27.08.2015

Vorsicht vor Tücken bei der Erbschaftssteuer!

Erblasser – das meint gemeinhin denjenigen, der ein "Erbe hinterlässt". Doch kann mittlerweile so mancher auch erblassen, wenn er den Erbschaftssteuerbescheid für sein Unternehmen bekommt. Zur Minderung der Erbschaftssteuer bleibt die Wahl zwischen Skylla und Charybdis: entweder ein Gutachten zum Verkehrswert des Unternehmens oder ein Ertragswertverfahren. Beide bergen Tücken, warnt der DIHK. Und: Ein aktueller Kabinettsentwurf zur Erbschaftssteuer könnte die Lage weiter verschärfen.

Erbschaft

Erbschaftssteuer nach Verkehrswert

Berlin. 26. August 2015 – Seit 2009 gilt bei der Bewertung von Betrieben für die Erbschaftssteuer der Verkehrswert – also der am freien Markt erzielbare Verkaufspreis. Für Familienunternehmen, die nicht an der Börse gehandelt werden, ist das ein Problem. Sie müssen entweder ein Gutachten anfertigen lassen oder das vereinfachte Ertragswertverfahren anwenden – beides hat aber seine Tücken, warnt der Deutsche Industrie- und Handelskammer-Tag (DIHK).

Auflagen für die Gewinnverwendung

Familien wollen die Zukunft ihrer Unternehmen und Arbeitsplätze sichern. Zu diesem Zweck unterwerfen sie die Gesellschafter engen vertraglichen Auflagen für die Gewinnverwendung. Beschränkungen bei der Gewinnausschüttung halten finanzielle Mittel im Betrieb. So können diese dort für Investitionen und Arbeitsplätze eingesetzt werden – Nachhaltigkeit statt kurzfristige Gewinnorientierung.

Gutachten zum Verkehrswert

Das alles müsste ein Gutachten zum Verkehrswert berücksichtigen – schließlich zahle kein Käufer einen Preis, ohne erhebliche Abschläge für die vorliegenden Bindungen und Beschränkungen vorzunehmen, so DIHK-Steuerexpertin Daniela Karbe-Geßler.

Verschonungsregelungen in der Erbschaftssteuer

Das aktuelle Bewertungsrecht lasse dies aber nicht zu. Derzeit werde deshalb dieser Nachteil durch die Verschonungsregelungen in der Erbschaftsteuer ausgeglichen oder zumindest gemildert. Künftig werde die unrealistische Bewertung aber deutlich spürbar. Dann müsse ein Teil des Betriebsvermögens definitiv versteuert werden – „so der Plan“, erläutert Karbe-Geßler.

Das vereinfachte Ertragswertverfahren

Anstelle eines teuren Gutachtens nutzten kleine und mittelständische Unternehmen für die Ermittlung des Verkehrswertes gern das sogenannte vereinfachte Ertragswertverfahren. Dabei wird ein Kapitalisierungsfaktor aus dem Basiszinssatz der Deutschen Bundesbank hergeleitet. Sinkt der Zins, erhöhten sich der Faktor und damit der Wert des Unternehmens. Als das Verfahren 2008 entwickelt wurde, lag der Faktor bei 11, inzwischen bei 18,2.

Unbürokratisch, aber überhöht

Dieses Verfahren sei zwar unbürokratisch, führe in der Praxis derzeit jedoch zu völlig überhöhten Werten. Allein von 2014 auf 2015 sei der so berechnete durchschnittliche Wert von Betrieben in Deutschland um 30 Prozent gestiegen. Eine Änderung der Marktsituation spiegele dies nicht einmal in Ansätzen wider.

Einzelhändler im ländlichen Raum

Karbe-Geßler nennt das Beispiel des Einzelhändlers im ländlichen Raum. Von 100.000 Euro Gewinn würden bei der Ermittlung pauschal 30 Prozent Ertragsteuern und ein fiktives Gehalt von 15.000 Euro abgezogen. Bleiben 55.000 Euro, die zur Berechnung des Unternehmenswertes mit dem aktuellen Faktor 18,2 multipliziert werden. Karbe-Geßler: „Auf dem Papier wird so selbst der kleine Händler zum Millionenunternehmen.“

Verschärfung durch Kabinettsentwurf

Ein neuer Kabinettsentwurf zur Erbschaftsteuer könnte die Situation für Familienunternehmen zusätzlich verschärfen. Es sieht Einschränkungen der bisherigen Verschonungsregelungen vor. Karbe-Geßler: „Damit wird die problematische gesetzliche Unternehmensbewertung für die Familienunternehmen zu einem bedrohlichen Problem.“

DIHK: Bewertungsgesetz korrigieren!

Der DIHK fordert mit der Anpassung der Erbschaftsteuer eine Korrektur des Bewertungsgesetzes. Beschränkungen in der Verfügung über das Betriebsvermögen müssten bereits in der Bewertung berücksichtigt werden. Zudem müsse der Kapitalisierungsfaktor angepasst werden. Sonst käme es zu Mondpreisen für Unternehmen – und das selbst bei niedrigen Zinsen.

Autor: Franz Höllriegel