03.04.2018

Steuerzahlen künftig eine „lustvolle Angelegenheit“?

Auch in Baden-Württemberg wohl noch eher in weiterer Ferne. Aber Papierkram abbauen, Bürokratie verschlanken – daran arbeitet man im Ländle. Helfen soll Digitalisierung. Am Finanzamt Offenburg wird das „Finanzamt der Zukunft“ erprobt.

Digitale Innovationen

„FiZ“ am Gründonnerstag gestartet

Vier Jahre lang soll das Offenburger Finanzamt für die 65 Ämter im Land das „Finanzamt der Zukunft“ (FiZ) erproben. Mit bürgernäherem Service und besserer Nutzung der Digitalisierung. Die von Klaus-Thomas Teufel geleitete Behörde hat 511 Beschäftigte. Laut einem Bericht der „Badischen Zeitung“ setzte sie sich in einem Wettbewerb zusammen mit vier anderen Ämtern für das Pilotprojekt durch. Finanzministerin Edith Sitzmann gab am Gründonnerstag den Startschuss in Offenburg. Erprobt werden sollen Innovationen moderner Verwaltung – vom digitalen Bürgerservice bis zur optimierten Kommunikation mit Unternehmen und Steuerberatern.

Ungeliebte Steuerlast

Rund 3,26 Milliarden Euro an Steuern hat das Finanzamt Offenburg im vergangenen Jahr dem Zeitungsbericht zufolge eingenommen. Das Geld wird zur Finanzierung des Gemeinwesens dringend benötigt, machte Sitzmann beim offiziellen Auftakt für das „FiZ“ in Offenburg mit einem Vergleich deutlich. Allein für die öffentlichen weiterführenden Schulen nach der Grundschule gibt das Land 3,5 Milliarden Euro aus.

Steuerzahlen künftig eine lustvolle Angelegenheit?

Auch wenn oft von „Steuerlast“ gesprochen werde, vieles wäre im Land ohne solide Steuereinnahmen nicht finanzierbar. „Es wäre zwar vermessen zu sagen, dass wir das Steuerzahlen zu einer lustvollen Angelegenheit machen wollen, aber wir arbeiten dran“, verspricht die Ministerin.

Finanzamt Offenburg „besonders innovativ“

Offenburg als Testlabor: Was sich bewährt, soll auf alle 65 Finanzämter im Land übertragen werden. Ausgewählt wurde das Finanzamt, weil es laut Sitzmann „besonders innovativ“ ist. Für den Zusatzaufwand als „FiZ“ gibt es in Offenburg drei zusätzliche Stellen. Und projektbezogenes Geld aus einem zunächst mit 3,6 Millionen Euro gefüllten Fördertopf. Dafür wird man die Zukunft moderner Finanzverwaltung mit verbessertem Service für Bürger, Unternehmen und Steuerberater erproben.

Jetzt mit WLAN

Seit einer Woche gibt es WLAN im Finanzamt Offenburg. Steuerpflichtige können sich unter Anleitung den Umgang mit der Elektronischen Steuererklärung „Elster“ erklären und das Programm gleich aufs Laptop laden lassen. Hemmschwellen wolle man abbauen, den Einstieg erleichtern. Fortschritte soll es insbesondere geben bei:

  • Kommunikation,
  • Terminvergabe,
  • Rückrufsystem.

Abläufe im Amt verschlanken

Videokonferenzen sollen Unternehmern den Weg zur Behörde ersparen. Selbst die Abläufe im Amt mit seinen mehr als 100.000 Steuerfällen pro Jahr sollen schlanker werden. Die Mitarbeiter sollen sich weniger mit einfachen Erklärungen beschäftigen müssen, sondern mehr Zeit für komplexere Steuerfälle haben. Oberstes Ziel sei es deshalb, noch mehr Steuerzahler für die Nutzung von Elster zu gewinnen. Sitzmann: „Im Idealfall soll alles elektronisch laufen.“

Derzeit nur 49 Prozent via Online-Finanzamt

Derzeit nutzen rund 86 Prozent der Steuerpflichtigen mit Steuerberater das Online-Finanzamt, bei den unberatenen sind es in Offenburg nur 51,7 Prozent, im Landesschnitt gar nur 49. „Hier wollen wir ansetzen und die Bearbeitung noch effizienter gestalten“, sagt Andrea Heck, Präsidentin der Oberfinanzdirektion Karlsruhe.

Jährlich vier Millionen Steuerfälle in Ba-Wü

Nach ihren Angaben bearbeiten die baden-württembergischen Finanzämter vier Millionen Einkommensteuer– und Arbeitnehmerfälle. Jährlich würden es 1,5 Prozent mehr. Das Steuerrecht werde immer komplizierter. Jedes Jahr sei ein Kraftakt zu bewältigen, eine Bugwelle unbearbeiteter Vorgänge könne man sich nicht leisten, diese wieder abzubauen wäre extrem schwierig.

Wer übermittelt was bei atypisch stiller Gesellschaft?

Oft liegt die zögerliche Haltung von GmbHs zur elektronischen Übermittlung etwa von Gewinn– und Verlustrechnungen aber auch daran, dass nicht klar ist, wer was zu übermitteln hat. So berichtetGmbH-Brief AKTUELL“ (05/2018) über die Nutzung der atypisch stillen Gesellschaft durch viele GmbHs als Steuerspar- oder Beteiligungsmodell und die bestehende Unklarheit im Zeitalter der Digitalisierung. Der Beratungsbrief für Steuervorteile erklärt, wie es funktioniert und zitiert dazu aus einem neuen Schreiben des Bundesfinanzministeriums. Dabei erklärt der Bericht zum Beispiel, was es mit der ominösen „E-Bilanz“ auf sich hat.

 

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Autor: Franz Höllriegel