10.05.2021

So rechnen Schwesterkapitalgesellschaften korrekt untereinander ab!

Auf einem Bein steht’s sich schlecht. Sie als kluger Unternehmer wissen das. Deswegen haben Sie nicht nur ein Unternehmen. Gründen Sie so viele Sie wollen – achten Sie aber darauf, ordentlich untereinander abzurechnen. Sie wissen ja: Schnaps ist Schnaps und Bier ist Bier.

Schwesterkapitalgesellschaften

Wieso machen manche Unternehmer das: sind in mehr als einem Bereich wirtschaftlich tätig?

Um mögliche Risiken abzufedern. Dafür gründen Unternehmen häufig mehrere rechtlich selbstständige Kapitalgesellschaften. Das geht bisweilen so weit, dass sogar kleine oder mittelständische Unternehmen Firmengruppen überwiegend aus Kapitalgesellschaften bilden.

Was hat es mit dem Schnaps und dem Bier auf sich?

Dass Sie als Mehrfachunternehmer dringend darauf achten, nicht Nutzungsüberlassungen oder Dienstleistungen der einen mit denen einer ihrer anderen Unternehmung zu vermischen – so wie Sie möglichst an einem Abend nicht Bier und Schnaps durcheinander trinken sollten, wenn Sie am nächsten Tag nicht einen gewaltigen Kater haben wollen.

Sie müssen als familiär oder durch gesellschaftsrechtliche Beziehungen nahestehende Personen sich bei der Gestaltung ihrer Geschäfte miteinander fremdüblich, das heißt so verhalten, wie es Personen täten, die einander fremd sind, also fremde Dritte. Sie müssen dementsprechend die zwischen Ihren Gesellschaften erbrachten Leistungen so abrechnen, wie Sie mit einem fremden Dienstleister abrechnen würden. Tun Sie als Unternehmen das nicht, droht Ihnen Ärger mit dem Fiskus.

Das mit Bier und Schnaps ist manchmal nicht so leicht – wie sieht das mit den fremdüblichen Leistungen aus?

Manchmal nicht viel anders. Zum Beispiel, wenn eine Schwesterkapitalgesellschaft Leistungen unentgeltlich oder verbilligt erbringt, also nicht fremdüblich. Ist daran Ihre Kapitalgesellschaft als Muttergesellschaft beteiligt, ergeben sich regelmäßig nur geringe steuerliche Auswirkungen.

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Erbringt Ihre Kapitalgesellschaft an Ihre Schwesterkapitalgesellschaft solche Leistungen, erhält die Letztere einen Vorteil und damit bis zur Höhe des gewährten Vorteils eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA). Das hat zwar zur Folge, dass es auf Gesellschafterebene zum Zufluss eines Beteiligungsertrags kommt. Allerdings wird dieser Betrag nach Auffassung des Bundesfinanzhofs für Zwecke der Beteiligung an der den Vorteil empfangenden Gesellschaft verbraucht (BFH, Beschluss vom 26.10.1987, Az.: GrS 2/86). Der Vorteilsverbrauch stellt steuerlich einen Aufwand dar.

Macht der Fiskus dabei einen Unterschied in Bezug auf die beteiligte Kapitalgesellschaft?

Ja:

  • Handelt es sich bei der gemeinsamen Gesellschafterin der beteiligten Kapitalgesellschaften ebenfalls um eine Kapitalgesellschaft, kann diese den Aufwand in voller Höhe einkommensmindernd geltend machen.
  • Handelt es sich um eine natürliche Person als Gesellschafter, sieht die Sache anders aus. Hier sind drei Fälle denkbar.
    1. Als Gesellschafter halten Sie die Gesellschaftsanteile in Ihrem Privatvermögen und erbringen unentgeltliche oder verbilligte Leistungen: die vGA gelten als zusätzliche Einnahme der vorteilsempfangenden Gesellschaft. Zwar haben Sie als Gesellschafter die vGA für Zwecke der Beteiligung an der den Vorteil empfangenden Gesellschaft verbraucht. Allerdings können Sie als Gesellschafter den Vorteilsverbrauch aufgrund des Werbungskostenabzugsverbots nach § 20 Abs. 9 Einkommensteuergesetz (EStG) steuerlich nicht berücksichtigen lassen. Das ergibt für Sie als Gesellschafter insgesamt eine erhebliche Steuermehrbelastung. Dagegen hätten sich bei einer fremdüblichen Abrechnung der unentgeltlichen oder verbilligten Leistungen Aufwand und Ertrag grundsätzlich gesellschaftsübergreifend ausgeglichen.
    2. Als Gesellschafter optieren Sie bei Ihrer Einkommensteuererklärung für tarifliche Besteuerung nach § 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG: Sie erleiden keinen Verlust des Werbungskostenabzugs trotz unentgeltlicher oder verbilligter Leistungen an eine GmbH. Sie als Gesellschafter stellen hier spätestens mit Abgabe der Einkommensteuererklärung für den jeweiligen Veranlagungszeitraum einen entsprechenden Antrag hinsichtlich Ihrer Beteiligung an der vorteilsempfangenden GmbH. Die Ausschüttungen dieser GmbH unterliegen bei tariflicher Besteuerung allerdings dem Teileinkünfteverfahren. Deswegen erfolgt der Werbungskostenabzug nur anteilig. Das kommt Sie als Gesellschafter aber wesentlich steuergünstiger als eine Versagung des Werbungskostenabzugs – wobei eine fremdübliche Abrechnung der Leistungen an die GmbH noch günstiger wäre. Diese Option können Sie nicht nachholen. Daher sollten Sie sie in ähnlichen Fällen rein vorsorglich wählen, und zwar für jede Beteiligung gesondert.
    3. Als Gesellschafter halten Sie die Beteiligung im Betriebsvermögen und Sie wahren nicht die Fremdüblichkeit: es ergeben sich dieselben steuerlichen Belastungen wie im Fall 2.

Können sich Auswirkungen neben der Ertrags- auch für Ihre Umsatzsteuer ergeben?

Ja, wenn auch nicht für gewährte Darlehen, so doch für unentgeltlich erbrachte Dienstleistungen wie etwa Buchhaltungs- oder Verwaltungsarbeiten zwischen Ihren Gesellschaften. Solche für unternehmensfremde Zwecke erbrachte Leistungen unterliegen nach § 3 Abs. 9a Nr. 2 Umsatzsteuergesetz (UStG) der Umsatzsteuer. Die Finanzverwaltung hält einen Vorsteuerabzug der auf diese unentgeltliche Wertabgabe entstandenen Umsatzsteuer beim Leistungsempfänger grundsätzlich für nicht zulässig.

Wie steht der Fiskus zu einer Gewinnverteilung?

Die in Ihrem Gesellschaftsvertrag festgelegte Gewinnverteilung hat im Steuerrecht Vorrang. Über Ausnahmen von diesem Grundsatz informiert Sie unser Beitrag „Gewinnverteilungsabrede bei einer atypisch stillen Gesellschaft: Was sagt das Finanzamt?“. Übrigens: das mit der vGA sollten Sie auch sonst nicht auf die leichte Schulter nehmen, wie Sie unserem Beitrag „vGA oder Gehalt? Ungenehmigte private Nutzung durch Geschäftsführer“ entnehmen können. Schließlich noch etwas zur Familien-GmbH: sie bietet Vorteile, aber das Vermögen wird vom geschäftlichen Engagement und Wissen losgekoppelt. Mehr dazu in dem Beitrag „Familien-GmbH“.

Autor: Franz Höllriegel