04.03.2019

Sind Sie als Arbeitgeber gut auf Teilzeitwünsche vorbereitet?

Je besser es mit Familie und Beruf klappt, desto besser für die Firma. Flexible Arbeitszeit ist das bevorzugte Mittel der Wahl. Auch um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Doch passen Teilzeitwünsche nicht immer in den betrieblichen Ablauf. Da heißt es, gut vorplanen.

Teilzeitwünsche

Teilzeit gegen Fachkräftemangel

Immer mehr Unternehmen suchen vergeblich nach Fachkräften. Kaum eins kann es sich noch leisten, keine flexibleren Arbeitszeiten anzubieten. Die Attraktivität eines Jobs steht und fällt nicht mehr nur mit dem Verdienst. Flexible Arbeitsmöglichkeiten treten immer öfter hinzu, um ausreichend Zeit für die Familie zu haben.

Der Markt regelt den Stellenwert der Maßnahmen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, heißt es in einem Bericht der „WAZ“. Die Zeitung beruft sich auf den Arbeitgeberverband Ruhr/Westfalen. Der führt den Fachkräftemangel dafür als Grund an. Unternehmen müssten dabei berücksichtigen, dass keine Arbeit liegen bleiben dürfe.

Wie ist Teilzeitarbeit gesetzlich geregelt?

Gleich in zwei Gesetzen. Der Gesetzgeber hat erkannt: Familie und Arbeit – ein Spagat, der nicht immer gelingt. Da hilft es Ihren Mitarbeitern, wenn sie sich ihre Arbeitszeit etwas einteilen können. Und Ihnen als Arbeitgeber gibt es ein probates Mittel an die Hand, qualifizierte Mitarbeiter an Ihr Unternehmen zu binden. Mit dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) und dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) hat der Gesetzgeber Ihnen als Arbeitgeber wichtige Gestaltungsinstrumente an die Hand gegeben. Danach können Ihre Beschäftigten u. a. ihre Arbeitszeit verringern, wenn

  • das Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate besteht und
  • Sie als Arbeitgeber mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigen.

Können Sie als Arbeitgeber einen Teilzeit-Antrag ablehnen?

Ja – allerdings nur aus betrieblichen Gründen. Und für die gelten mehr oder weniger strenge Maßstäbe. So müssen Sie als Arbeitgeber dies mit Begründung tun bei einem Antrag:

  • nach dem TzBfG wenn möglich schriftlich spätestens einen Monat vor Beginn der Veränderung,
  • nach dem BEEG für eine Elternzeit auf jeden Fall schriftlich zwischen der Geburt und dem vollendeten dritten Lebensjahr des Kindes spätestens vier Wochen nach Antragstellung bzw.
  • zwischen dem dritten Geburtstag und dem vollendeten achten Lebensjahr des Kindes spätestens acht Wochen nach Antragsstellung.

Ein solches Vorgehen sorgt für eine bessere Akzeptanz und dient im Streitfall der Beweissicherung.

Welche Gründe ziehen für eine Ablehnung der Teilzeitwünsche?

Sollte Ihnen als Arbeitgeber es zunächst nicht möglich sein, einem Wunsch Ihres Mitarbeiters nach Teilzeit zu entsprechen, sollten Sie wissen, dass Sie rechtlich damit in keiner guten Position sind. Einfach Nein sagen können Sie als Arbeitgeber nicht. Außerhalb der Elternzeit können Sie einen Teilzeitwunsch nur ablehnen, wenn betriebliche Gründe entgegenstehen. Das Gesetz nennt als Beispiele betrieblicher Gründe eine wesentliche Beeinträchtigung von:

  • Organisation,
  • Arbeitsablauf,
  • Sicherheit im Betrieb oder
  • das Entstehen unverhältnismäßig hoher Kosten für Sie als Arbeitgeber.

Als solcher können Sie den Wunsch nach Teilzeit ablehnen, weil zum Beispiel:

  • Firmenkunden während der betriebsüblichen Arbeitszeit einen festen Ansprechpartner haben wollen,
  • keine geeignete Ersatzkraft vorhanden ist oder
  • zu großer Einarbeitungsaufwand besteht.

Das müssten Sie aber jeweils konkret belegen. Ohne nachvollziehbares, betriebliches Organisationskonzept, wonach Ihr Arbeitnehmer notwendigerweise 40 Stunden arbeiten muss, läuft da gar nichts mit Ihrer Ablehnung eines Wunsches auf Teilzeit.

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Leitlinien des Bundesarbeitsgerichts

Auch die Leitlinien des Bundesarbeitsgerichts machen es Ihnen als Arbeitgeber in solchen Fällen nicht leicht. Beschäftigen Sie in ähnlichen oder vergleichbaren Bereichen bereits eine Teilzeitkraft, können Sie den Teilzeitwunsch in der Regel nicht ablehnen, wie „Finanztip“ schreibt. Der Gesetzgeber verpflichtet Sie zudem, mit Ihrem Arbeitnehmer zu verhandeln (§ 8 Abs. 3 TzBfG). Vielleicht einigt Ihr Mitarbeiter sich mit Ihnen dann ja auf eine 35- statt 30-Stunden-Woche, sofern er bislang 40 Stunden arbeitet.

Müssen Sie als Arbeitgeber bei Teilzeitarbeit vollen Stundenlohn zahlen?

Ja, Sie dürfen da grundsätzlich keine Unterschiede machen. Wer in Teilzeit arbeitet, dem müssen Sie deshalb denselben Stundenlohn auszahlen. Sie dürfen das Gehalt nur entsprechend der verringerten Arbeitszeit reduzieren. Zahlen Sie als Arbeitgeber Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld, so hat auch Ihr Mitarbeiter in Teilzeit darauf Anspruch.

Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts dürfen Sie als Arbeitgeber das Urlaubsgeld aber anteilig entsprechend der Arbeitszeit kürzen (Urteil vom 15. April 2003, Az. 9 AZR 548/01). Arbeitet jemand zum Beispiel 20 Stunden in der Woche, hat er zumindest Anspruch auf die Hälfte des Urlaubsgelds im Vergleich zu einem Kollegen, der Vollzeit arbeitet.

Autor: Franz Höllriegel