12.12.2022

Tantieme: Zufluss bei beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführern

„Morgen steht der Sack von der Gema wieder vor der Tür.“ Worte des unvergessenen James Last, einer der größten Einstreicher des 20. Jahrhunderts von Tantiemen – allerdings nicht gerechnet solche für GmbH-Chefs. Insgesamt dürften diese Lasts Gema-Schecks übertreffen.

Tantieme Gesellschafter-Geschäftsführer

Hat James Last wirklich diese Worte ausgesprochen?

Ja hat er, bezeugt durch den Impresario und Konzertveranstalter Lasts, Hans-Werner Funke. Der Verfasser war selber früher in der Musikbranche tätig, u.a. als persönlicher Referent des einstigen Generaldirektors der Gema, Prof. Dr. Erich Schulze, und als Journalist für den damaligen Informationsdienst für die Musikbranche „rundy“. Er hatte des Öfteren mit Funke geschäftlich zu tun.

Bei einer dieser Gelegenheiten erzählte Funke über Last, wie der bei einer Tournee immer alle Mitglieder des Veranstaltungsteam nach dem Konzert noch zum Umtrunk einlud. Alle Getränke, die ab dann getrunken wurden, seien auf Lasts Deckel gegangen. Funke: „Dann haben wir gesagt: Mensch, das ist doch auch ein bisschen zu viel. Dann hat er gesagt: Ach mach dir keine Sorgen, morgen steht der Sack von der Gema wieder vor der Tür.“ Das sei nicht übertrieben gewesen. Last habe wahnsinnig viel Tantiemen von der Gema erhalten dadurch, dass er alles selber arrangiert hatte.

Von was für Tantiemen sprechen wir hier?

Von der Tantieme als einer variablen Vergütung, die unterschiedlichen Empfängern ausgezahlt wird, um diese anteilig am Erfolg des Unternehmens beziehungsweise ihrer Werke zu beteiligen, so an:

  • von Ihnen als Unternehmen an Gesellschafter oder Arbeitnehmer sowie
  • von Kulturnutzern und -veranstaltern an Kulturschaffende, eben wie im Beispiel James Last für Musikschaffende.

Der Begriff stammt von dem französischen Begriff tantième für einen „so und so großen Teil von etwas“. Dementsprechend umfassen Tantiemen:

  • variable Vergütungen,
  • errechnet aus einem bestimmten Teil des Gewinns,
  • Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit.

Ein Anspruch der Empfänger von Tantiemen entsteht durch vertragliche Vereinbarung. Danach richten sich Höhe und Fälligkeit der Tantiemen. In aller Regel unterliegen sie der Lohnsteuer, zumindest soweit nicht eine andere Art als die Gewinntantieme vereinbart wurde.

Wie werden Tantiemen verwendet?

Auf zweierlei Art:

  • bei Kulturschaffenden: sie erhalten über Tantiemen an den Einnahmen, die ihre Werke erzeugen, eine Beteiligung an dem entsprechenden Gewinn. Kulturschaffende sind dabei etwa Künstler, Musiker und Komponisten, Autoren, Schriftsteller und Journalisten sowie Designer. Auszahlungen durch die Gema oder der Vergütungsgesellschaft Wort an die bei ihr angemeldeten Künstler fallen ebenfalls unter den Begriff der Tantieme.
  • in Unternehmen: beispielsweise beteiligen Sie den Geschäftsführer Ihrer GmbH, den Vorstand Ihrer Aktiengesellschaft oder die leitenden Angestellten Ihres Unternehmens anteilig an dessen Erfolg. Dadurch schaffen Sie als Unternehmen Anreize, es zum Erfolg zu führen.

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Welche Arten von Tantiemen gibt es?

Gewinntantieme: In aller Regel sind Tantiemen an den Gewinn gebunden, je höher der Gewinn, desto höher die Tantieme.

Umsatztantieme: die Möglichkeit, sich am Umsatz Ihres Unternehmens zu beteiligen. Wohl gemerkt: nicht am Gewinn. Zahlen Sie beispielsweise eine Umsatztantieme an einen Geschäftsführer, der auch Anteilseigner am Unternehmen ist, so geht das Finanzamt regelmäßig zunächst davon aus, dass diese Tantieme maßgeblich der Steuervermeidung und nicht der Anerkennung der persönlichen Leistung dienen soll. In diesem Zusammenhang vermutet das Finanzamt schnell eine verdeckte Gewinnausschüttung.

Ermessenstantieme: deren Höhe ist nicht an einen vertraglich festgelegten Prozentsatz gebunden; sie vergibt der Auszahlenden nach eigenem Ermessen. Damit können Sie als Unternehmen besonders erfolgreiche Arbeitnehmer belohnen. Allerdings besteht für diesen eine Rechtsunsicherheit darin, dass die Auszahlungskriterien nicht objektiv messbar sind. Deshalb ist nie völlig klar, wer in welcher Höhe die zusätzlichen Einkünfte erhält.

garantierte Tantieme: der Empfänger bekommt einen Mindestwert zugesichert, unabhängig vom tatsächlichen Gewinn oder Umsatz. Liegt die vom Gewinn bzw. Umsatz berechnete Tantieme über diesem Mindestwert, zahlen Sie als Unternehmen grundsätzlich die errechnete Tantieme aus.

Ist Tantieme gleichzusetzen mit Provision und Honorar?

Nein, diese richten sich an einen Geschäftsabschluss, Tantieme am Ergebnis des gesamten Unternehmens oder eines Unternehmensteils beziehungsweise an den Einnahmen, die das Werk erzeugt. Im Grunde handelt es sich bei Provision und Honorar letztlich um eine Zielvereinbarung. Als Mittel, um Mitarbeiter zu motivieren, hat sie einen Haken. Welchen, verraten wir Ihnen in unserem Beitrag „Was sollten Sie bei Provisionen für Ihre Mitarbeiter beachten?“.

Über die besonderen Bedingungen für Provisionen bei der Beratung durch Banken informiert Sie unser Beitrag „Neue Regeln bei Finanzberatung durch die Bank“.

Wie wichtig Provisionszahlungen werden können im Zusammenhang mit der Würdigung von Betriebsausgaben durch das Finanzamt, lesen Sie in unserem „Empfängerbenennung bei Betriebsausgaben: Weshalb Sie daran denken sollten!“.

Besteht ein gesetzlichen Anspruch auf Tantieme?

Nein, einen solchen gibt es nicht. Es bedarf stets einer entsprechenden vertraglichen Vereinbarung. Besteht eine solche Absprache, kann sie nicht ausgesetzt werden. Eine vertragliche Klausel, die die Freiwilligkeit der Auszahlung von Tantiemen erlaubt, ist unzulässig.

Bei beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführern fließen Tantiemen bereits mit Feststellung des Jahresabschlusses zu, wenn im Geschäftsführer-Anstellungsvertrag keine abweichende, zivilrechtlich wirksame und drittvergleichstaugliche Vereinbarung getroffen wurde.

Wie behandelt die Steuer Tantiemen?

Gewinntantieme, sei es an Kulturschaffende oder an Sie als Gesellschafter in Ihrem Unternehmen oder Arbeitnehmer, gehören steuerlich zu den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit. Sie unterliegen deshalb der Lohnsteuer im Sinne vom Einkommenssteuergesetz (vgl. nur § 38 EStG).

Bei Umsatztantiemen, insbesondere an Sie als Geschäftsführer, der Sie auch Anteilseigner am Unternehmen sind, besteht die Gefahr einer verdeckten Gewinnausschüttung. Sie verkürzt missbräuchlich die Körperschaftssteuer im Sinne des Körperschaftssteuergesetzes (KStG]. Liegt eine also eine solche verdeckte Gewinnausschüttung vor, werden Ihre Einkünfte als Geschäftsführer als Einkünfte aus Kapitalvermögen behandelt.

Schließlich sind Tantiemen abziehbare Aufwendungen nach § 9 Nr. 1 KStG und werden bei Zahlung an den persönlich haftenden Gesellschafter einer Kommanditgesellschaf auf Aktien (KGaA) der Gewerbesteuer nach § 8 Nr. 4 GewStG hinzugerechnet.

Welche Bedeutung haben Tantiemen für Sie als GmbH-Geschäftsführer?

Sie können einen wesentlichen Teil Ihrer Gesamtvergütung darstellen. Ähnlich wie andere variable Gehaltsbestandteile bieten sie eine Möglichkeit für Ihr Unternehmen, Sie als Geschäftsführer an seinem Erfolg teilhaben zu lassen. Für Ihre GmbH sind die gewinnabhängigen Vergütungen eine abzugsfähige Betriebsausgabe. Sie schmälern ihren steuerlichen Gewinn. Bei Ihnen als Geschäftsführer versteuert Ihre GmbH das Basisgehalt in dem Jahr, für das sie dieses gezahlt hat.

Anders sieht es bei der Tantieme für Sie als beherrschender Gesellschafter-Geschäftsführer aus. Die versteuert Ihre GmbH in dem Jahr, in dem sie Ihnen als Empfänger zufließt. Maßgeblich hierfür ist nicht die Einzahlung auf Ihrem Bankkonto als Geschäftsführer, sondern grundsätzlich der Zeitpunkt der Feststellung des Jahresabschlusses, soweit im Geschäftsführer-Anstellungsvertrag keine andere Fälligkeit geregelt ist.

Eine einfache Ermächtigung zur freien Bestimmung der Fälligkeit reicht hierfür nicht aus.

Wie berechnen Sie beispielsweise eine angemessene Gewinntantieme?

Zunächst legen Sie für Ihren Geschäftsführer eine angemessene Gesamtvergütung fest, beispielsweise auf 400.000 Euro im Jahr. Insoweit vereinbaren Sie ein Festgehalt und eine Gewinntantieme von je 200.000 Euro vereinbart. Den durchschnittlich erzielbaren Jahresüberschuss vor Abzug der Tantieme und der ertragsabhängigen Steuern nehmen wir beispielsweise mit 1,5 Millionen Euro an.

Die angemessene Gewinntantieme beträgt dann zunächst 25 Prozent von 400.000 Euro, also 100.000 Euro. Der sich aus der Aufteilung ergebende absolute Betrag der angemessenen Tantieme ist in Beziehung zu dem durchschnittlich erzielbaren Jahresüberschuss vor Abzug der Tantieme und der ertragsabhängigen Steuern (in unserem Beispiel 1,5 Millionen Euro) zu setzen. Aus diesem Vergleich ergibt sich der angemessene Tantiemesatz durch folgende Rechnung:

100 000 Euro × 100 / 1,5 Mio. Euro = 6,6667 Prozent

Bis zum nächsten Zeitpunkt der Überprüfung der Angemessenheit der gezahlten Tantieme ist dieser angemessene Tantiemesatz maßgebend.

Was, wenn eine konkrete Vereinbarung fehlt?

Das ist ein Fallstrick: Wenn Sie als beherrschender Gesellschafter-Geschäftsführer steuerlich wirksame Zuflüsse verteilen wollen, kann es Ihnen passieren, dass Sie das nicht realisieren können, da auch bei den von Ihnen angestrebten Teilzahlungen die jeweils volle Tantieme als steuerpflichtiger Arbeitslohn zum Zeitpunkt der Feststellung des Jahresabschlusses gewertet wird.

So einer Gesellschafter-Geschäftsführerin geschehen in einem Fall, den der Bundesfinanzhof (BFH) entsprechend entschieden hat (Urteil vom 12.07.2021, Az.: VI-R-3/19). Der BFH bestätigt darin die bereits bestehende, ständige Rechtsprechung hierzu. In dem Fall war im Vertrag der beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführerin geregelt, dass der Anspruch auf Auszahlung der vereinbarten Tantieme erst nach gesonderter Aufforderung durch die Geschäftsführerin und bei ausreichender Liquidität fällig werden sollte. Durch die beherrschende Stellung als Geschäftsführerin und alleinige Gesellschafterin ihrer GmbH konnte sie jederzeit die Auszahlung der Tantieme durch eine einfache Aufforderung geltend machen.

Was bedeutet das für Ihre Praxis als beherrschender Gesellschafter-Geschäftsführer?

Grundsätzlich prüft die Finanzverwaltung Ihre Verträge als solcher mit ihren Gesellschaften besonders. Sämtliche Regelungen in diesen Vereinbarungen sollten daher:

  • eindeutig sein
  • angemessen sein
  • einem Drittvergleich standhalten.

Überprüfen Sie als GmbH ferner:

  • Höhe von Tantiemeansprüchen Ihres GmbH-Geschäftsführers,
  • Deren Voraussetzungen
  • das Verhältnis zwischen Tantieme und Grundgehalt
  • die Fälligkeit, sie sollte klar festgelegt sein, um Pflichtverletzungen z.B. im Lohnsteueranmeldeverfahren zu vermeiden.
  • Knüpfen Sie die Fälligkeit an konkrete Ereignisse wie etwa die Geschäftsentwicklung im Auszahlungsjahr zu einem definierten Zeitpunkt,
  • gegebenenfalls unterlegt durch die Bestätigung von einem fachkundigen Dritten.

Schließlich: Bedienen Sie als GmbH das Instrument „Tantieme“ zur Gestaltung der Gewinnbeteiligung Ihres beherrschenden Gesellschaft-Geschäftsführers mit Augenmaß! Im Wirtschaftsjahr, für das die Tantieme gewährt wird, verringert sich das steuerliche Ergebnis der Gesellschaft durch eine entsprechende Rückstellung. Bei Ihrem Geschäftsführer unterliegt die Tantieme im Folgejahr zum Zeitpunkt der Feststellung des Jahresabschlusses als Vergütungsbestandteil der Lohnbesteuerung.

Mit klaren Regelungen im Geschäftsführer-Anstellungsvertrag kann die Fälligkeit der Tantieme gesteuert werden. Allerdings sind hier, wie insgesamt bei der Vertragsgestaltung, Angemessenheit und Fremdvergleich zu beachten. Da es hierfür keine festen Regeln gibt. Sind diese Kriterien immer im Einzelfall zu beurteilen.

Es empfiehlt sich also, auch hierbei rechtzeitig fachlichen Rat einzuholen, bevor man sich ein steuerliches Eigentor schießt.

Autor*in: Franz Höllriegel