News | Management 16.01.2017

Mittelstand bei Digitalisierung zu beratungsresistent?

Mittelstand verzichtet noch zu sehr auf Beratung zur Digitalisierung: Die digitale Transformation macht Fortschritte. Gerade mittelständische Unternehmen scheinen bei der Einführung mit Bordmitteln auszukommen. Dabei wissen viele gar nicht, was ihnen entgeht. Das nötige Wissen könnten ihnen Berater vermitteln. Doch die werden selten in Anspruch genommen.

Keine Unterstützung von außen

Die meisten Mittelständler versuchen die Digitalisierung alleine zu bewältigen. Sie holen sich keine Unterstützung von außen. Das ist das Ergebnis einer Unternehmensbefragung des Digitalverbands Bitkom. Nur 18 Prozent der Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern haben demnach bereits Beratungsleistungen zur digitalen Transformation des eigenen Geschäfts in Anspruch genommen. Gerade einmal sechs Prozent planen das für die Zukunft. Für drei Viertel der Mittelständler (75 Prozent) ist das kein Thema.

Großunternehmen beratungsfreundlicher

Ganz anders das Bild bei größeren Unternehmen. Rund die Hälfte von ihnen (49 Prozent) hat zusätzlich zur eigenen Expertise externe Berater hinzugezogen, gut jedes fünfte (22 Prozent) plant es tatsächlich. Lediglich jedes vierte Großunternehmen (25 Prozent) sieht dafür keine Notwendigkeit.

Verpasste Chancen?

Gerade kleinere Unternehmen haben dabei aber ein Problem. Die Digitalisierung ermöglicht eine unter Umständen marktentscheidende Verbesserung von Geschäftsprozessen. Sie erfordert den Umbau bestehender und den Aufbau gänzlich neuer Geschäftsmodelle. Diese Erkenntnis müssten die Unternehmen in praktisches Handeln umzusetzen, können es aber nicht, weil sie nicht wissen, wie.

Disruptive Innovationen

Gerade disruptive Innovationen werden nur selten in der Branche selbst entwickelt. Disruptiv sind Neuerungen, die bestehende Technologien, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung möglicherweise vollständig verdrängt. „Wer hier vorne mit dabei sein will ist gut beraten, sich externe Unterstützung zu suchen und sich vor allem auch mit Start-ups auszutauschen“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Mangelndes Interesse an Beratungsleistungen

Besonders wenig Interesse an Beratungsleistungen zur Digitalisierung gibt es im Handel. Hier nehmen 76 Prozent der Unternehmen keine externe Hilfe in Anspruch. Jeweils zwölf Prozent planen, sich Unterstützung zu holen, oder haben dies bereits getan. Unter den Dienstleistern haben dagegen bereits 26 Prozent Berater engagiert, drei Prozent haben das noch vor. In der Industrie sind es 23 Prozent, die sich Digitalisierungs-Hilfe gesucht haben, sieben Prozent haben entsprechende Pläne.

Behörden erfordern immer mehr Digitalisierung

Noch aus einem anderen Grund sollten sich Unternehmen ausreichend über die Digitalisierung im Unternehmen beraten lassen: die Behördenbürokratie erfordert sie immer mehr. So gilt einem Bericht des „Meisterbrief AKTUELL“ (1/2017 Januar) zufolge seit diesem Jahr der digitale Lohnnachweis. Erstmals zum 16.2.2017 muss demzufolge der Lohnnachweis nicht nur nach dem bisher gültigen Verfahren, sondern zusätzlich digital erbracht werden.

Beratung auf der Mittelstands-Tour

Eine Möglichkeit, sich bei der Digitalisierung des eigenen Unternehmens unterstützen zu lassen, ist die Mittelstands-Tour des Bitkoms. Nach Bremen macht sie noch bis zum Sommer in Nürnberg, Köln, Hamburg, Kassel, Dortmund, Chemnitz und Berlin Station. Die Teilnahme ist kostenlos. Unterstützt wird die Tour von Microsoft, Salesforce, Scheer sowie TA Triumph-Adler. Die Veranstaltungen finden in Zusammenarbeit mit den Industrie- und Handelskammern (IHK) vor Ort statt. Näheres dazu unter www.mittelstand-tour.de.

Autor: Franz Höllriegel