28.01.2021

SARS-CoV-2 Arbeitsschutz im Unternehmen: Das müssen Sie beachten

Da und doch nicht da – der Impfstoff gegen den Corona-Virus macht es zu Jahresbeginn spannend. Schon geistert das Unwort des „Lockdown forever“ durch die Gazetten. Was aber wird aus dem Arbeitsschutz? Hierfür gibt es einen Standard. Diesen sollten Sie unbedingt beachten.

COVID-19-Arbeitsschutzstandards

Wie können Sie als Arbeitgeber in Corona-Zeiten den Arbeitsschutz gewährleisten?

Dafür gibt es einen eigenen Standard, den SARS-CoV-2 Arbeitsschutzstandard. Er gilt bereits seit April 2020 und enthält Vorgaben zur Eindämmung von Infektionen am Arbeitsplatz. Im August 2020 wurde er noch durch zusätzliche Regelungen in der SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel konkretisiert.

Am 22.01.2021 trat die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung (Corona-Arbeitsschutzverordnung) in Kraft. Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung flankiert die bereits bestehende SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel sowie den SARS-CoV-2- Arbeitsschutzstandard durch weitere befristete Arbeitsschutzmaßnahmen: Neben der Einführung einer Pflicht zum Tragen bestimmter Mund-Nasen-Schutz Masken steht vor allem die Reduzierung physischer Kontakte in den Betrieben im Mittelpunkt der Verordnung.

Was bedeutet die Homeoffice-Pflicht für Arbeitgeber?

Als eine der Kernmaßnahmen gilt dabei das Angebot der Arbeitgeber an die Mitarbeiter, von zu Hause aus (im Homeoffice) zu arbeiten. Danach sind die Arbeitgeber erstmals verpflichtet, den Mitarbeitern – sofern es die Tätigkeit erlaubt – einen Homeoffice-Arbeitsplatz anzubieten. Diese Homeoffice-Pflicht gilt zunächst bis zum 15.03.2021.

Viele Tätigkeiten taugen nicht fürs Homeoffice

Grundsätzlich gilt für Arbeitgeber nun, dass sie nicht mehr umhin kommen, ihren Beschäftigten in der Regel Homeoffice-Arbeitsplätze anzubieten. Nur wenn „zwingende betriebliche Gründe“ gegeben sind, können sie die arbeitnehmerseits geäußerte Forderung, von zu Hause aus arbeiten zu wollen, ablehnen. Zu der Frage, was dies für Gründe sein können, schweigt die Verordnung. Klar ist, dass Homeoffice für diejenigen Arbeitnehmer nicht in Betracht kommt, die nicht ganz oder weit überwiegend mit Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten befasst sind, z. B. Arbeitsplätze in den Bereichen Produktion, Dienstleistung, Handel oder Logistik. Eine Homeoffice-Tätigkeit scheidet auch dann aus zwingenden betrieblichen Gründen aus, wenn die Tätigkeit die Anwesenheit im Büro voraussetzt, z. B. weil physische Post geöffnet und bearbeitet werden muss, physische Akten angelegt oder aber Waren vor Ort angenommen oder erfasst werden müssen.

Arbeitgeber können Homeoffice für Arbeitnehmer nicht erzwingen

Sind die Anforderungen für eine Tätigkeit im Homeoffice erfüllt, muss der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die Möglichkeit anbieten, von zu Hause aus (im Homeoffice) zu arbeiten. Auf der anderen Seite ist der Arbeitgeber nicht berechtigt, einen Arbeitnehmer im Alleingang ins Homeoffice zu verbannen. Es bedarf hierfür stets der Zustimmung des Arbeitnehmers. Also auch wenn der Arbeitgeber davon ausgeht, dass die gesamte Belegschaft von zu Hause aus arbeiten könnte und dies aus Gründen des Infektionsschutzes auch für angebracht hält, benötigt er für die Umsetzung die Zustimmung jedes einzelnen Arbeitnehmers. Insoweit ist die Verordnung eindeutig, denn darin heißt es: „Für die Beschäftigten besteht keine Verpflichtung zur Annahme und Umsetzung des Angebots.“

Worauf kommt es sonst noch an?

Abstand halten, Abstand halten, Abstand halten! Man kann es nicht oft genug wiederholen. Auch wenn es ungewohnt und manchmal schwer einzuhalten ist. Gerade am Arbeitsplatz ist das Abstandhalten das oberste Gebot. Und bereiten Sie sich darauf schon mal innerlich vor: Sie werden es in Ihrem Betrieb voraussichtlich noch über lange, lange Zeit einhalten müssen. Der Mindestabstand beträgt auch am Arbeitsplatz 1,5 Meter. Zusätzlich sollten Sie – sofern möglich – Arbeitsplätze durch transparente Trennwände abgrenzen.

Sofern der Mindestabstand bei der Arbeit nicht eingehalten werden kann, sind Sie als Arbeitgeber aus dem Gesichtspunkt der Schutz- und Fürsorgepflicht gehalten, das Tragen des Mund-Nase- Schutzes verbindlich anzuordnen und die Befolgung der Anordnung zu kontrollieren. Stellen Sie Mund-Nase-Bedeckungen in ausreichender Anzahl Ihren Mitarbeitern und Besuchern zur Verfügung. Bzw. Regeln Sie eindeutig, welche Art von Masken notwendig sind, um das Unternehmen betreten zu dürfen. Das gleiche gilt, wenn Ihre Mitarbeiter notwendigerweise Kontakt zu anderen Personen haben. Und vergessen Sie gegebenenfalls nicht Schutzhandschuhe vorzuhalten!

Dienstreisen und Präsenzveranstaltungen sollten Sie auf das absolute Minimum reduzieren. Sind Präsenzveranstaltungen unbedingt erforderlich, müssen Sie hier für einen ausreichenden Abstand zwischen den Teilnehmern sorgen oder transparente Trennwände aufstellen.

Dürfen betriebsfremde Personen weiterhin Ihr Unternehmen besuchen?

Wenn möglich nicht. Den Zutritt betriebsfremder Personen sollten Sie in Ihrem Unternehmen weitestmöglich beschränken. Sofern dies nicht realisierbar ist, sollten Sie Schutzvorrichtungen in Empfangs- oder Schalterbereichen anbringen und Betriebsfremde über die Verhaltensregeln im Betrieb informieren. Ein geeignetes Mittel zur Eindämmung der Infektion und zur Nachverfolgung von Infektionsketten ist die Dokumentation der Kontaktdaten und Anwesenheitszeiten von Kunden, Lieferanten und Besuchern. Personen mit Corona-Symptomen versagen Sie den Zutritt zum Betrieb gänzlich!

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Hygiene – hier müssen Sie aktiv werden

Besondere Hygieneanforderungen gelten für die Räume, die von Ihren Arbeitnehmern auch besonders genutzt werden, z. B. in:

  • Sanitär- und
  • Pausenräumen
  • Kantinen etc.

Hier sollten Sie als Arbeitgeber die Reinigungsintervalle verkürzen und ausreichend bereitstellen

  • Seife
  • Desinfektionsmittel
  • Handtuchspender.

Lassen Sie regelmäßig reinigen und desinfizieren:

Soweit möglich sollte nur jeweils ein Arbeitnehmer seine Arbeitsmittel und Werkzeuge benutzen. Im Übrigen sollten Sie sie nachdrücklich anweisen, die persönlichen Hygienestandards zu beachten, wie z. B.:

  • regelmäßiges und gründliches Händewaschen
  • Einhaltung der Hust- und Niesetikette
  • regelmäßig aller Betriebsräume lüften, weil dadurch die Anzahl möglicherweise in der Luft vorhandener feinster, erregerhaltiger Tröpfchen reduziert werden kann.

Wie steht es mit „Versammlungen“ von Mitarbeitern?

Als Arbeitgeber sollten Sie weitere organisatorische Maßnahmen ergreifen überall dort, wo es üblicherweise zu Ansammlungen von Mitarbeitern kommt, wie z. B. in

  • Pausenräumen
  • Kantinen
  • vor Zeiterfassungsgeräten.

Zu empfehlen ist hier eine zeitliche Entzerrung, z. B. durch versetzte Pausen oder einen gestaffelten Arbeitsbeginn. Außerdem sollten Sie zur Einhaltung des Abstandsgebotes Klebestreifen als Abstandsmarkierungen an der Wand oder auf dem Boden anbringen lassen.

 

Autor: Franz Höllriegel