29.05.2018

Regierung widmet sich wieder verstärkt der Altersvorsorge

Es ist wie mit dem Luxusurlaub: ist man jung und kann ihn genießen, hat man nicht das Geld für die Anschaffung, hat man es, ist man zu alt, um ihn zu genießen. So die Riesterrente: ist man jung, hat man kein Geld für die Rücklagen, ist man alt, ist es zu spät. Die Regierung will das jetzt ändern und die kapitalgedeckte Altersvorsorge weiterentwickeln.

Zur besseren Altersvorsorge will die Regierung zusammen mit den Versicherungen ein attraktives Riester-Produkt entwickeln.

Besinnung auf die Riester-Rente

Die Altersvorsorge soll einfacher werden, berichtet die „FAZ“. Die Politik hatte schon fast die Lust an der Riester-Rente verloren. Mittlerweile hat nur knapp jeder zweite Anspruchsberechtigte einen Vertrag, jeder fünfte davon wird überhaupt bespart. Durch niedrige Zinsen, hohe Verwaltungs- und Abschlusskosten schmelzen die Renditen dahin.

Durch den Aufschwung und den erst in einigen Jahren zu erwartenden Renteneintritt Hunderttausender Baby-Boomer steht die gesetzliche Rentenversicherung aber derzeit glänzend da.

Kapitalgedeckte Altersvorsorge weiterentwickeln

Nach der Bundestagswahl besinnt sich die Politik offenbar. Die kapitalgedeckte Altersvorsorge soll weiterentwickelt werden. „Es ist ein Dialogprozess mit der Versicherungswirtschaft anzustoßen mit dem Ziel einer zügigen Entwicklung eines attraktiven standardisierten Riester-Produkts“, heißt es vage im Renten-Kapitel des Koalitionsvertrags.

Das Rentenniveau wird laut „t-online.de“ bis 2030 von derzeit 48 Prozent auf 43 Prozent des durchschnittlichen Arbeitsverdienstes sinken. Zudem steigt der steuerpflichtige Teil der Rente ebenfalls bis 2030 auf dann 100 Prozent an. Altersarmut droht nicht allein Geringverdienern. Für ein auskömmliches Leben können Arbeitnehmer neben der gesetzlichen Pflichtversicherung mit einer ergänzenden Betriebsrente oder privat vorsorgen.

Mangel an finanziellen Möglichkeiten

Leider fehlen vielen Steuerpflichtigen die finanziellen Möglichkeiten, adäquat dem im Alter drohenden Engpass entgegenzuwirken, wie „Lohn- & Gehaltsprofi AKTUELL“ (7/2018) berichtet.

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Wird die Rente reichen?

Die Höhe der aktuell prognostizierten Rente lässt sich der jährlichen Renteninformation der gesetzlichen Rentenversicherung entnehmen. Allerdings zaubert die dort aufgeführte Rentenhöhe manchem ein mitleidiges Lächeln auf die Lippen, liegt sie doch meist weit unter dem, was man aktuell zum Leben braucht. Auf die Rente fallen Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern an. Die staatlichen Bezüge reichen somit nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu finanzieren.

Mit Eintritt in das Rentenalter sollten als Faustregel monatlich rund 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens zur Verfügung stehen. Mit der gesetzlichen Rente ist das nicht zu schaffen.

Altersvorsorge auf drei Säulen

Das System der Altersvorsorge basiert auf drei Säulen: die gesetzliche Rentenversicherung, ergänzende betriebliche Vorsorgeleistungen und die private Altersabsicherung. Arbeitnehmer sind über die Sozialversicherung pflichtversichert. Finanziert wird das System der gesetzlichen Rentenversicherung durch Umlage. Damit spart man die Rentenbeiträge nicht individuell für jeden Arbeitnehmer an. Die Beiträge wandern in den Rententopf. Aus diesem werden die Rentenzahlungen für die aktuelle Rentengeneration entnommen.

Mögliche Folgen des Ungleichgewichts für die kommenden Generationen:

Das Sozialpartnermodell soll mehr Arbeitgeber zur Umsetzung der betrieblicher Altersvorsorge bewegen und damit mehr Arbeitnehmern den Weg in die Betriebsrentenversorgung ebnen. Die Sozialpartner – die Arbeitgeber und die Gewerkschaften – sollen auf tariflicher Basis den jeweiligen Angestellten eine betriebliche Rentenversorgung bieten.

Sozialpartnermodell ohne Garantie der Rentenhöhe

Beim Sozialpartnermodell müssen die Unternehmen keine bestimmte Rentenhöhe mehr garantieren. Dies war bislang ein wesentlicher Aspekt, der Arbeitgeber von der betrieblichen Altersversorgung ihrer Angestellten abhielt. Die Haftung entfällt und damit auch die Anforderung an die Arbeitgeber, entsprechende Rücklagen zu bilden. Die Sozialpartner entscheiden gemeinsam, wie die Betriebsrente der Arbeitnehmer angelegt wird.

Durch den Wegfall der Garantieleistung sind die Partner freier, Anlagemöglichkeiten mit einer höheren Renditechance zu wählen – zum Beispiel weniger Zinsprodukte und mehr Aktien oder Investmentfonds. Die Altersvorsorge ist damit stärker von der Entwicklung an den Kapitalmärkten abhängig.

Ein Insolvenzschutz besteht beim Sozialpartnermodell nicht. Arbeitnehmer haben aber das Recht auf den Abschluss einer Rückdeckungsversicherung.

Autor: Franz Höllriegel