29.09.2017

Sicherheit und Gesundheit im Wandel zu Industrie 4.0

Industrie 4.0, Digitalisierung von Produktion bis Logistik und Transport. Wie steht es bei allem Fortschritt eigentlich mit der Sicherheit und der Gesundheit am Arbeitsplatz? Höchste Zeit, sich mit damit gestellten Fragen zu befassen. Das tut die DGUV in einem Positionspapier.

Gesundheit

Veränderung der Arbeitswelt

Die industrielle Arbeitswelt verändert sich hin zu einer Industrie 4.0. Betroffen sind alle Bereiche der Produktion, Logistik und des Transports. Die Diskussion über Chancen und Risiken autonomer Pkw und Nutzfahrzeuge lässt sich auch auf innerbetriebliche autonome Maschinen und Transportmittel übertragen. Auf welchen Feldern durch neue Risiken Handlungsbedarf für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit besteht, aber auch wo sich neue Möglichkeiten für Sicherheit und Gesundheit ergeben, beschreiben die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung und ihr Spitzenverband, die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), in einem Positionspapier.

Kursbuch für die Prävention

Die Verfasser wollen es als „Kursbuch für die Prävention der kommenden Jahre“ verstanden wissen. Rund 15 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland hängen direkt oder indirekt von der produzierenden Wirtschaft ab. Sie alle verändern sich mehr oder weniger stark. Die Digitalisierung vernetzt Menschen, Maschinen, Prozesse, Daten und letztlich Produkte immer enger. Kooperative Systeme aus Technik und Mensch einschließlich künstlicher Intelligenz sehen die Verfasser des Kursbuches charakteristisch für Industrie 4.0 an.

Sicherheit und Gesundheit im Zeichen von Robotik und Datenbrille

„Weil die Branchen unterschiedliche Technologieniveaus haben, verläuft der Prozess hin zu einer Industrie 4.0 unterschiedlich schnell“, erklärt Dr. Michael Huelke, Experte für neue Technologien im Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA). Grundsätzlich stelle sich die Frage, ob und inwieweit Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten dadurch beeinträchtigt oder auch befördert werden können. Huelke: „Denken wir beispielsweise an Robotik oder Assistenzsysteme wie Datenbrillen: Sie sollen entlasten und unterstützen; sie bergen aber auch neue Unfallrisiken, können die Menschen überfordern oder in falscher Sicherheit wiegen.“

Präventionsüberlegungen zur Unfallversicherung

Technologiebezogene Fragen stehen für die gesetzliche Unfallversicherung im Zentrum der Präventionsüberlegungen:

  • Wie lässt sich Datensicherheit in hoch vernetzten Systemen gewährleisten und aktuell halten?
  • Welche Konzepte ermöglichen eine verlässliche Risiko- und Gefährdungsbeurteilung von sich selbst organisierenden Maschinen und Anlagen?
  • Welchen Einfluss haben Assistenzsysteme auf das Risikoverhalten der Beschäftigten?

Arbeitsbedingungen ganzheitlich beurteilen

Huelkes Blick gilt dabei der Organisation. Man müsse Arbeitsbedingungen noch stärker ganzheitlich beurteilen. Die selektive Betrachtung von Einzelaspekten – nur Sicherheit, nur Ergonomie oder nur kognitive Belastung – werde den komplexen Zusammenhängen in Industrie 4.0 nicht mehr gerecht. Schließlich biete auch der Mensch selbst Ansatzpunkte für zielgerichtete Prävention. Industrie 4.0 brauche zum Beispiel neue Kompetenzen in der Mitarbeiterführung, damit auch Führen auf Distanz oder in altersgemischten Teams funktioniert.

Angepasste Qualifikationsinhalte

Zudem seien neue und angepasste Qualifikationsinhalte und -methoden erforderlich. Mobiles Lernen, arbeitsintegriertes oder alternsgerechtes Lernen nennt der Wissenschaftler als Beispiele. Das Positionspapier zur Industrie 4.0 beleuchtet Licht- und Schattenseiten der Entwicklung und leitet daraus eindeutige Handlungsfelder für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit ab. Es ist damit Arbeitsgrundlage für die gesetzliche Unfallversicherung selbst und für alle, die Verantwortung für sichere und gesunde Arbeit tragen.

Sicherheit im Ausland

Im Zusammenhang mit der internationalen Ausrichtung deutscher Unternehmen stellt sich die Frage, inwieweit bei solchen Tätigkeiten ein Schutz bei Arbeits- und Wegeunfällen sowie bei Berufskrankheiten besteht. Mancher hiesige Betrieb ist inzwischen im Ausland tätig, schreibt der Wirtschaftsbrief für das Deutsche Handwerk „Meisterbrief AKTUELL“ (12/2017 September). Wie die deutsche gesetzliche Unfallversicherung auch im Ausland schützen kann, dazu alles Wissenswerte in der neuen Ausgabe von Meisterbrief AKTUELL“.

 

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Autor: Franz Höllriegel