01.07.2015

Tarnen und Täuschen in der Teamarbeit

Untersuchung der TU Braunschweig. Wir kennen es von unserer Schulzeit: Beim Vorlesen der Hausaufgaben duckt sich so mancher in der Klasse weg. Vor einem ähnlichen Phänomen warnen jetzt Wissenschaftler der Technischen Universität Braunschweig im Zusammenhang mit der sonst so hoch gelobten Teamarbeit. Mit Unternehmensführung befasste leitende Mitarbeiter sollten hier ein besonderes Auge drauf haben.

Zzusammearbeit

Wichtige Teamarbeitsfallen

Gleich eine Reihe Teamarbeitsfallen spottet Prof. Dietrich von der Oelsnitz. Er ist Leiter des Instituts für Unternehmensführung an der Technischen Universität Braunschweig. Drei der wichtigsten hat die „Aachener Zeitung“ jetzt in ihrem Bericht dazu herausgegriffen:

  • Die Drückeberger-Falle: In der Masse könne sich der Einzelne „prima hinter den anderen verstecken“ – aus Trägheit oder Böswilligkeit. Motto: Jemand anderes wird die Arbeit schon machen. Ein typisches Problem der Gruppenarbeit, Untersuchungen hätten gezeigt, dass sich jeder Einzelne weniger anstrengt, je größer die Gruppe ist, zitiert das Blatt Buchautor Volker Kitz.

Produktivität und Motivation sinken

Folge: Die Leistung nehme ab, Produktivität und Motivation sänken. In so einer Situation sei der Teamleiter gefragt, jedem eine klare Aufgabe zuzuteilen, deren Erfolg am Ende messbar ist und nicht im großen Mischmasch verschwindet.

  • Die Konformitätsfalle: Ohne klare Aufgabenverteilung gerate die Teamarbeit schnell zur Konformitätspresse, sagt von der Oelsnitz. Ansichten würden auf Einstimmigkeit getrimmt, Konventionen und Verhaltensstandards breiteten sich aus. Wenn sich am Ende keiner mehr im Projekt wiedererkennt und auf seine eigene Leistung stolz sein kann, sinke die Motivation.

Klare Aufgabenverteilung

Von der Oelsnitz rät neben einer klaren Aufgabenverteilung zu einem regelmäßigen Wechsel der Zusammensetzung. Gerade in kreativen Bereichen sollte das Kernteam gesetzt sein, das Randteam aber stets neu besetzt werden. Das sei ähnlich wie in der Filmbranche. Viele Regisseure arbeiteten mit ein paar festen Kameraleuten oder Schauspielern zusammen, der Rest variiere.

  • Die Ja-Sager-Falle: Gerade große Teambesprechungen förderten Harmoniesucht und verleiteten dazu, sich schlechter vorzubereiten.

Vielredner ersticken Kreativität

Folge: Gebremste Kreativität. Ideen würden im Zweifelsfall von den Vielrednern erstickt, oder man habe es sich schon vorher in der Masse bequem gemacht, gibt die Zeitung die Ansicht des Hamburger Teamcoaches Thorsten Visbal wieder.

Rückkehr zum guten alten Papier

Deswegen rate er, bei Besprechungen wieder auf Papier umzusteigen. „Wenn jeder seine Idee aufschreiben muss, ist er gezwungen, sich Gedanken zu machen“, so Visbal. Außerdem sollten Teams nicht zu groß sein. Je mehr Mitarbeiter zusammensitzen, desto schneller würden Entscheidungen blockiert, warnt er. Er empfiehlt deshalb Teams von etwa sieben Mitarbeitern.

Autor: Franz Höllriegel