10.12.2020

Stilwechsel: Vom Management zum Leadership

Volatilität, Unsicherheit, Komplexität, Ambiguität. Sie kennzeichnen immer mehr das Umfeld, in dem Sie als Führungskraft Ihr Unternehmen heute – ja, was: steuern, managen, führen? Was sichert den Erfolg? Antwort kann Arbeit 4.0 bringen – und Sie vor neue Herausforderungen stellen.

Leadership

Was bringt Ihnen Arbeit 4.0 als Führungskraft?

Einen Blick auf Ihr Arbeitsumfeld von morgen und übermorgen. Und das will was heißen. Blick in die Zukunft war schon immer ein schwieriges Unterfangen. Er ist der menschlichen Natur nicht gegeben. Sie muss sich damit begnügen, sozusagen rückwärts durchs Leben zu fahren, beständig mit dem Blick nach vorn nur auf Sicht, vorwiegend in den Rückspiegel, allenfalls seitwärts. So ist auch die Zukunft von Unternehmen schon immer ungewiss und unkalkulierbar.

Für Sie als Führungskraft bedeutet das: immer neue Herausforderungen. Die gegenwärtige besteht darin, mit vielfältigen Veränderungsprozessen konfrontiert zu sein. Von diesen dürfte insbesondere die Digitalisierung große Auswirkungen auf Arbeit und Führung haben. Sie automatisiert Produktionsprozesse, bringt ganz neue Arbeitsformen hervor. Arbeiten 4.0 lässt zukünftige Perspektiven bestenfalls erahnen in Zusammenhang mit den Schwesterbegriffen der vierten industriellen Revolution und Industrie 4.0.

Einige der Veränderungen auf kurze Sicht durch Arbeiten 4.0 sind bereits heute erkennbar – nicht aber solche in zehn, 20 oder 30 Jahren:

  • Mensch und Maschine arbeiten stärker zusammen.
  • Das wirkt sich auf Art und Weise aus, wie und was produziert wird.
  • Die Gesellschaft wandelt sich.
  • Neue Produkte und Dienstleistungen entstehen.
  • Es stellen sich neue Ansprüche an die Arbeit.
  • Der technische Fortschritt verändert Tätigkeitsprofile.
  • Vollkommen neue Berufe und Arbeitsplätze tauchen auf und vergehen.

Die größten Veränderungen gehen von der Digitalisierung aus. Das erscheint ziemlich sicher – heute.

Was bedeutet das für die Anforderungen an die Führung Ihres Unternehmens?

Auch hier grundlegende Veränderungen der Voraussetzungen für den Unternehmenserfolg:

  • klassische Führungsstile: klare Vorgaben für die Mitarbeiter.
  • moderne Führungsansätze: Freiheiten und selbstständiges Handeln.
  • klassische Führungstheorien: Qualifikation und persönliche Eigenschaften von Ihnen als Vorgesetzten.
  • moderne Führungsansätze: breitere Perspektive auf
    • Bedeutung der Mitarbeiter
    • Interaktionsprozesse zwischen Mitarbeiter und Ihnen als Führungskräfte
    • organisationaler Kontext.

Was aber verändert Digitalisierung?

Gleich vielerlei:

  • Was und
  • wie produziert wird,
  • Art und Weise, wie in den Unternehmen gearbeitet und geführt wird.

Dieser Wandel erfordert:

  • agiles Vorgehen
  • positive Fehlerkultur
  • Lernen
  • Experimentieren

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Als Experten ihres Fachgebiets werden Ihre Mitarbeiter Ihnen als Vorgesetzten immer häufiger überlegen sein. Als Führungskräfte erkennen Sie daher an: Ihr Fachwissen allein reicht für eine gute Führungsleistung nicht mehr aus. Mit traditionellem Führungsverhalten der Kommandowirtschaft werden Sie die aktuellen Probleme in Ihrem Unternehmen nicht mehr lösen. Das ist dafür vollkommen ungeeignet. Was Sie als Führungskräfte des 21. Jahrhunderts benötigen, sind vielmehr Verhaltensweisen und Fähigkeiten, die früher dem charismatischen Führer zugeschrieben wurden: nicht Manager, Leader sein, lautet Ihre Devise.

Worin unterscheidet sich der Manager vom Leader?

In:

  • Ziel
  • Einstellung
  • Handlungsstrategie.

Manager

  • nehmen eine eher distanzierte Haltung zum Unternehmen und zu seinen Zielen ein,
  • bevorzugen bewährte Problemlösungsstrategien
  • sehen in ihren Kollegen und Mitarbeitern in erster Linie Funktionsträger.

Sie als ein Leader

  • haben demgegenüber Visionen
  • identifizieren sich mit anspruchsvollen Unternehmenszielen
  • übernehmen Risiken
  • bauen persönliche Beziehungen zu Ihren Mitarbeitern auf.

Hierdurch sind Sie als Leader eher in der Lage, Veränderungen voranzutreiben und bei Ihren Mitarbeitern Begeisterung hervorzurufen.

Für den namhaften Ökonom Peter Drucker ist maßgeblich, dass Sie als Leader Anhänger haben – z.B. wie Jesus Christus Jünger. Dabei müssen Sie als Leader nicht unbedingt beliebt sein, einen hohen Rang oder Titel haben. Ihr Handeln ist entscheidend: es bringt Resultate hervor, Sie zeichnen sich durch Verantwortung aus.

Ist ein Leader ein Führer?

Führer ist seit der Zeit des Nationalsozialismus‘ vorbelastet. Viele Menschen verbinden damit Kadavergehorsam, der so gar nicht zum Bild des mündigen Mitarbeiters passen will.

John P. Kotter, Professor für Führungsmanagement an der Harvard Business School, versteht unter Leadership ein Verhalten, das Menschen Zukunftsvisionen zeigt und sie dazu inspiriert, diese entgegen aller möglichen Widerstände zu verfolgen. Dabei geht es weniger um das Erreichen von Jahreszielen, sondern um positiv besetzte Visionen, die über rein finanzielle Aspekte hinaus Bestand haben.

Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt kann in diesem Sinne als ein Leader im besten Wortsinn gelten, obwohl gerade er von Visionären nicht viel zu halten schien: Wer Visionen habe, solle sich in psychiatrische Behandlung geben, so ein vielfach ihm nachgesagtes Bonmot.

Allgemein formuliert versteht man Leadership als die praktische Fähigkeit, andere Menschen, Teams oder Organisationen zu leiten oder zu führen. Dabei geht es nicht nur um die klassische Richtungsvorgabe, sondern es geht um ein Zusammenspiel aus:

  • Werten
  • Charaktereigenschaften
  • situatives Verhalten
  • Visionen
  • Charisma

Sie als Leader vermitteln all dies Ihren Mitarbeitern. Eine kommunikationsstarke Persönlichkeit ist nicht Voraussetzung, Rhetorik allein reicht allerdings nicht. Als Leader füllen Sie die von Ihnen vorgetragenen Visionen mit Werten und Überzeugungen. Sie leben sie durch das eigene Handeln vor. Als ein Leader setzen Sie auf einen transformationalen Führungsstil.

Transformationaler Führungsstil: was bedeutet das?

Dieser setzt voraus, dass Sie sich als Führungskraft in Ihrem Unternehmen für Ihre Mitarbeiter interessieren, ihnen Aufmerksamkeit schenken und sie durch Ratschläge unterstützen. Ziel der transformationalen Führung ist es, zusammen mit den Mitarbeitern eine gemeinsame Zukunftsvision für Ihr Unternehmen zu entwickeln. Ihre Mitarbeiter sollen sich aber nicht nur aktiv an der Umsetzung Ihrer Vision beteiligen, sondern auch ihre Denkweisen, Bedürfnisse und Ansichten danach ausrichten. Tatsächlich sollte es Ihr Ziel als Führungskraft sein, Ihre Mitarbeiter in jeglicher Hinsicht:

  • zu unterstützen,
  • zu fördern,
  • zu fordern und
  • zu inspirieren.

Dies kann Ihnen nur gelingen, wenn zwischen Ihnen als Vorgesetzten und Ihren Mitarbeitern eine starke emotionale Bindung besteht.

Welche Aufgaben bringt dies konkret für Sie als Leader mit sich?

In seiner Studie beschreibt das Beratungsunternehmen Capgemini sechs zentrale Aufgabenfelder für Sie als Leader in Ihrem Unternehmen:

  1. Befürwortung von Transformationsprozessen: Als Leader initiieren Sie notwendige Veränderungen. Ihrer Funktion als Leader werden Sie gerecht, indem Sie Ihre Mitarbeiter für notwendige Veränderungen begeistern.
  2. Arbeit in einem virtuellen Umfeld: Sie wird angetrieben von der zunehmenden Digitalisierung und der aktuellen Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Ihre Mitarbeiter wünschen sich weiterhin ein konstruktives Feedback von Ihnen als Vorgesetzten. Als Leader erkennen Sie die Leistung Ihrer Mitarbeiter an. Bringen Sie dies zum Ausdruck!
  3. Neue Formen der Zusammenarbeit dank neuen Technologien: Als Leader nehmen Sie eine Vorbildfunktion ein, indem sie die neuen Angebote nutzen und die Beachtung geltender Regeln (z. B. Datenschutzvorschriften, Kommunikationsregeln etc.) überwachen. Ferner ermuntern Sie Ihre Mitarbeiter, neue Instrumente auszuprobieren und die Vorteile neuer Arbeitsformen zu erkennen.
  4. kontinuierliche Weiterentwicklung Ihrer Mitarbeiter vor dem Hintergrund kurzer Innovationszyklen und der zunehmenden Komplexität des Arbeitsumfelds: Als Leader setzen Sie sich dafür ein, dass sich Ihre Mitarbeiter das erforderliche Wissen aneignen können.
  5. Auswirkungen von Entscheidungen: Führungskräfte können diese in einem komplexen Umfeld zunehmend schwerer in Gänze einschätzen. Als Leader:
    • vertrauen Sie daher auf das Expertenwissen Ihrer Mitarbeiter,
    • binden sie in Entscheidungsprozesse mit ein und
    • verteilen die Verantwortung so auf mehrere Schultern.

Als Leader vertrauen Sie nicht nur auf das Wissen Ihrer Mitarbeiter, sondern geben ihnen auch Orientierung. Sie richten Ihr Handeln an den Leitlinien des Unternehmens aus und unterstützen das Erreichen der visionären Unternehmensziele – für alle sichtbar; denn darauf kommt es an: Tue Gutes und rede drüber.

Autor: Franz Höllriegel