • Teamreisen,
  • kostenlose Mitgliedschaft im Fitnessstudio,
  • Smartphone oder Tablet, verbunden mit
  • der Möglichkeit, digital zu lernen und sich im Betrieb zu vernetzen, und nicht einmal immer verbunden mit der Rückgabe nach Ausbildungsende.

Gastronomie, Bau, Verkehr

Am meisten strengten sich die Unternehmen an mit den größten Schwierigkeiten, Bewerber zu finden. Besonders Unternehmen der Gastronomie gehörten hierzu. 60 Prozent der Betriebe hätten im letzten Jahr nicht alle offenen Ausbildungsplätze besetzen können. Andere Bereiche mit besonderem Azubi-Bedarf seien das Baugewerbe, Verkehr, Transport und Logistik und die IT-Branche. Sie böten oft zusätzliche Anreize für Bewerber.

Ausschlag durch Goodie

Wenn an einem Ort mehrere Betriebe derselben Branche um Azubis werben, könnte ein „Goodie durchaus den Ausschlag geben“, meint Friedrich. Manchmal ließen sich sogar strukturelle Probleme der Nachwuchsgewinnung mit diesem Instrument lösen. So habe beispielsweise ein abgelegenes Hotel einen Dienst-Smart für den Azubi angeschafft.

Mit Bewerbern ins Gespräch kommen

In erster Linie dienten die Anreize aber als Mittel, sich von der Masse abzusetzen und überhaupt mit Bewerbern ins Gespräch zu kommen. Friedrich: „Dann kann man ihnen die Vorteile der betrieblichen Ausbildung ja erst nahebringen.“

Zusatzangebote an leistungsstarke Jugendliche

Die Zusatzangebote richteten sich vor allem an leistungsstarke Jugendliche, die auch studieren könnten. Die Azubis könnten während der Ausbildung eine Zeit im Ausland verbringen, Zusatzqualifikationen erwerben, etwa Fremdsprachen lernen oder vertiefte PC- oder Fachkenntnisse erwerben. Friedrich: „Und jeder fünfte Betrieb bietet heute die Möglichkeit, ein duales Studium anzufangen.“

 

Autor: Franz Höllriegel