22.07.2020

Probezeitverlängerung eröffnet letzte Bewährungschance

Drum prüfe, wer sich ewig bindet – und angesichts einer Ewigkeit reicht eine Probezeit von ein paar Monaten bisweilen nicht aus. Um einen neuen Mitarbeiter endgültig zu beurteilen, können Sie als Arbeitgeber eine Probezeit verlängern. Allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Probezeitverlängerung

Was müssen Sie als Arbeitgeber bei einer Probezeit beachten?

Sie können eine Probezeit höchstens für sechs Monate vereinbaren. Für solange ist grundsätzlich auch eine Probezeitbefristung nach § 14 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) nur möglich. Während der Probezeit können Sie als Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit einer zweiwöchigen Frist ohne Vorliegen eines den Anforderungen des Kündigungsschutzgesetzes (KSchG) genügenden Grundes kündigen.

Warum sollten Sie als Arbeitgeber eine Probezeit verlängern wollen?

Nun: innerhalb der Probezeit müssen Sie als Arbeitgeber sich ja entscheiden, ob Sie finden, dass der betreffende Mitarbeiter für die vorgesehene Tätigkeit geeignet ist oder nicht. Kommen Sie in dieser Zeit zu dem Schluss, dass er Ihre Erwartungen nicht erfüllt, dürfte die Entscheidung einfach sein: als Arbeitgeber können Sie das Arbeitsverhältnis innerhalb der Probezeit in der Regel mit einer kurzen zweiwöchigen Kündigungsfrist beenden.

Jetzt aber mal angenommen, Sie als Arbeitgeber benötigen dafür etwas länger und nach Ablauf der Probezeit noch Zeit, um sich eine endgültige Meinung über Fähigkeiten und Eignung Ihres neu eingestellten Arbeitnehmers zu bilden. Da gibt Ihnen die Rechtsprechung die Möglichkeit, die Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu verzögern, eben durch eine Probezeitverlängerung.

Wie lange können Sie auf diese Weise die Probezeit hinauszögern?

Dafür gibt es keine feste Grenze oder Höchstdauer der Verlängerung. Sie darf aber nicht zu lang bemessen sein. Die Rechtsprechung hat eine Dauer von bis zu vier Monaten als zulässig erachtet.

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Was können Sie als Arbeitgeber tun, um die Probezeit zu verlängern?

Dazu bieten sich Ihnen zwei Möglichkeiten:

  • entweder Sie kündigen dem betreffenden Mitarbeiter innerhalb der Probezeit, das aber mit längerer Kündigungsfrist;
  • oder Sie schließen mit ihm einen Aufhebungsvertrag mit einer längeren Auslauffrist.

Wie kündigen Sie am besten mit längerer Kündigungsfrist?

Sie kündigen schriftlich das bestehende Arbeitsverhältnis ordentlich. Angenommen, die Probezeit ging bislang bis zum 30.06., dann kündigen Sie jetzt beispielsweise zum 30.09. Dann weisen Sie kurz darauf hin, warum die Kündigung erfolgt, z.B. eben weil Ihr Mitarbeiter bislang Ihre Erwartungen nicht erfüllt hat und Sie ihm mit einer verlängerten Frist die Chance geben möchten, sich doch noch zu bewähren. Legen Sie noch einen Appetithappen aus, etwa indem Sie ihm günstigenfalls einen anschließenden Arbeitsvertrag in Aussicht stellen.

… und wie könnte ein Aufhebungsvertrag aussehen?

In ihn schreiben Sie hinein, wozu der Aufhebungsvertrag dienen soll, nämlich:

  • zur Vermeidung einer ansonsten von Ihnen als Arbeitgeber auszusprechenden Kündigung der Probezeit,
  • als zusätzliche Bewährungsprobe für Ihren Mitarbeiter,
  • als Ihre Zusicherung als Arbeitgeber, dass Sie gegebenenfalls eine Wiedereinstellung Ihres Arbeitnehmers prüfen werden.

Hinzu kämen noch ein paar Regularien, die in dem Vertrag festzuhalten wären. Wir haben für Sie für beides – das Kündigungsschreiben mit der verlängerten Kündigungsfrist und den Aufhebungsvertrag – ein Muster online zum Herunterladen bereitgestellt.

Autor: Franz Höllriegel