24.10.2016

Selbständige nicht Retter der Rente

Selbständige die Retter der Rente? Im November will Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ein umfassendes Rentenkonzept vorlegen. Einer der Kernpunkte dabei: die Selbständigen in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen. Die fühlen sich als Lückenbüßer des Systems. Sie fordern dessen grundlegende Reform.

Rentner

Änderungsbedarf bei der gesetzlichen Rente

Unternehmensführung.  Nahles will im November ihre Änderungsziele für die gesetzliche Rentenversicherung vorstellen. Nötig wird deren Reform mit Blick auf:

  • den Ost/West-Ausgleich,
  • die Finanzierung der Rente und
  • die demografischen Entwicklung mit der auf dem Kopf stehenden Alterspyramide.

Einzel- und Kleinunternehmer in RV einbeziehen

In diesem Zusammenhang wird diskutiert, einzelne der nicht in die Deutsche Rentenversicherung einzahlenden Bevölkerungsgruppen künftig Pflicht zu versichern. Dies gilt insbesondere für Einzel- und Kleinunternehmer. Bei ihnen wird ein erhöhtes Altersarmutsrisiko vermutet.

4,3 Millionen Selbständige

Rund 43,5 Millionen Menschen sind derzeit in Deutschland abhängig beschäftigt. Etwa zehn Prozent, 4,3 Millionen Personen sind nach Angaben des Bundes der Selbständigen Deutschland (BDS) selbständig tätig.

Zehn Prozent mehr Beitragszahler – und Empfänger

Das Einbeziehen der Selbständigen würde mithin rund zehn Prozent mehr Beitragszahler bedeuten. Kurzfristig würden die Einnahmen für die Rentenkasse also steigen. Allerdings wären die Selbständigen auch bezugsberechtigt. Im Endeffekt wäre also mehr Geld im Topf, es gäbe aber auch mehr Empfänger, gibt BDS-Sprecher Tim Wiedemann zu bedenken.

Phänomen der „Babyboomer“

Die demografische Entwicklung bei den Selbständigen sei ähnlich wie bei den abhängig Beschäftigten, zu erkennen etwa an dem Problem vieler kleiner Unternehmer bei der Suche nach Nachfolgern. Auch bei den Selbständigen gebe es das Phänomen der „Babyboomer“, also der überdurchschnittlich starken Alterskohorte der Jahrgänge 1955 bis 1965. Sie werden in den kommenden Jahren ihre Betriebe übergeben oder aufgeben.

Strukturelles Problem

Für den BDS Grund, ein strukturelles Problem in der Gestaltung der Rente anzunehmen. Dieses könne man mithilfe kurzfristig erzielbarer höherer Einnahmen nicht lösen.

Oberflächliche Korrekturen

„Anstelle von oberflächlichen Korrekturen brauche es eine grundlegende Reform des Rentensystems“, sagt Ingolf F. Brauner, Präsident von Mittelstand in Bayern e.V. (mib) und Sprecher der AG Altersvorsorge beim BDS Deutschland.
Es müsse eine Solidarlösung geschaffen werden. Sie müsse alle – also auch Beamte und Politiker – zur Grundversorgung im Alter in eine gemeinsame Rentenkasse einbeziehen.

Retter der Rente

Nur unter dieser Voraussetzung könnten sich auch die Selbständigen und Freiberufler vorstellen, sich einer sinnvollen Reform anzuschließen. „Die Selbständigen sind nicht die Retter der Rente“, sagt Brauner.

Altersarmut bei Selbständigen?

In dem angeblichen „Problem“ der Altersarmut bei Selbständigen sieht die Selbstständigen Organisation im Gegensatz zu Nahles jedoch kein Massenphänomen. So hätten im Jahr 2014 lediglich 2,8 Prozent der Selbständigen sogenannte Aufstockungsleistungen bekommen, weil ihre eigenen Einnahmen nicht für den Lebensunterhalt ausreichten.

Keine Frage der Beschäftigungsart

Die Altersarmut sei keine Frage der Beschäftigungsart, sondern mehr der Lohngruppe. Auch viele abhängig Beschäftigte seien von Altersarmut bedroht.
Der BDS schlägt deshalb zur Lösung des Problems eine Sockelrente zur Existenzsicherung vor.

 

Autor: Franz Höllriegel