18.09.2019

Steuerprüfung 2019: Worauf sollten Geschäftsführer einer GmbH im Vorfeld achten?

Steuer paradox: das Finanzamt muss das Steuergeheimnis wahren. Aber selbst geht es mit einem Geheimnis freizügig um: das Geheimnis, was der Steuerprüfer besonders in Augenschein nehmen wird. Die OFD NRW legt die Karten der Prüfungsschwerpunkte jedes Jahr offen. Nutzen Sie diese Infos!

Prüffelder 2019

Die Finanzverwaltung legt ihre Karten auf den Tisch?

Ja, das es ist richtig: die Oberfinanzdirektion (OFD) NRW bleibt ihrer Tradition treu. Auch für 2019 hat die Finanzverwaltung die Prüffelder veröffentlicht.

Können Sie als steuerpflichtiger GmbH-Geschäftsführer das nutzen?

Ja, und Sie sollten es sogar. So erfahren Sie aus erster Hand, worauf Ihr Sachbearbeiter bei der Bearbeitung Ihrer Steuererklärung diesmal besonders achtet, welche Schwerpunkte den Prüfer interessieren und wann Sie mit Nachfragen rechnen können.

Wo können Sie die Prüfpunkte einsehen?

Im Internet. Dort hat die Direktion für sämtliche Finanzämter in Nordrhein-Westfalen die Prüfgebiete für jeden ersichtlich offengelegt.

Nur in Nordrhein-Westfalen?

Ja, andere Bundesländer halten sich dagegen eher bedeckt und geben zu den jeweiligen Prüffeldern nur auf Nachfrage Auskunft – oder eben nicht. Aber das ist auch nicht so wichtig: Es hat sich nämlich gezeigt, dass die im größten Bundesland gesetzten Schwerpunkte auch im übrigen Bundesgebiet im Blickpunkt stehen.

Was interessiert die Finanzverwaltung am meisten?

In diesem Jahr stehen zwei neue Prüfthemen im Mittelpunkt, die jedes Finanzamt durchleuchten muss, ob es will oder nicht:

  1. Wille Einkunft zu erzielen oder Liebhaberei: Ihr Unternehmen läuft auf Sparflamme, die Einnahmen lassen zu wünschen übrig? Vielleicht übersteigen sogar Ihre Aufwendungen die Erlöse? Dann vermutet der Fiskus Liebhaberei und unterstellt schnell, dass Sie Ihr Hobby steuermindernd geltend machen und das Finanzamt an den Ausgaben beteiligen möchten. „Wer über Jahre immer nur Verluste steuermindernd geltend macht, muss beweisen, dass er ernsthaft versucht, Gewinne zu erzielen“, sagte Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler (BdSt) dem „Handelsblatt“. Insbesondere wenn Ihre Einnahmen über einen längeren Zeitraum bescheiden bleiben, sollten Sie sich auf unbequeme Nachfragen einstellen. Faustformel: Drei magere Jahre hintereinander rufen das Amt auf den Plan und es will Ihre Gewinnerzielungsabsicht belegt sehen.
  2. Verlustabzug bei Körperschaften (§ 8c KStG): Wer mehr als ein Prozent an einer Kapitalgesellschaft besitzt und diesen Anteil verkauft, muss den Gewinn als Einnahmen aus einem Gewerbebetrieb mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern. Bei Einnahmen aus Kapitalvermögen fallen dagegen nur 25 Prozent Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer an. Weil es in beiden Punkten häufig um sehr viel Geld geht, ist hier auch das Interesse der Finanzämter besonders ausgeprägt. Hier überprüft sie, ob eine steuerschädliche Übertragung von Kapital oder Beteiligungen an einer GmbH vorliegen, die sogenannte 50-Prozent-Regelung. Hierbei können Sie als steuerpflichtiges Unternehmen vorhandene, nicht genutzte Verluste unter bestimmten Voraussetzungen nicht mehr abziehen. Dazu fordert der Sachbearbeiter regelmäßig die Vertragsunterlagen an.

… und was noch?

Bei den zusätzlichen dezentralen Prüffeldern entscheidet jedes Finanzamt selbst, welche Schwerpunkte vor Ort im Mittelpunkt stehen. In der veröffentlichten Auflistung der OFD NRW befinden sich diese Schwerpunkte:

  • Geschäftsführer/Arbeitnehmer:
    • Entfernungspauschale: Überprüfung der angesetzten Kilometer zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte,
    • doppelte Haushaltsführung: Nachweise zu geltend gemachten Aufwendungen,
    • hohe andere Werbungskosten.
  • Unternehmer: Veranlagung im ersten Jahr nach einer Betriebsprüfung. Der Prüfer fragt Sie, ob Sie sämtliche bei der Betriebsprüfung festgestellten Änderungen auch im Folgejahr beachtet und übernommen haben.
    • Vermietung und Verpachtung: Instandhaltungen im ersten Jahr der Vermietung. Handelt es sich tatsächlich um Reparaturen oder doch um Anschaffungskosten?
    • Vermögensübertragungen unter Angehörigen: Verträge, tatsächliche Durchführung, Fremdüblichkeit, Mietnebenkosten, haben Sie die Umlagen steuerlich berücksichtigt?
  • Sonderausgaben: Beiträge zu berufsständischen Versorgungseinrichtungen.
    • Handelt es sich um absetzbare Altersvorsorgebeiträge?
    • Kirchensteuer auf Abgeltungsteuer: haben Sie bei Kirchensteuerpflicht von den Zinseinnahmen auch Kirchensteuer entrichtet?
  • Außergewöhnliche Belastungen: Heimkostenübernahme durch Angehörige
    • Einzelnachweise: Rechnungen, Kontoauszüge,
    • Unterstützungsleistungen ins Ausland: Nachweise, Kontoauszüge.

Sie sind von einem Prüfgebiet betroffen – wie reagieren Sie richtig?

Ich sag‘ nur eins: Belegvorhaltepflicht. Sie gilt im Steuerrecht seit zwei Jahren. Das bedeutet: Sie brauchen keine Belege mehr zu Ihrer Steuererklärung dazuzulegen, aber diese für etwaige Nachfragen des Finanzamts aufbewahren, das müssen Sie:

  • Sie kennen die Prüffelder Ihres Finanzamts und Ihre Einkommensteuer-Erklärung betrifft entsprechende Sachverhalte? Stellen Sie die dazugehörigen Unterlagen und Aufzeichnungen vor Abgabe der Erklärung zusammen! Überprüfen Sie die Vollständigkeit und die Umsetzung!
  • Stimmen die vertragliche Vereinbarung und die tatsächliche Durchführung überein?
  • Sind alle Daten aktuell?
  • Gab es Anpassungen, sind diese dokumentiert?

Änderungen in der Steuererklärung sorgen grundsätzlich für ein erhöhtes Interesse. Vor allem dann, wenn diese die Steuerlast senken. Bei außergewöhnlichen Ereignissen leuchtet das ein – wenn also zum Beispiel ein Betrieb verkauft wurde. Sind Sie von einem aktuellen Prüffeld betroffen, reichen Sie die entsprechenden Belege gleich mit. Und bevor alle Stricke reißen: Wenn Sie nicht mehr weiter wissen, sprechen Sie Ihren Steuerberater darauf an! Er hilft Ihnen weiter – egal ob Sie in einem Bundesland mit Prüfoffenlegung leben oder nicht.

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Autor: Franz Höllriegel