15.03.2018

Unternehmen benötigen kompetente Fachkräfte für Arbeitssicherheit

Sicher ist sicher – vor allem bei der Arbeit. In deutschen Betrieben gibt es dafür kompetente Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Doch haben sie überhaupt genug Zeit für ihre Aufgaben? Und: Entsprechen die Spezialisten den in sie gesetzten Erwartungen? Eine Untersuchung dazu kommt zu positiven Ergebnissen.

Werden wir auch in Zukunft genügend kompetente Fachkräfte für Arbeitssicherheit haben?

Anspruchsvolles Aufgabenspektrum der Sifa

Gefahrstoffe, Biostoffe, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Flexibilisierung – kompetente Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifa) haben ein anspruchsvolles Aufgabenspektrum. Sie sind vor allem für die sicherheitstechnische Betreuung von Betrieben in Deutschland zuständig.

Um diese Aufgaben zu erfüllen, benötigen sie eine Vielzahl weiterer Fähigkeiten. Für die Betreuung haben sie einen zeitlichen Bedarf. Sie decken ihn auch mit hoher Wahrscheinlichkeit. Das hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) anhand von Daten zweier unterschiedlicher Studien festgestellt. Nachzulesen ist das in einem Gutachten der BAuA mit dem Titel „Betriebliche und überbetriebliche Einflussgrößen auf die Tätigkeit und Wirksamkeit von Fachkräften für Arbeitssicherheit“.

Das Gutachen können Sie auf der Website der BAuA als PDF herunterladen: www.baua.de.

Sozialer Fortschritt und wettbewerbsfähige Wirtschaft

Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Hier forscht die BAuA, eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Über 700 Beschäftigte arbeiten an den Standorten in Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz. Sie entwickeln im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördern den Wissenstransfer in die Praxis und beraten die Politik.

Die Anstalt erfüllt zudem hoheitliche Aufgaben:

  • im Gefahrstoffrecht
  • bei der Produktsicherheit
  • mit dem Gesundheitsdatenarchiv

Gibt es ausreichend kompetente Fachkräfte für Arbeitssicherheit?

In dem Forschungsprojekt hat die BAuA untersucht, ob gegenwärtig genügend kompetente Fachkräfte für Arbeitssicherheit zur Verfügung stehen und ob das auch zukünftig so sein wird. Laut dem Gutachten haben zwischen 1977 und 2015 insgesamt 124.000 Personen die sicherheitstechnische Fachkunde erworben. Davon waren am 1. Januar 2016 noch 71.700 berufsfähig, d. h. weder alters- noch krankheitsbedingt aus dem Erwerbsleben ausgeschieden. Somit waren je nach Kapazitätsszenario 52.400 bis 59.700 Personen mit sicherheitstechnischer Fachkunde auch als Fachkraft für Arbeitssicherheit tätig.

Die verfügbare Betreuungszeit beträgt demnach unter Berücksichtigung von Teilzeittätigkeit als Fachkraft für Arbeitssicherheit und Wegezeiten je nach Kapazitätsszenarien zwischen knapp 35 Millionen und 61 Millionen Betreuungsstunden pro Jahr.

Zudem ging das Projekt der Frage nach, inwieweit die Fachkräfte über die erforderlichen Kompetenzen verfügen, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Neben einer intensiven Literaturstudie führte die BAuA dazu ergänzende Experteninterviews, Datenabfragen und eine Onlinebefragung durch.

Die BAuA wollte dabei wissen, welcher Kompetenzerwerb möglich ist aus:

  • Ausgangsqualifikation
  • Ausbildung zum Erwerb der sicherheitstechnischen Fachkunde
  • Fortbildung
  • informellem Lernen
  • Erfahrung

Handlungsempfehlungen der BAuA zum Kompetenzerwerb

Wie die Anstalt in einer Presseinformation mitteilt, kommt das Gutachten auch zu einer Reihe von Empfehlungen, wie man von Anfang an kompetente Fachkräfte für Arbeitssicherheit ausbildet:

  • bereits vor der Ausbildung die erforderlichen Eingangskompetenzen und die persönliche Eignung zu prüfen, z.B. durch Bewerbung mit Lebenslauf und Vorstellungsgespräche
  • Qualitätskriterien für die Fortbildung vorgeben
  • die Fortbildung selbst stärken und durch Nachweise verbindlicher gestalten
  • die Weiterbildung strukturieren
  • ein verbindliches Meldesystem schaffen
  • 30 Prozent der Arbeitszeit für Fortbildung freihalten
  • für informelles Lernen und Coaching während der Tätigkeit sorgen

Bisher legt die Ausbildung der Fachkraft für Arbeitssicherheit den Schwerpunkt auf die fachlichen Kompetenzen. Mit dem Wandel der Arbeit nähmen immer mehr Faktoren Einfluss auf die Arbeit der Beschäftigten. Auch der Betreuungsbedarf werde vielfältiger. Dieser werde sich dynamisch weiterentwickeln.

Deshalb werden laut BaUA die Anforderungen an Lernbereitschaft sowie Kooperations- und Beratungskompetenzen für die Fachkräfte für Arbeitssicherheit weiterwachsen. Kontinuierliche, systematische Kompetenzentwicklung und Fortbildung würden dadurch zwingend erforderlich.

Arbeitssicherheit ist Chefsache

Bei aller Kompetenz der Fachkräfte für Arbeitssicherheit – diese ist vor allem auch Chefsache. Was geschieht beispielsweise, wenn ein Mitarbeiter eines Unternehmens bei einer betrieblichen Tätigkeit verletzt wird? Kann der Mitarbeiter dann vom Arbeitgeber Schmerzensgeld verlangen?

„Personaltipp AKTUELL“ (03/2018) berichtet über ein Arbeitsgerichtsurteil mit einer interessanten Beantwortung dieser Fragen. Schmerzensgeld bei Arbeitsunfällen bekommen Betroffene demnach nur ausnahmsweise. Wann dies der Fall sein kann, dazu mehr im Newsletter „Personaltipp AKTUELL“.

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Autor: Franz Höllriegel