22.01.2019

So nutzen Sie als Unternehmer die Differenzbesteuerung im Wiederverkauf

Der Staat ist trickreich. So missbraucht er Unternehmen als Steuereintreiber: über die Vorsteuer. Mit einer Ausnahme: wenn eine Differenz zwischen An- und Verkauf besteht. Aber diese ist mit einem wahren Verhau von Einschränkungen gespickt. Hier die wichtigsten.

Differenzbesteuerung bei Wiederverkauf

Sie sind vorsteuerabzugsberechtigt – ist das gut oder schlecht?

Etwas von beidem. Die Chuzpe liegt in der Bezeichnung. Vorsteuerabzugsberechtigt heißt es so schön im Finanzamtsdeutsch. Vorsteuereintreibungspflichtig würde es vielleicht besser treffen. Das sind Unternehmen nämlich für jedes kleine bisschen, für das sie einem Kunden eine Rechnung ausstellen, genauer: für jedes Entgelt, das dieser aufwendet, um von einem Unternehmen die eingekaufte Leistung oder Ware zu bekommen.

Gilt das Entgeltprinzip im gesamten Umsatzsteuerrecht?

Nicht ganz. Es gibt eine große Ausnahme von diesem Grundprinzip der Steuererhebung, die sogenannte Differenzbesteuerung. Wenn Sie Wiederverkäufer sind, dann sollten Sie jetzt genau aufpassen, vielleicht können Sie bei der Umsatzsteuer etwas sparen.

Was heißt Differenzbesteuerung?

Wie der Name bereits vermuten lässt, besteuert der Fiskus hier eine Differenz. Gesetzlich geregelt wird die Differenzbesteuerung in § 25a Umsatzsteuergesetz (UStG). Welche Differenz ist das? Zunächst muss man wissen, was Normalbesteuerung ist. Hier zieht das Finanzamt das volle Nettoentgelt als Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer heran.

Normalbesteuerung – ein Beispiel

Nehmen wir zum Beispiel an, ein Unternehmen ist im Fahrzeughandel tätig. Es kauft vom Hersteller ein Neufahrzeug für netto 10.000 Euro. Dann zahlt es an den Lieferanten 10.000 Euro plus 19 Prozent Vorsteuer, 1.900 Euro, die der Hersteller bei ihm aufschlägt, also für das Finanzamt einnimmt und an es weiterleitet.

Anders bei der Differenzbesteuerung. Hierfür zieht das Finanzamt lediglich den Unterschiedsbetrag zwischen Ankaufs- und Verkaufswert, ohne Umsatzsteuer, als Bemessungsgrundlage heran.

Differenzbesteuerung – ein Beispiel

Das Unternehmen kauft diesmal ein Gebrauchtfahrzeug für 10.000 Euro, aber nicht von einem Herstellerunternehmen, sondern von einem Privatkunden. Das Fahrzeug wurde nur für private Zwecke genutzt. Trotz intensiver Bemühungen kann unser Unternehmen dieses Fahrzeug jedoch nur noch für 9.000 Euro veräußern. Der Unterschiedsbetrag ist negativ, also ein Verlust.

Die Differenz zwischen (Wieder-)Verkaufspreis (9.000 Euro) und Ankaufspreis (10.000 Euro) beträgt minus 1.000 Euro.

Theoretisch könnte man meinen, dass der Händler jetzt noch Geld in Form einer Negativsteuer vom Finanzamt herausbekäme. Doch dem ist leider nicht so, s. oben: der Staat ist trickreich. Da der Unterschiedsbetrag negativ ist, fällt keine Umsatzsteuer an.

Mithin bleibt die Bemessungsgrundlage 0 Euro und führt nicht zu einer Negativsteuer.

Hätte unser Kfz-Händler das Fahrzeug für 11.000 Euro weiterverkaufen können, also mit einem Gewinn von 1.000 Euro, wäre eine Umsatzsteuer in Höhe von 159,66 Euro entstanden (11.000 Euro – 10.000 Euro = 1.000 Euro : 119 x 19 = 159,66 Euro).

Wem nutzt diese Besteuerungsform?

Wie man schon vermuten kann, nicht jedem. Sie wendet sich nur an bestimmte Unternehmer. Wenn Ihr Unternehmen ein „Wiederverkäufer“ nach Umsatzsteuerrecht ist, könnte es zu dem erlauchten Kreis der möglichen Nutznießer der Differenzbesteuerung gehören.

Was sind Wiederverkäufer?

Darunter versteht das Finanzamt Unternehmen, die üblicherweise Gebrauchtgegenstände erwerben und sie danach wieder veräußern, also z.B.:

  • Autohändler,
  • Kunsthändler,
  • Versteigerer etc..

Dabei muss der An- und Verkauf von gebrauchten Gegenständen nicht einmal Hauptzweck Ihres Unternehmens sein. Aber es sollte eine gewisse Nachhaltigkeit aufweisen.

Ist Nachhaltigkeit die einzige Stolperfalle, die zu beachten wäre?

Nein, es gibt noch eine Reihe weiterer Bedingungen. Eine wesentliche Voraussetzung ist, dass der Verkäufer des gebrauchten Gegenstandes für die Lieferung keine Umsatzsteuer abführen muss, die Sie als Wiederverkäufer gegenüber dem Finanzamt als Vorsteuer geltend machen könnten. Sie als Wiederverkäufer dürfen also keinen Vorsteueranspruch aus dem Kauf des gebrauchten Gegenstands gegenüber dem Finanzamt haben. Dies wäre hauptsächlich dann der Fall, wenn Sie als Wiederverkäufer den Gegenstand erworben haben von:

  • einer Privatperson,
  • Ihrerseits von einem Wiederverkäufer mit Differenzbesteuerung,
  • einem Unternehmer außerhalb seiner unternehmerischen Tätigkeit, also z.B. im Privatbereich,
  • von einem Kleinunternehmer oder
  • der Verkauf des Gegenstands beim Verkäufer einer Steuerbefreiung unterliegt, welche einen Vorsteuerabzug ausschließt oder von einer juristischen Person des öffentlichen Rechts aus dem hoheitlichen Bereich (z.B. Kommune) erfolgt.

Stellt die Differenzbesteuerung auch Bedingungen an die Gegenstände?

Ja, Sie können sie nur anwenden bei beweglichen, körperlichen Gegenständen. Auch darf für sei kein Vorsteuerabzug vorgenommen worden sein. Ausnahme: Edelsteine (Zolltarif Pos. 7102, 7103) und Edelmetalle (Zolltarif Pos. 7106, 7108, 7110 und 7112), nicht aber Gegenstände, die lediglich aus Edelsteinen oder Edelmetallen hergestellt wurden.

Empfehlung der Redaktion

Sie interessieren sich für das Thema GmbH/Geschäftsführung?

Dann sind sie hier genau richtig…
Unser Beratungsbrief „GmbH-Brief AKTUELL“ informiert Sie monatlich rechtsicher über alle aktuellen Neuerungen in Sachen Steuerrecht und Geschäftsführung. Praxisnah mit konkreten Arbeitshilfen und Handlungsempfehlungen! Nehmen Sie an regelmäßigen Online-Seminaren teil und nutzen Sie den Kontakt zu unseren Experten im Seminar oder jederzeit auch per Email für Ihre persönlichen Fragen.

Jetzt 14 Tage kostenfrei testen!

Was, wenn für den Gegenstand nur ermäßigte Vorsteuer gilt?

Die gilt hier gar nicht. Die Differenzbesteuerung kennt den ermäßigten Steuersatz von derzeit sieben Prozent nicht, sondern nur den allgemeinen Steuersatz von 19 Prozent. Der ermäßigte Steuersatz darf aufgrund besonderer gesetzlicher Bestimmung in § 25a UStG bei der Differenzbesteuerung nicht zur Anwendung kommen.

Dürfen Wiederverkäufer eingekaufte Gebrauchtgegenstände zerlegen?

Das war lange fraglich; auch, ob der anschließende Weiterverkauf der Einzelteile Differenzbesteuerung zuließ. Das Finanzamt und die Fachliteratur verneinten dies überwiegend. Doch der Bundesfinanzhof (BFH) widersprach dieser Auffassung im Jahr 2017. Er lehnte sich dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) an und erklärte es für zulässig. Damit kann das Finanzamt nach der Differenz Sie als Wiederverkäufer auch dann besteuern, wenn Sie z.B. ein erworbenes Gebrauchtfahrzeug in seine Einzelteile zerlegen und diese Einzelteile anschließend veräußern (BFH, Urteil v. 23.2.2017 – V R 37/15).

Unter welchen Bedingungen ist Differenzbesteuerung nicht möglich?

Sie ist nicht möglich, wenn Sie als Wiederverkäufer den Gegenstand:

  • zunächst für den privaten Bedarf gekauft und erst später in das Unternehmen eingelegt haben.
  • zwar für Ihr Unternehmen erworben, aber bei der Einfuhr ins Inland eingeführt haben. Die Einfuhr unterliegt der Einfuhrumsatzsteuer. Sie können sie als Vorsteuer nach § 15 Abs. 1 Nr. 2 UStG abziehen. Ausnahme bestimmte eingeführte:
  1.   Kunstgegenständen,
  2.   Sammlungsstücken und
  3.   Antiquitäten.

Bei ihnen können Sie für die Differenzbesteuerung optieren, mit der Konsequenz, dass Sie die Einfuhrumsatzsteuer nicht mehr abziehen können (§ 25a Abs. 2 Nr. 1 UstG).

Sie ist weiter nicht möglich auf sonstige Leistungen wie z.B. Dienstleistungen, sondern ausschließlich bei Lieferungen von Gegenständen.

Was müssen sie sonst bei der Differenzbesteuerung beachten?

Grundsätzlich müssen Sie für jeden Veräußerungsvorgang einzeln aufzeichnen:

  • Verkaufspreis,
  • Einkaufspreis,
  • Bemessungsgrundlage der Umsatzsteuer.

Ausnahmsweise kann hiervon bei Gegenständen mit Einkaufspreis unter 500 Euro abgewichen und eine Gesamtdifferenz für den Besteuerungszeitraum für derartige Gegenstände ermittelt werden. Wenden Sie als Wiederverkäufer die Gesamtdifferenzmethode an, müssen Sie dies einheitlich für alle betroffenen Gegenstände tun.

Bei Anwendung der Differenzbesteuerung dürfen Sie als Wiederverkäuferunternehmen die ermittelte Umsatzsteuer nicht offen auf der Rechnung ausweisen. Sie müssen aber auf die Anwendung der Differenzbesteuerung besonders hinweisen. Bei innergemeinschaftlichen Lieferungen können Sie die Differenzbesteuerung anwenden. Allerdings entfällt dann die Steuerbefreiung (§ 25a Abs. 5 Satz 2 i.V.m. Abs. 7 Nr. 3 UStG) – und Sie müssen den Vorgang im Inland besteuern. Grundsätzlich können Sie bei jeder einzelnen Lieferung auf die Differenzbesteuerung verzichten, außer bei der Gesamtdifferenzmethode.

Autor: Franz Höllriegel