06.07.2022

Sind Sie Akteur oder „Zuschauer“? Reagieren Sie schon bei ersten Krisensignalen!

Gerissene Lieferketten, Lieferengpässe, Fachkräftemangel – und über allen schwelt die Coronakrise. Wie ist es um Ihr Unternehmen bestellt? Stehen auch Ihre Betriebe vor schier kaum zu bewältigenden Aufgaben? Oder haben Sie die Krisensignale schon im Blick?

Krisensignale

Was sind spezifische Herausforderungen für Ihr Unternehmen in der aktuellen Lage, die lange Zeit undenkbar schienen?

Das können Herausforderungen sein wie z.B.:

  • Liefer- und Arbeitsengpässe mangels dringend benötigter Materialien,
  • Preissprünge in vielen Bereichen aufgrund überhitzter Beschaffungsmärkte.
  • Ihre bewährten Firmenstrategien greifen nicht mehr.
  • Lange bei Ihnen erprobte praktische Lösungen laufen plötzlich ins Leere.

Sie als Unternehmer und Geschäftsführer sind da besonders gefordert:

  • bei negativen Entwicklungen geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen
  • bestenfalls eine drohende Krise ganz abzuwenden.

Was kann Ihnen bei deren Bewältigung helfen?

Frühwarnindikatoren, etwa wenn einzelne Abteilungen rechtzeitig Auffälligkeiten melden. So können Sie Produkt- und Absatzkrisen frühzeitig erkennen und bieten Ihnen die Möglichkeit gegenzusteuern.

Was können solche Frühwarnindikatoren sein?

Dies können sein

  • harte und/oder
  • weiche Fakten

Harte Fakten: aufziehende Unternehmenskrisen etwa lassen sich schon aus aktuellen betriebswirtschaftlichen Auswertungen ableiten:

  • sinkende Umsätze
  • geringere Gewinnmarge
  • steigende Kostenblöcke

Sie sollten Ihnen als Unternehmen bereits ein Warnsignal insbesondere sein, wenn die Entwicklung über mehrere Monate anhält. Deswegen:

  • Richten Sie Ihren Blick nicht nur auf das laufende Geschäftsergebnis oder bestimmte Kennzahlen!
  • Nutzen Sie die Möglichkeiten einer Rentabilitäts- und Liquiditätsanalyse!
  • Suchen Sie rechtzeitig externen Rat, wenn das interne Know-how Ihres Unternehmens dazu nicht ausreichen sollte. Das verursacht zwar zunächst ebenfalls Kosten, kann aber Krisen verkürzen und sich so rasch rentieren.

Weiche Fakten: Unterschätzen oder übersehen Sie als Unternehmen diese Krisenverursacher nicht! Prüfen Sie genau:

  • Haben Sie als Geschäftsführung eine klare Strategie mit eindeutiger Kundenorientierung?
  • Definieren Sie die Entscheidungsprozesse klar und vermitteln Sie als Führungskraft sie verständlich weiter!
  • Passt Ihr Führungsstil zu Ihrer Firmenkultur?
  • Entspricht die technische Entwicklung Ihres Unternehmens noch den Erfordernissen oder sollten Sie Neuerungen nachholen?
  • Haben Sie als Unternehmen vielleicht zu rasch zu weit expandiert?
  • Nutzen Sie als Arbeitgeber in Ihrem Unternehmen vorhandenes Mitarbeiter-Kapital hinreichend?

Wie können Sie als Unternehmen solches vorhandenes Kapital nutzen?

Eine Vielzahl von Informationen und Daten steht Ihrem Unternehmen zur Verfügung aus:

  • laufender Buchhaltung
  • dem Jahresabschluss.

Sie können daraus ein Frühwarnsystem aufbauen:

  • gepaart mit praxisnahen Informationen von
    • Führungskräften
    • Abteilungsleiter
    • Vorarbeiter
    • langjährige Mitarbeiter
  • möglichst passgenau für Ihre Firma aufgebaut und ausgestaltet

Im günstigsten Fall hilft das Ihnen, größere Krisen zu vermeiden.

Tipp der Redaktion

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Wann sollte das Frühwarnsystem anschlagen?

Je früher, desto besser, ganz gleich, ob es sich um strategische Schwachpunkte oder Produkt- und Absatzprobleme handelt. Je früher Sie die Knackpunkte erkennen und entschieden handeln, desto schneller kann Ihr Unternehmen eine Krise überwinden.

Am besten, Sie bewerten Ihre Firma einmal anhand jeweils einer Warnliste für:

  • Strategiekrise Ja/Nein
  • Absatzkrise Ja/Nein

Jedes Ja gehört genauer hinterfragt auf den Prüfstand.

Das Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) schuf 2021 einen Rechtsrahmen, der Ihnen als Unternehmen vorinsolvenzrechtliche Sanierungen ermöglichen soll. Mit der Neuerung sollen Sie als Unternehmen in einem frühen zeitlichen Stadium wirtschaftliche Probleme angehen und eine drohende Insolvenz vermeiden können. Damit können Sie als Unternehmen mit Ihren Gläubigern einen Restrukturierungsplan verhandeln und auf diese Art Ihre Firma sanieren. Dazu zählen z. B. Vereinbarungen auf einen Teilverzicht von Forderungen. Das ist jetzt sogar möglich, wenn einzelne Gläubigergruppen nicht zustimmen.

Was ist das StaRUG?

Es steht im Mittelpunkt des Sanierungs- und Insolvenzrechtfortentwicklungsgesetzes (SanInsFoG). Anhand der darin enthaltenden Regelungen haben Sie als Unternehmen erweiterte Möglichkeiten, präventiv eine Insolvenz zu verhindern und sich zukunftsfähig aufzustellen. Das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV) veröffentlichte dazu am 19. September 2020 den umfangreichen Gesetzentwurf zur Fortentwicklung des Sanierungs- und Insolvenzrechts. Am 17. Dezember wurde der Gesetzentwurf in geänderter Fassung angenommen und veröffentlicht.

Unabhängig von der Corona-Pandemie gab es bereits vorher Bestrebungen der EU, Sanierungen, Restrukturierungen und Insolvenzen besser zu gestalten. Die EU hatte daher 2016 eine Richtlinie vorgelegt zur Steigerung der Effizienz von:

  • Restrukturierungs-,
  • Insolvenz- und
  • Entschuldungsverfahren.

Deutschland setzte dies mit dem SanInsFoG und dessen Kernstück StaRUG um, welches 2021 in Kraft getreten ist. Bis dahin war es in Deutschland lediglich möglich, im Rahmen einer Sanierung in Eigenverwaltung Verhandlungen dieser Art durch das Unternehmen selbst führen zu dürfen. Während die Sanierung in Eigenverwaltung bereits innerhalb des Insolvenzrechts stattfindet, erfolgen Sanierung und Restrukturierung nach dem StaRUG außerhalb der Insolvenz. Beide Verfahren führen ausgewiesene Sanierungsexperten unter Mitwirkung von Steuerberatern durch.

Unter welchen Voraussetzungen ist das StaRUG anwendbar?

Unter folgenden Voraussetzungen:

  • Zahlungsunfähigkeit noch nicht eingetreten
  • Vorliegen eines Restrukturierungskonzeptes
  • Fortführung des Unternehmens muss erfolgreich möglich sein
  • Führung ordentlicher Buchhaltung
  • Erfüllung aller Rechnungslegungspflichten

Sobald diese Voraussetzungen erfüllt sind, können Sie als Unternehmen ein Restrukturierungsverfahren beim zuständigen Amtsgericht beantragen. Gerichte sind dabei in der Regel nur recht minimal am Verfahren beteiligt. Es dient in erster Linie dazu, die Gläubigerinteressen zu schützen.

Welche Rolle spielt der Steuerberater beim StaRUG?

Sie geht noch mehr in Richtung ganzheitlicher Beratung. Ordentliche Buchführung und korrekte Jahresabschlüsse sind selbstverständlich – darüber hinaus übernimmt der Steuerberater zunehmend Controlling-Aufgaben.

Welche Regelung trifft das StaRUG zum Frühwarn-System zur Krisenerkennung?

Es verlangt ein solches von Ihnen als Unternehmen über einen Prognosezeitraum von 24 Monaten. Dies stellt Sie vor allem als kleines oder mittleres Unternehmen vor große Herausforderungen, die Sie nach Ansicht des Steuerberaters Dirk Wendl von der Kölner Steuerberatungs-GmbH Wendl & Köhler nur mit Hilfe eines Steuerberaters bewältigen können. Er empfiehlt Ihnen als Unternehmen, drohende Zahlungsunfähigkeit (z.B. durch notwendige Re-Finanzierungen o.ä.) zwingend frühzeitig zu erkennen. Dies bedinge eine gute und enge Zusammenarbeit zwischen Buchhaltung, Controlling und Steuerberatung. Auch weitere wichtige Kennzahlen wie Eigenkapital- und Gesamtkapitalrentabilität oder Cashflow in Prozent vom Umsatz sollten Sie als Unternehmen ihm zufolge regelmäßig erheben und überprüfen. Dies könnten wichtige Indizien für eine drohende Insolvenz darstellen.

Welche Bedeutung hat ein Steuerberater für das Frühwarn-System?

Eine große. Bereits 2017 hat der Bundesgerichtshof die Haftung von Steuerberatern bei einer Insolvenz stark verschärft. Sobald ein Mandant zahlungsunfähig wird, ist der Steuerberater verpflichtet, dies dem Mandanten unverzüglich mitzuteilen und ausdrücklich auf die Insolvenzreife des Unternehmens hinzuweisen. Ein Hinweis lediglich auf die Überschuldung des Unternehmens reiche somit nicht mehr aus. Der Steuerberater muss Sie als Geschäftsführung explizit darauf hinweisen, dass ein Insolvenzantrag gestellt werden muss. Unterlässt der Steuerberater den Hinweis, kann er sogar eine Anzeige wegen Insolvenzverschleppung riskieren. Steuerberater wurden in der Vergangenheit bereits in zahlreichen Fällen von Insolvenzverwaltern ein Anspruch genommen und sahen sich mit Schadensersatzforderungen konfrontiert. Aus diesen Gründen wird, so Wendl, ein Steuerberater:

  • stets die Zahlen des Unternehmens im Auge behalten,
  • Sie als Geschäftsführung rechtzeitig über die Gefahr einer drohenden Zahlungsunfähigkeit informieren und
  • im Notfall sogar das Mandat niederlegen, wenn Sie als Unternehmen nicht entsprechend reagieren zur Abwendung des Unheils.

Haben Sie als Unternehmen andere Möglichkeiten zur Sanierung?

Die bisher einzige Form, eine Sanierung unter Federführung der bisherigen Geschäftsleitung zu gestalten, lag in der Sanierung in Eigenverwaltung. Diese Eigenverwaltung ist in §§ 270ff Insolvenzordnung (InsO) im Insolvenzrecht geregelt. Bei dieser Form der Sanierung bleibt die Geschäftsführung im Amt und führt weiterhin die Geschäfte. Dies fördert, wie Wendl berichtet, das Vertrauen der Geschäftspartner und der Mitarbeiter in das Unternehmen und erleichtert die Fortführung der Firma. Es gibt bei dieser Form der Insolvenz keinen Insolvenzverwalter, der die Geschäfte übernimmt. Jedoch setzt das Gericht einen Sachverwalter ein, der die Sanierung begleitet.

2012 wurde mit dem Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) die Insolvenzordnung geändert. Seitdem findet diese besondere Form des Insolvenzverfahrens häufiger Anwendung. Einen Sonderfall stellt dabei das in § 270b InsO geregelte Schutzschirmverfahren dar. Bei der klassischen Insolvenz übernimmt ein Insolvenzverwalter die Geschäftsleitung. Am Ende eines solchen Verfahrens stehen oft:

  • teilweiser Verkauf,
  • Zerschlagung oder
  • gar die Auflösung eines Unternehmens.

Zumal bei letzterem gehen viele wichtige Geschäftsbeziehungen und viel Know-how verloren. Nicht nur wegen Corona geht der Weg der Gesetzgebung hin zur Erhaltung von Unternehmen durch Sanierung und Restrukturierung. Mit dem neuen SanInsFoG und dessen Kern – dem StaRUG – wurde eine neue Möglichkeit geschaffen, außerhalb des Insolvenzrechts eine Sanierung durchzuführen und eine Insolvenz zu vermeiden.

Welche anderen Mittel gibt es zur Vorbereitung auf den Krisenfall?

Der kluge Unternehmer baut vor. Doch wann genau ist der richtige Zeitpunkt gekommen, sich für eine Krise vorzubereiten? Eine Initiative will hier mit frühzeitiger Beratung, Tipps und Hinweisen Unternehmen für den Eventualfall vorbereiten und Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. Wie das aussieht, lesen Sie in unserem Beitrag „Hilfe zur Selbsthilfe für Unternehmen in der Krise“. Technischer Wandel, Pandemie, Disruption – Veränderungen stellen Sie als Führungskraft vor große Herausforderungen. Widerstandskraft ist gefragt. Mit Resilienz können Sie Ihren Betrieb in ruhigere Fahrwasser steuern. Die Eigenschaften dafür können Sie sich antrainieren nach Lektüre unseres Beitrages „Führungskräfte: Resilient bleiben unter Druck“. Und einen haben wir noch: frei nach Sepp Herberger ist nach der Corona-Krise vor der Corona-Krise. Die ab Herbst möglicherweise wieder anstehenden Probleme bestmöglich meistern, ist nach Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach dann wieder für alle das Gebot der Stunde, für Sie als Arbeitgeber und Personalverantwortliche gleichermaßen. Doch welche Auswirkungen wird es letztlich haben? Das ist noch gar nicht absehbar, genauso wie es schon Anfang 2021 nicht absehbar. Erfahrungen von damals können Sie nachlesen in unserem Beitrag „Corona-Krise: So meistern Sie als Arbeitgeber die Herausforderungen“.

Autor*in: Franz Höllriegel