06.08.2021

So beenden Sie Homeoffice-Vereinbarungen rechtssicher

My home is my castle – das Heim Ihres Mitarbeiters indes nicht seines allein, jedenfalls was seine Arbeit für Sie als seinem Arbeitgeber betrifft. Beim Homeoffice haben Sie auch ein Wörtchen mitzureden. Seit Juli 2021 besteht dafür keine Pflicht mehr. Wie Sie damit umgehen, lesen Sie hier.

Homeoffice-Vereinbarungen

Besteht für Sie als Arbeitnehmer keine Pflicht fürs Homeoffice mehr?

Nein. Ende Juni 2021 lief die „Bundesnotbremse“, das Notmaßnahmenpaket des Bundes zur Bekämpfung der Pandemie aus – und damit Ihre Verpflichtung als Arbeitgeber, Ihren Arbeitnehmern die Tätigkeit im Homeoffice zu ermöglichen.

Können Sie als Personalverantwortlicher also zurückkehren zu business as usual?

Nein, das können Sie nicht. Sie sollten im Gegenteil darauf achten, wie Sie jetzt vorgehen, wenn Sie Ihren Mitarbeiter aus dem Homeoffice zurück in den Betrieb holen wollen. Das Ende der Homeoffice-Pflicht bedeutet nicht, dass Ihre Arbeitnehmer sofort unter normalen Bedingungen an den Arbeitsplatz zurückkehren müssen. Als Unternehmen müssen Sie weiterhin Corona-Maßnahmen aufrechterhalten, wie z. B.:

  • Begrenzung der Zahl der Beschäftigten in geschlossenen Räumen,
  • Erstellung von Hygieneplänen
  • zwei Tests pro Woche.

Was im Einzelnen gefordert ist, ist in der neuen Corona-Arbeitsschutzverordnung geregelt, die mit dem 1. Juli in Kraft getreten ist und bis zum 10. September gelten soll.

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Gegenfrage: Was heißt hier business as usual? Hatten Sie in Ihrem Unternehmen die Einführung von Homeoffice für Ihre Mitarbeiter während der Coronavirus-Pandemie ausführlich geregelt? Wenn ja, gehören Sie zu einer Minderheit von Unternehmen. In den seltensten Fällen nämlich ging dies mit solchen Regelungen einher. Vielfach hat der Arbeitgeber sein Weisungsrecht in Anspruch genommen und das Homeoffice aufgrund dessen angeordnet. Oder er hat sie mit seinem Arbeitnehmer einvernehmlich verabredet.

Können Sie als Arbeitgeber das Homeoffice beenden – Ihr Weisungsrecht macht’s möglich?

Diese Frage ist zumindest umstritten, auch wenn viele Juristen davon ausgehen, dass dies möglich sein müsste. Nicht umstritten ist, dass Sie als Arbeitgeber dabei jedoch billiges Ermessen wahren müssen. Sie wägen dafür die betrieblichen Belange und die Interessen des Mitarbeiters gegeneinander ab. Folgende Empfehlungen dazu:

  • Beenden Sie das Homeoffice nicht von einem Tag auf den anderen!
  • Halten Sie eine gewisse Ankündigungsfrist ein!
  • Ermöglichen Sie es so Ihrem Mitarbeiter, organisatorische Maßnahmen zu treffen!

Viele Unternehmen bieten ihren Beschäftigten weiterhin freiwillig an, von zu Hause aus zu arbeiten, um sie bestmöglich vor einer möglichen Infektion zu schützen.

Was, wenn Sie als Arbeitgeber sich mit Ihren Arbeitnehmern auf ein Ende des Homeoffice geeinigt haben?

Soll danach das Homeoffice nur für die Dauer der Pandemie bzw. bis zu einem bestimmten Datum gelten, endet die Homeoffice-Pflicht mit Eintritt der Bedingung bzw. mit Zeitablauf.

Haben Sie sich als Arbeitgeber mit Ihrem Arbeitnehmer unabhängig von der aktuellen Pandemielage auf eine Homeoffice-Vereinbarung verständigt, so haben Sie bestimmt auch Regelungen über die Beendigung getroffen. Sie beachten Sie selbstverständlich. Kommt es gleichwohl zum Streit, können Sie oder Ihr Arbeitnehmer sie gerichtlich dahingehend überprüfen lassen, ob sie wirksam sind oder Sie bzw. Ihren Mitarbeiter eventuell unangemessen benachteiligen und damit unwirksam wären.

Grundsätzlich gilt: Ihr Arbeitnehmer muss an seinen Arbeitsplatz im Betrieb zurückkehren, wenn Sie als Arbeitgeber dies anordnen – auch inmitten der Corona-Pandemie, es sei denn, der Gesetzgeber kommt aufgrund einer veränderten Pandemie-Lage zu dem Schluss, erneut Sonderregelungen zu erlassen.

Weitere Musterformulierungen zu Homeoffice-Beendigung aufgrund Befristung und Homeoffice-Beendigung aufgrund vertraglicher Regelung mit Widerrufsvorbehalt erhalten Sie über unseren Beratungsbrief „Personaltipp AKTUELL„.

Ist Homeoffice nur von Vorteil für Sie und Ihre Mitarbeiter?

Das kommt drauf an, unter welchem Blickwinkel man das sieht. Ihr Mitarbeiter weiß es vielleicht zu schätzen, dass er möglicherweise für die Renovierung seines Heimbüros jetzt endlich Vorsteuer abziehen kann. Ob er das kann und unter welchen Bedingungen, lesen Sie in unserem Beitrag „Homeoffice: Gibt es einen Vorsteuerabzug bei Renovierung?“. Bedeutsam wird andererseits die Auslegung, wenn es um finanzielle Ansprüche nach einem Unfall im Homeoffice geht. Selbst beim Sonntagsspaziergang kann es zu einem Arbeitsunfall kommen, wie Sie in dem Beitrag „Nur eingeschränkter Versicherungsschutz im Homeoffice“ erfahren.

Autor: Franz Höllriegel