News | Steuern
18.01.2016

Steuerliche Vergünstigung privater Investitionen gefordert

Studie von ifo und VDMA sowie DIHK.

Je teurer benötigtes Geld ist, desto weniger wollen Unternehmen investieren. Vor allem notwendige Erweiterungen leiden darunter. Wohl dem, der hier auf Eigenkapital zurückgreifen kann. Sollte man meinen. Doch da macht wieder einmal das Finanzamt einen Strich durch die Rechnung. Und der EU-Binnenmarkt behindert ebenfalls deutsche Investitionen.

© Rido /​ fotolia.com

Crux Steuerregeln

München. 18. Januar 2016 – Eine Crux liegt in den Steuerregeln in Deutschland, eine andere im EU-Binnenmarkt. So, wie die Steuern derzeit geregelt sind, benachteiligen sie die Finanzierung von Investitionen mit Eigenkapital. Private Investitionen hängen aber entscheidend von der Umsatz-Entwicklung eines Unternehmens und dessen Kapitalkosten ab. Das hat eine vor dem Wochenende vorgelegte Studie des ifo Instituts für die Impuls-Stiftung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) ergeben. Untersucht wurden über 2400 einzelne Beobachtungen bei rund 500 Unternehmen in den Jahren 1994 bis 2012.

Steigender Umsatz, steigende Kapitalkosten

„Steigender Umsatz weist einen deutlich positiven Effekt auf die Investitionen aus; dagegen beeinflussen steigende Kapitalkosten die Investitionstätigkeit erkennbar negativ“, sagt ifo-Projektleiter Prof. Dr. Niklas Potrafke. Vor allem bremsten Kapitalkosten die Erweiterungsinvestitionen. Potrafke zufolge sind die bestehenden Steuerregeln aber leider nicht investitionsneutral. So seien Unternehmen benachteiligt, die Investitionen mit Eigenkapital finanzieren.

Junge und innovative Unternehmen mit hohem Risiko

Dies sei vor allem für Firmen bedeutsam, deren Fremdfinanzierungsmöglichkeiten beschränkt seien. Zu dieser Kategorie zählen die Forscher vor allem junge und innovative Unternehmen mit hohem Risiko. „Daher sollte eine steuerliche Abzugsfähigkeit von Zinsen auf frisches Eigenkapital eingeführt werden“, fordert Potrafke. Das verbessere die dringend benötigten Investitionsanreize. Altes Eigenkapital in Unternehmen hingegen sollte nicht steuerlich begünstigt werden.

Ersatzbeschaffungsinvestitionen weniger betroffen

Zudem investieren der Studie zufolge Unternehmen in Zeiten guter Finanzierungslage mehr, bei schlechter Finanzierung weniger. Rationalisierungs- und Ersatzbeschaffungsinvestitionen seien eher nicht von den Kapitalkosten beeinflusst.

Probleme im EU-Binnenmarkt

Überhaupt stehen im europäischen Binnenmarkt deutsche Unternehmen bei Investitionen vor gravierenden Problemen. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).  Wie DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier dem „Handelsblatt“ berichtet, beschweren sich bei den AHKn immer mehr Betriebe über Diskriminierungen, etwa bei der Vergabe öffentlicher Aufträge oder bei der Genehmigung von Erweiterungsbauten. Auch würden zahlreiche bürokratische Hürden moniert, „die gerade für Mittelständler mehr als lästig sind“, so Treier.

Zu viele Hindernisse

Insgesamt gebe es noch zu viele Hindernisse, die Unternehmen überwinden müssen, wenn sie in Mitgliedstaaten der EU investieren wollen. Das gelte insbesondere für die EU-Länder in Osteuropa, aber auch für direkte Nachbarn.©

 

Autor: Franz Höllriegel
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