Fachbeitrag | Personal
11.09.2015

Pünktlichkeit am Arbeitsplatz Problem des Arbeitnehmers

Arbeitgeber braucht für Zuspätkommen nicht zu zahlen.

Pünktlichkeit ist eine Zier, nicht sehr weit kommt man ohne ihr. Da helfen die schönsten Ausreden nicht, egal wie hoch ihr Wahrheitsgehalt. Grundsatz Nr. 1: Für die Zeit, die der Mitarbeiter zu spät kommt, muss der Arbeitgeber keinen Lohn zahlen. Ausnahme: Wenn der Arbeitgeber Ausnahmen zulässt – selber schuld, sozusagen.

Zuspätkommen© pathdoc /​ fotolia.com

Schranke zu – kein Lohn?

Amberg. 11. September 2015 – Montagmorgen, wenige Meter noch zum Verlagsgebäude, Redaktionsschluss Alarmstufe Rot, Rush-hour, da Hauptstrecke Deutsche Bahn: Schranke zu – der Supergau für einen Zeitungsvolontär wie mich lang, lang ist’s her. Entsprechend kühl der Empfang eine gefühlte Ewigkeit später im Verlag: „Die Ewigkeit ziehen wir dir von deinem Volontärsgehalt ab.“ Zu Recht? Wie verhält es sich mit der Pünktlichkeit am Arbeitsplatz.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Gesetz

Ja, sagt Hans-Georg Meier, Fachanwalt für Arbeitsrecht, auf „OberpfalzNetz.de“, für die Zeit, die der Mitarbeiter zu spät kommt, müsse der Arbeitgeber keinen Lohn zahlen.

Problem des Mitarbeiters

In den allermeisten Fällen ist Meier zufolge das in erster Line das Problem des Mitarbeiters. Arbeitnehmer seien selbst dafür verantwortlich, dass sie pünktlich am Arbeitsplatz sind. Und zwar auch an Tagen, an denen das gar nicht so leicht umzusetzen ist – beispielsweise, weil Streik, Stau oder Sturm den Weg zur Arbeit beschwerlich machen.

Bei selbstverschuldetem Zuspätkommen sogar Abmahnung

Und bei Lohnkürzung allein muss es nicht einmal bleiben. Im schlimmsten Fall drohe Mitarbeitern bei Zuspätkommen sogar eine Abmahnung. Diese Maßnahme sei allerdings nur gerechtfertigt, wenn Arbeitnehmer das Zuspätkommen verursacht haben. Bei Ereignissen, die nicht vorhersehbar sind wie ein Streik oder Sturm, kommt Meier zufolge derlei in der Regel nicht in Betracht.

Vorsicht! Ausnahmen!

Doch Vorsicht! Es gibt Ausnahmen. Etwas anderes gilt, wenn im Tarifvertrag oder in Betriebsvereinbarungen ausdrücklich etwas anderes geregelt ist. „OberpfalzNetz.de“ zitiert eine Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf. Das belässt zwar auch das Wegerisiko grundsätzlich beim Arbeitnehmer. Im vorliegenden Fall aber sahen die Richter das Unternehmen in der Pflicht, Mitarbeiter für Arbeitsausfälle infolge eines heftigen Sturms zu entschädigen. Grund: der Arbeitgeber selbst hatte es in einer Betriebsvereinbarung anders geregelt und müsse sich dann auch daran halten.

Ausnahme Offshore-Arbeitsplatz

Bei manchen Arbeitsplätzen habe es zudem der Mitarbeiter nicht in der Hand, pünktlich zu sein. Man denke zum Beispiel an Arbeitsplätze auf Offshore-Plattformen oder auf Inseln. Hier könne etwa starker Wind oder eine Flut das pünktliche Erscheinen von Mitarbeitern an ihrem Arbeitsplatz verhindern.

Lohn auch wenn nicht im Einsatz

Bei diesen Jobs trage ausnahmsweise der Arbeitgeber das Wegerisiko. Das bedeute, dass er den Mitarbeiter auch dann bezahlen muss, wenn der gar nicht im Einsatz ist.

Pünktlich sein – oder weniger Gehalt

Was aber soll ein Mitarbeiter tun, wenn er nun einmal im Stau steht – oder, wie ich damals vor einer ewig geschlossenen Bahnschranke? Dann sei es Sache des Mitarbeiters dafür zu sorgen, pünktlich zu sein – oder ebene eineKürzung des Gehalts hinzunehmen. Das blieb mir damals erspart – und anderen Kollegen offenbar auch. Der Verlag zog wenig später um.

 

Autor: Franz Höllriegel

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