06.02.2018

Unternehmen nutzen zunehmend Leiharbeiter

Der Arbeitsmarkt boomt. Der Fachkräftemangel zieht immer weitere Kreise. Was gesucht wird, sind vor allem Zeitarbeiter. Sie müssen meistens allerdings ein Gehalt unter der Niedriglohnschwelle hinnehmen. Die Linksfraktion im Bundestag sieht deswegen Handlungsbedarf.

Leiharbeit, Zeitarbeit

Anstellung in der Zeitarbeit nimmt zu

Fast jede zweite bei Arbeitsagenturen und Jobcentern gemeldete Vollzeitstelle ist eine Anstellung in der Zeitarbeit. Das geht aus der Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Susanne Ferschl hervor. Darüber berichtet das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Demnach waren im November des vergangenen Jahres 523.790 Vollzeitstellen offiziell gemeldet, 216.294 davon in der Arbeitnehmerüberlassung. Das entspricht einem Anteil von 41,3 Prozent. Von den offenen Stellen insgesamt einschließlich Teilzeit sei etwa ein Drittel von Leiharbeitern besetzt gewesen.

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Leiharbeit

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit bekamen im Dezember 2016 zwei Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Leiharbeit einen Bruttolohn unterhalb der Niedriglohnschwelle von 2088 Euro monatlich. In der Gesamtwirtschaft waren es dagegen nur 20 Prozent. Die Linksfraktion fordert schärfere Regelungen für die Zeitarbeit. „Dringend notwendig sind jetzt gleicher Lohn für gleiche Arbeit ab dem ersten Einsatztag sowie ein Flexibilitätszuschlag von 10 Prozent und eine Höchstüberlassungsdauer von drei Monaten“, zitiert der Bericht Ferschl. Leiharbeit dürfe nur für Auftragsspitzen und Personalengpässe genutzt werden und nicht zur Ausweitung von Niedriglöhnen, so die Linken-Politikerin.

Arbeitgeber: Zeitarbeit ist Jobmotor

Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) sieht in Leih- oder, wie sie es nennt Zeitarbeit einen Jobmotor des deutschen Arbeitsmarkts. Zwei Drittel der Zeitarbeitnehmer hätten durch Zeitarbeit die Chance erhalten, Arbeitslosigkeit zu überwinden, heißt es in einer Mitteilung der Organisation. Fast 20 Prozent der Zeitarbeitnehmer waren den BDA-Angaben zufolge zuvor ein Jahr und länger arbeitslos oder sogar ohne vorherige Beschäftigung. Die Alternative zur Zeitarbeit für diese Arbeitnehmer wäre der Verbleib in Arbeitslosigkeit. Die Branche trage dadurch wesentlich zum Abbau der Arbeitslosigkeit bei und erfülle eine Brückenfunktion.

Unverzichtbar für Dynamik am Arbeitsmarkt

Zeitarbeit sei unverzichtbar für eine Dynamik von Arbeitsmärkten, in denen gesamtwirtschaftliches Wachstum schnell in spürbaren Beschäftigungsaufbau münden soll. Aber auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten schaffe sie Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen erhielten dadurch die nötige Flexibilität in der Personalpolitik und die Sicherung von Stammarbeitsplätzen. Zeitarbeit ersetze kein Stammpersonal, sondern schaffe zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten. Sie ermögliche reguläre, vollwertige und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Arbeits- und Tarifrecht greift

Die Arbeitgeber berufen sich dabei ebenfalls auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Danach seien 92 Prozent aller Zeitarbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, fast 80 Prozent arbeiteten in Vollzeit. Auf die Arbeitsverhältnisse finde überdies das gesamte Arbeits- und Tarifrecht Anwendung. Das geltende deutsche Recht entspreche darüber hinaus bereits heute den strengen europäischen Vorgaben; es gehe sogar teilweise darüber hinaus. So gelte z. B. in Deutschland das gesamte Befristungsrecht für die Zeitarbeit. Dies sei nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs nicht zwingend.

Vorsicht bei Beschäftigung von Leiharbeitern

Der Einsatz von Leiharbeitnehmern ist in vielen Unternehmen gängige Praxis, bestätigt auch „Personaltipp AKTUELL“ (02/2018). Der Newsletter für Arbeitsrecht für Arbeitgeber rät diesen allerdings, bei der Beschäftigung von Leiharbeitern unbedingt darauf zu achten, die gesetzlichen Vorgaben des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) einzuhalten. Ein Verstoß gegen zwingende Vorschriften könne unangenehme Konsequenzen haben. Welche genau, das analysiert der Newsletter anhand eines aktuellen Arbeitsgerichtsurteils.

Autor: Franz Höllriegel